Die Vorbereitung.

Wer träumt nicht davon, auf eigenem Kiel um die Welt zu segeln. Seit ich als Zehnjähriger die Geschichten von Kolumbus, Vasco da Gama und James Cook verschlungen habe, vermischt mit ein bißchen Graf Luckners Seeadler, ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Das erste, eigene Boot war eine Varianta auf dem Bodensee und während der BR-Schein Ausbildung in Glücksburg, merke ich, daß viele von einer Weltumsegelung reden.

Eines Abends, bei einem schönen Glas Trollinger, stelle ich mir die Frage: "Was hindert mich eigentlich wirklich daran, es zu tun?" Und erstaunlicher weise fand ich keine Ausrede. Geld? Nun, man kann ja ein bißchen schaffen, sparen und anstatt Häusle zu bauen auch eine solche Reise finanzieren. So gehören wir heute zu einer Minderheit in Schwaben, die halt kein eigenes Häusle haben, dafür aber um viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen reicher sind. Die einzige wirkliche Entscheidung, die zu treffen war, ist: Bin ich bereit, das solide Netz der sozialen Sicherheit in Deutschland zu verlassen? Als ich schließlich Gaby kennenlerne, erklärt sie mir als erfahrene Personalreferentin, daß sich drei Jahre weniger Berufstätigkeit nicht drastisch auf die zu erwartende Rente auswirken würden. Und mit gesundem Selbstvertrauen - ich habe einen Kopf zum Denken und zwei Hände zum Arbeiten - findet jeder, der nur wirklich will und zu Kompromissen bereit ist, später wieder einen Job.

Da wir beide berufstätig waren, lebten wir für einige Jahre (wie viele Familien auch) von einem Gehalt, das andere wurde gespart. Wenn wir das nur drei Jahre durchhalten, könnten wir die drei Jahre unserer Reise vom gesparten Gehalt finanzieren, ohne daß wir unseren Lebensstandard zu sehr verändern müßten. Unser Traum ist in greifbare Nähe gerückt.

Die Tatsache, daß Gaby noch nie in ihrem Leben gesegelt ist, ja noch kaum mal das Meer gesehen hat, schreckt sie nicht. Ihr Selbstvertrauen, das Vertrauen in ihren Skipper und der unbeschreibliche Reiz eines solch ungewöhnlichen "Urlaubs" lassen unsere Entscheidung endgültig werden.

Für uns ist es wichtig, zunächst mit Yachties in Kontakt zu kommen, die eine solche Reise schon gemacht haben - Information aus erster Hand. Die Vereinigung Trans Ocean (kurz TO) hat jährlich im Spätherbst ihr Mitgliedertreffen in Cuxhaven. Wir werden Mitglied und sind sehr angenehm überrascht. Allein eine Ausgabe der TO Zeitschrift enthält mehr nützliche Informationen für Weltumsegler als eine ganze Jahresausgabe der Yacht. Auch während unserer Reise werden die weltweiten TO Stützpunkte immer wieder Stationen guter Ratschläge und auch Briefkasten für Post von daheim. Aus allen verfügbaren Ausgaben der TO-Zeitschrift kopieren wir die Beiträge, die uns für unsere Reise wichtig erscheinen. Sortiert nach Seegebiet haben wir so ein sehr aktuelles, zusätzliches Hafenhandbuch, voller nützlicher Tips, rund um die Welt.

 

 

Keiner von uns, Gaby schon gar nicht, war je zuvor über einen großen Ozean gesegelt In einem kleinen Boot ist eine solche Fahrt abenteuerlich genug, so daß wir versuchen, das Risiko soweit irgend möglich zu reduzieren. Daher wählen wir die sicherste Route, immer mit den Passatwinden, die Jahreszeiten mit tropischen Wirbelstürmen ausklammernd, und schnell ist unser grober Plan fertig. Dabei ist Jimmy Cornells "Segelrouten der Weltmeere" eine große Hilfe. Von einer Feinplanung nehmen wir Abstand, denn wer weiß, was alles kommen wird. Tatsächlich werden wir den karibischen Inselbogen ganz anders abfahren, Länder besuchen, die nicht eingeplant sind und andere dafür auslassen. Sehr schnell erkennen wir, daß es auch in drei Jahren unmöglich ist, alles zu sehen und immer wieder werden wir an attraktiven Plätzen einfach vorbei segeln. Dennoch hilft eine solche Liste, zur richtigen Jahreszeit am richtigen Ort zu sein. Wir rechnen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 4 Knoten, was sich später (mit Ausnahme der Pazifiküberquerung) als sehr zutreffend erweist.

Als Ausgangspunkt unserer Vorbereitungen nehmen wir uns Bobby Schenks "Fahrtensegeln" zur Hand. Dort ist eine interessante Tabelle gezeigt, wie die Fahrtensegler auf Langfahrt ausgestattet sind. Da wir uns als durchschnittliche Segler betrachten, wählen daraus wir immer diejenige Eigenschaft, die die meisten Segler ausgewählt haben - man muß ja nicht alle Fehler selbst machen. Daraus entsteht ein Kriterienkatalog für die Auswahl unserer Yacht.

Bilgepumpe, Leinen, Fender u.ä. sind selbstverständlich. Wir sind uns darüber klar, daß es das ideale Schiff nicht geben wird, und doch kommen wir schließlich unseren Vorstellungen sehr nahe. Aus Kostengründen haben wir uns für ein Gebrauchtboot entschieden. Es ist erstaunlich, aber schon nach nur 3 Wochen kennen wir den gesamten Gebrauchtbootmarkt unserer Größenordnung in Europa. Ein Besuch bei de Valk Yacht Brokers in Holland ist ein guter Start. Auch die Kleinanzeigen in der Yacht lassen wir nicht außer acht. Interessant ist für uns, daß die Preise, die exponentiell mit der Länge ansteigen, bei über 38 Fuß wieder fallen. So entscheiden wir uns schließlich für eine 41 Fuß Hallberg-Rassy, Baujahr 1976, die extrem gut gepflegt in Svendborg ihren Dornröschenschlaf hält.

Da es bereits Oktober ist, einerseits ein Törn durch die Biskaya ins Mittelmeer deshalb nicht mehr ratsam, andererseits aber der Wunsch, die Neuerwerbung auszuprobieren nicht zu zügeln ist, wird unser Schiff mit dem Tieflader nach Port Grimaud gefahren und findet sein neues Heim zunächst in Lavagna, einer sicheren Marina etwa 40 km südöstlich von Genua. Von Stuttgart aus ist das sogar näher als Kiel. Es wird sich auszahlen, daß wir Ägir erst noch für 2 Jahre im Mittelmeer "probesegeln", um so seine Stärken, Schwächen und die Handhabung genau kennenzulernen.

   ÄGIR wird seeklar ausgerüstet

Während dieser Zeit ergänzen wir die fehlende Ausrüstung und Gaby erhält ihre ersten Unterweisungen in Navigation und Seemannschaft. In der Praxis lernt sich besser und schneller als in der Theorie.

Die Segel werden konventionell gesetzt, keine selbstholende Winsch ist an Bord. Zunächst sind wir versucht, das zu ändern. Später sind wir froh, daß alles so einfach ist. Denn jedes System an Bord wird - gemäß den Gesetzen von Murphy - im ungünstigsten Zeitpunkt ausfallen. So entsteht eine der Grundregeln: Wir wollen so wenige troublemaker wie möglich an Bord. Also keine Gefriertruhe, Mikrowelle, Seewasserentsalzungsanlage, kein Wetterfax und ähnlicher Schnickschnack - nur das Notwendigste. Auch die Navigationssysteme sind nicht gekoppelt, da die Fehlersuche in unabhängigen Systemen wesentlich einfacher ist. Die Selbststeuerung, reine Mechanik, eine Pacific Plus von Windpilot wird noch eingebaut und wird sich als sehr zuverlässig erweisen. Für den Panamakanal sind vier Festmacher von 120 Fuß (ca. 40 m) gefordert.

Das Schiff und sein Zubehör kann nicht stark genug sein. Es ist immer wieder verblüffend, wie heftig doch die Beanspruchung für das Material auf Langstrecken ist. So haben wir beispielsweise später auf den Tuamotus eine amerikanische Yacht gesehen, deren Anker in einem Korallenstock verbogen wurde wie eine Brezel. Wir werden regelmäßig die Stagreiter am Vorsegel erneuern, weil sie einfach durchscheuern, rostfreier Stahl setzt im Salzwasser Rost an und scheinbar stabile Dinge fallen einfach ab. Unser Hufeisen-Rettungsring löst sich unter der starken UV-Strahlung der Südsee in Nichts auf. Ebenso die Verriegelung unserer Ausstellfenster: Stahl auf Aluminium, dazu Salzwasser und das Zeug zerbröselt einfach nach kurzer Zeit. Kein Wunder, denn bei einer Ozeanüberquerung ist das Schiff oft längere Zeit auf See als manche Yacht in Kiel oder am Bodensee in ihrem ganzen Leben. Kurz: Das Beste ist gerade gut genug.

Das gilt in gleichem Maße auch für das Bordwerkzeug - und wer heute darüber lächelt, daß wir fast 150 kg Werkzeug an Bord haben, hat am Ende einer Weltreise mindestens ebensoviel! Apropos Werkzeug, man sollte nicht nur an Schraubenschlüssel, -zieher, Zangen und Hammer denken, sondern auch an die vielen kleinen nützlichen Dinge, wie z.B. einen kleinen Spiegel, wie ihn Zahnärzte benutzen, und einen kleinen Multimeter um Strom und Spannung zu messen. Bei Firma Beck in Karlsruhe werden wir ausführlich und individuell beraten, welche Ersatzteile wir für die Maschine mitführen sollten. Auch diese Liste kann nicht lang genug sein, denn ein einfacher Simmerring für die Wasserpumpe ist in Tonga Gold wert.

Oft findet man zwar erfahrene Mechaniker auf der Reise, doch speziell auf den Inseln keinerlei Teile. Selbst im zivilisierten Yachtparadies Neuseeland tun wir uns schwer, eine metrische Schraube zu finden - God Save the Queen! Neben den Teilen für die Maschine nehmen wir Holz, Schläuche aller Art, Rohrschellen, Segeltuch, Leinen, Schoten, Kabel (möglichst großer Querschnitt), Kabelschuhe, Stecker, Schrauben, Muttern, Unterlagscheiben (in unterschiedlichen Stärken und Materialien) jede Menge Silikon-Dichtungsmasse, Rostlöser, Fette und Öle, Ersatz für Windfahne und vieles andere mehr mit auf die Reise - die ganze Vorpiek ist Ersatzteillager, und wir hatten nicht zuviel dabei! Vieles läßt sich auch sehr gut improvisieren: Dichtungen kann man aus alten Seekarten ausschneiden. Das Papier wird dann mit Fett eingerieben. Eine solche Dichtung an unserer Wasserpumpe hielt die ganze Reise und ist heute noch "in Funktion". Das Beiboot läßt sich mit Sikaflex hervorragend flicken, wesentlich preiswerter als die speziellen Gummikleber, die sich praktisch nicht lagern und laut Anweisung nur in klimatisierten Räumen bei festen Temperaturen verarbeitet werden sollen.

Als Beiboot entscheiden wir uns für ein aufblasbares Dingi (Zodiak), mit dem wir sehr zufrieden sein werden. Es zeigt sich, das dies - auch in Korallengewässern - sehr brauchbar ist. Man findet immer einen kleinen Steg oder ein Stück Sandstrand. Dabei ist es leichter und einfacher zu stauen als ein festes Boot. Unseren Johnson Außenborder (sehr schlechter Starter) tauschen wir in Neuseeland gegen einen Yamaha mit 5 PS.

Wir werden unterwegs auch unsere Ausrüstung um einen Tauchkompressor, eine Nähmaschine und einen Inverter (Transformator 12 V ® 220 V) erweitern.

Britische Seekarten sind die einzigen, die unsere gesamte Route abdecken. Aus Gründen der Konsistenz und Terminologie entscheiden wir uns dafür, die gesamte nautische Literatur für unsere Fahrt von der Britischen Admiralität anzuschaffen. Das wichtigste Buch davon ist der Katalog, unentbehrlich für die Auswahl von Seekarten. Dazu kommen Leuchtfeuerverzeichnisse, Verzeichnisse der Funkfrequenzen (für Wetter und Küstenfunkstellen), Gezeitentafeln. Die britischen Seehandbücher sind über weite Stecken lediglich eine verbale Beschreibung der Seekarten, doch sind die Informationen über Klima, Wetter, Meeresströmungen sehr nützlich. Speziell in Seegebieten, wo wir kein "Hafenhandbuch" oder keinen "Cruising Guide" bekommen konnten (z. B. Indonesien), erwiesen sich diese Seehandbücher als sehr hilfreich. Lästig ist die Tatsache, daß sie nur als gebundene Bücher vertrieben werden, und eine Aktualisierung viele unserer Winterabende zu hause in Anspruch genommen hat. Das Schöne daran ist, daß wir dadurch einen tollen Vorgeschmack darauf erhalten, was uns erwarten wird.

Dazu kommen noch die Tabellenbücher und das nautische Jahrbuch für die manuelle Navigation. Man sollte sich nicht auf die Technik verlassen! So bequem ein GPS ist, so empfindlich ist es. Wir haben sehr viele Systeme gesehen, die ausgefallen sind und den Skipper zwangen, von Hand zu navigieren. Wir üben deshalb unsere astronomische Navigation regelmäßig (auch auf der Südhalbkugel).

Die sogenannten "Pilotcharts" sind ganz nett zur Planung, aber durchaus nicht notwendig, sofern man in der Passatwindzone bleibt. Ebenso sind die "Ocean Passages for the World" nicht besonders aufschlußreich für Yachties. Was die Seekarten angeht, kann man ein Vermögen darin investieren. Dennoch sind für uns gute, aktuelle Karten die wichtigste und beste Informationsquelle - wir wollen, was unsere Sicherheit angeht, nicht zu knauserig sein. Eine sorgfältige Auswahl groß- und kleinmaßstäblicher Karten hält die Menge in vernünftigen Grenzen. Unterwegs werden wir noch die eine oder andere Karte hinzufügen, denn während unserer Vorbereitungen im winterlichen Deutschland wissen wir zwar wo Suva und Fidschi liegen, aber wir haben noch nie von den Yasawas oder Malolo Lailai gehört. Das nächste Mal würden wir uns erst Übersegler und Cruising Guides besorgen, und danach Detailkarten auswählen.

Unser Ziel ist es, die Risiken, soweit es in unserer Macht steht, so gering wie möglich zu halten. Wir führen grundsätzlich nachts Lichter und gehen Nachtwachen. Für uns zeigt sich, daß ein 3 Stundentakt von 18:00 Uhr abends bis 6:00 Uhr früh ganz angenehm ist. Es ist erschreckend, wieviel Yachten ohne Beleuchtung und ohne Nachtwache unterwegs sind (der Ozean ist ja so groß, da wird schon nichts passieren). Doch spätestens seit GPS ist jeder in der Lage, auch auf einem Großkreis zu navigieren und die Flotte der Yachten rückt wesentlich näher zusammen. Auf dem Atlantik haben wir einmal drei Yachten gleichzeitig in Sicht!

Wir haben Wind und Wellen erlebt, und sind sicher, daß ein Mann-über-Bord Manöver (wie beim A- und BR-Schein bis zum Umfallen geübt) unter solchen Bedingungen sehr zweifelhaft erscheint. Ein Mann-über-Bord darf es also einfach nicht geben. Deshalb tragen wir bei Nachtwachen grundsätzlich, und bei kräftigerem Wind auch tagsüber, die Lifebelts.

Ein Sender mit größerer Reichweite als UKW, also ein KW (SSB) Gerät halten wir für ein absolutes Muß. Ein EPIRB beruhigt noch mehr. Viel der Information unter den Yachten wird auf den Amateurfunkfrequenzen ausgetauscht. Neben dem Sprechfunkzeugnis für Seefunk ist deshalb eine Amateurfunklizenz sehr empfehlenswert. Das bedeutet aber auch, daß man nach dem Gesetz zwei Funkgeräte an Bord haben sollte - was für ein Blödsinn!

Selbstverständlich wird die Rettungsinsel regelmäßig gewartet. Wir sind dabei, wenn die Insel aufgeblasen wird. Nur so können wir feststellen, was wirklich dort eingepackt ist und in welchem Zustand sie sich befindet.

Vor unserer Abreise sind wir natürlich sehr aufgeregt, und nach all den gelesenen Horrorstories wollen wir körperlich topfit sein. Wir laufen regelmäßig vor dem Frühstück und treiben kräftig Sport. Nun, es hat sicherlich nicht geschadet. Tatsache ist, daß eine Weltumsegelung körperlich wesentlich wenig anstrengend ist, als wir dachten. Zum einen kommen auf jeden Segeltag im Durchschnitt vier Landtage, zum anderen läuft das Schiff auf den Langstrecken meist von selbst, und ein Segelwechsel pro Tag ist schließlich keine Hexerei. Viel wichtiger ist die psychologische Einstellungen zu den ständig auftretenden kleinen Problemen: Nun, alles an Ägir ist von Menschen gebaut worden, also kann es auch von Menschen repariert werden - und wir sind ganz normale Menschen. Damit wird die Aussage :"... es geht nicht" schlicht verbannt. Es gibt immer einen Weg! Und es geht immer irgendwie weiter, auch wenn man mehr als einmal improvisieren muß.

Als Ausgangspunkt zur Bestückung unserer Bordapotheke dient uns wieder Bobby Schenks "Fahrtensegeln". Carla Schenk ist Apothekerin. Nach Rücksprache mit unserem Hausarzt wird diese Liste jedoch drastisch gekürzt. Zuviel Medizin sorgt im Ernstfall bei Laien eher für risikoreiche Verwirrung. Wir beschließen deshalb, die Vielfalt der Arzneien zu reduzieren, und statt dessen für den Ernstfall lieber stärkere Mittel an Bord zu haben. Tabletten sind (vor allem ungekühlt) länger lagerfähig als Tropfen.

 

Viele dieser Päckchen bringen wir Gott sei Dank ungeöffnet zurück. Häufiger benutzt haben wir Desinfektionsmittel (vor allem für kleinste Schnitte an Korallen u. ä.), Salbe gegen Insektenstiche und Pflaster.

Zu den Impfungen werden wir am Tropeninstitut der Universität Tübingen sehr ausführlich beraten. Es zeigt sich, daß für unsere Route nur für Indonesien Hepatitis B empfohlen wird, die aber damals noch nur wenige Wochen vorhielt, und wir wollen drei Monate dort verbringen. Wir frischen unseren Tetanus auf und versorgen uns ausreichend mit Tabletten gegen Malaria.

An Bord werden wir von normalen Getränken leben. Das Wasser aus dem Tank, sei es für Kaffee, Tee oder Suppe ist in jedem Fall abgekocht. Ein Aktivkohlefilter in der Wasserleitung leistet gute Dienste, wir erneuern diesen etwa alle 6 Monate. Auch ohne das teure "Micropur" ist unser Wassertank bei einer Inspektion in Neuseeland - abgesehen von etwas Sand - blitzblank.

Nirgendwo finden wir Wurst- und Fleischkonserven so gut und preiswert wie in Deutschland. Nach ausgiebiegem Probeessen der unterschiedlichsten Konserven geben wir eine Großbestellung auf - danach legen wir den Wasserpaß um 10 cm höher. Frisches Fleisch hält sich auch ungekühlt ein paar Tage, wenn man es in Öl oder Essig einlegt.

Ohne es je zu Hause probiert zu haben, bäckt Gaby nach kurzer Zeit auf den Langstrecken sehr leckeres Brot unterschiedlicher Geschmacksrichtungen vom Pizzabrot bis hin zu Puddingstückchen. Fertige Backmischungen erleichtern den Anfang. Dosenbrot finden wir auch nur in Deutschland. Frische Eier lagern sich ohne jede weitere Behandlung wochenlang, sofern sie unbeschädigt sind.

Sehr schnell finden wir heraus, welches Obst und Gemüse gut hält. Zunächst darf es nie gekühlt gelagert worden sein. Frisches Obst und Gemüse vom Markt lagert wesentlich länger als solches aus den Kühlregalen der Supermärkte. Tomaten wickeln wir einzeln in Alufolie, so halten sie sich wochenlang. Je dunkler wir Gemüse lagern, desto länger bleibt es frisch. Relativ grüne Bananenstauden teilen wir auf, teils in die Sonne, teils hell, teils dunkel - so erreichen wir unterschiedliche Reifestadien. Selbst nach der 3000 sm Strecke von Galapagos zu den Marquesas haben wir (ohne Kühlschrank) noch etwas frisches Obst und Gemüse. Sehr gut halten sich Orangen, Möhren, Kohl, Kartoffeln, Äpfel. Gerade die Tropen sind ein Paradies für Früchte und Gemüse. So haben wir nie Mangel an Vitaminen und die Küche ist immer abwechselungsreich. Und wir essen Dinge, deren Namen wir nie zuvor gehört haben.

Den unterwegs gefangenen Fisch töten wir gewaltlos dadurch, daß wir ihm einen Schluck Schnaps einflößen. Nach kürzester Zeit liegt er regungslos an Deck. Die Anschaffung einer Angel war rausgeschmissenes Geld. Eine kräftige Leine, Tönnchenwirbel, Stahlvorfach mit Haken und Köder (alles ausgelegt auf 100 kg) einfach an der Klampe belegt und nachgeschleppt ist genauso wirksam. Wir verzehren den Fisch immer frisch. Unsere Erfahrungen mit Einsalzen und Trocknen waren nicht sehr erbaulich - das Zeug schmeckt einfach fürchterlich.

Cola, Fanta, Sprite, Bier und Wein sind Dinge, die wir auch im kleinsten Supermarkt auftreiben konnten. Allerdings sind die Preisunterschiede ein Grund dafür, daß wir an geeigneten Orten entsprechend bunkern. Eine Dose Bier in Margaritha, Venezuela kostet DM 0,16 - in Tahiti fast DM 3,-

Visa werden von den meisten Staaten nur auf eine bestimmte Dauer ab einem Gültigkeitsdatum ausgestellt. Deshalb müssen fast alle Visa unterwegs auf den entsprechenden Botschaften besorgt werden. Natürlich sind gültige Pässe und die Schiffspapiere regelmäßig beim Ein- und Ausklarieren gefragt. Darüber hinaus sind natürlich die Gebrauchsanleitungen und Teilelisten aller an Bord eingebauten Systeme und Komponenten mit auf der Reise. Wenn möglich, achten wir darauf, daß diese in englischer Sprache sind.

Ein Gästebuch stellt eine bleibende Erinnerung dar und hilft, die vielen Namen auch später noch zuzuordnen. Eine gute Basis, um Kontakte auch über den Törn hinaus zu erhalten. Um die Gästebücher anderer Yachten bunter zu gestalten, haben wir (300!) Fotos von Ägir mit. Das sind auch gefragte Souvenirs bei Beamten vieler Behörden, vor allem Zoll und Immigration. 

   
 

© ÄGIR  Gabriele und Jochen Leonhardt 1999. Alle Rechte vorbehalten. Letzter Update am: 22. März 2001