| Marokko, Kanarische Inseln, Atlantiküberquerung,
Marokko

Unser erstes
Abenteuer: Westliche Winde verschlagen uns nach
"Casa" - wie man diesen Ort hier
liebevoll nennt. Mit gerefftem Groß und Maschine
laufen wir bereits bei Dunkelheit Richtung Stadt
- ohne Seekarte und Hafenplan - aus der
Beschreibung des Seehandbuches fertige ich eine
Skizze, dazu weist ein Fischkutter den Weg.
Hinter der Mole Segel bergen etc.... Im
hintersten Winkel finden wir den Club Nautique de
Casablanca: Die Hafenpolizei weist uns nur
unklar ein und schon haben wir 5 Ruderboote um
uns herum, jeder will uns einen Liegeplatz
zuweisen!! So enden wir schließlich an einem
Schwimmsteg in einer solch dunklen Ecke, daß ich
zum ersten Mal auf durchgeladener Waffe in's Bett
gehe! Zumal die Hafenpolizei uns darauf hinweist,
daß wir hier nicht bleiben sollten - aber nach 3
Tagen auf See sind wir zu müde zu neuen
Manövern in der Dunkelheit: Schon steht ein
trunkener "Helfer" am Schiff: Seine
Fragen - Seid ihr nur zwei? Habt ihr eine Waffe
an Bord? - machen uns äußerst mißtrauisch. Die
Nacht schüttet es wie mit Kübeln und wir sind
froh, mal wieder die richtige Richtung
eingeschlagen zu haben und im Hafen zu liegen. Am
nächsten Morgen verlegen wir uns in den Club
Nautique - dort sind die Leute freundlich und wir
fühlen uns sehr sicher. Ein Deutscher lebt seit
6 Jahren hier auf seinem selbstgebauten Boot -
wir sind zum Kaffee eingeladen. Am Abend gehen
wir bei PouPouche an Bord - ein
französisches Paar auf dem Weg in die Karibik -
eine erste Freundschaft bahnt sich an.
Kaum sind wir 22
Stunden hier, und schon sind die Zoll- und
Polizeiformalitäten erledigt - wir haben ein
Permit d'Escale und dürfen an Land! Der
Liegeplatz ist preiswert: 24,- DM die Woche!!
Doch schon kommt unser "Helfer" der
ersten Nacht und will 2000 Pesetas (DM 40) für
nur eine Nacht - Gott sei Dank hat Gaby
Arabien-Erfahrung und Verhandlungsgeschick.
Landgang. In der
Bank wechseln wir 100 DM. Das dauert nur 30
Minuten, Gaby drängt in die Medina, die
Altstadt. Mir wird es wirklich ungeheuer: Engste
Gäßchen mit hunderten von kleinen Läden, oft
nur eine Nische in der Wand oder ein Teppich
mitten im Weg - das Ganze gefüllt mit Arabern
aller Couleur ("Casa" ist nicht sehr
touristisch), verschleierte Frauen, Männer in
Jelaba (Heinzelmännchen-ähnlicher Umhang) und
wir - blond und blauäugig werden von allen
Seiten angemacht. Auch hier hilft uns Gabys
Erfahrung: Einfach ignorieren, denn alle wollen
nur handeln und keiner trachtet uns nach dem
Leben. Das Angebot ist vielfältig und exotisch.
Vom Teekännchen, Lederwaren, Teppichen bis hin
zu Früchten aller Art (die Obstpresse ist
momentan ständig in Betrieb, damit wir frischen
Saft genießen können!), Kaktusfeigen ..Kaum
haben wir die ersten zwei Dollars ausgegeben,
schon ist unser Rucksack voll mit Orangen,
Zitronen, Zwiebeln, Melone, Banane ... Hühner
kauft man lebendig oder sie werden direkt frisch
geschlachtet und gerupft. Diese Hühner leben
direkt im Laden! Und Gewürze: Gaby's Herz
schlägt höher, als wir für nur 1 $ einen
ganzen Beutel Safran erstehen.
Wenn ich ehrlich
bin, war ich ganz froh, aus diesem Gewirr von
Gassen und Menschen wieder draußen zu sein. Wir
genießen das bei einer Tasse Pfefferminztee.
Richtige Pfefferminzblätter mit heißem Wasser
aufgegossen: Schmeckt wie Wrigley's Spearmint
Kaugummi.
Am Nachmittag sind
Brigitte und Gerard von Poupouche bei uns
zum Kaffee. Man tauscht Erfahrungen und
Dosenkäse gegen Rotwein, kopiert Hafenpläne und
Karten - es ist einfach friedlich und harmonisch!
Dienstag früh.
Der Regen hört auf. Der Wetterbericht ist gut:
Weiter. Auf in die Stadt und die letzten Dirham
ausgeben. Im Bazar fühlen wir uns jetzt schon
wie zu Hause. Keine Spur mehr der Angst des
ersten Tages. Wir kaufen das Notwendige, trauen
uns schon in "dunklere" Teestuben und
besorgen uns eben noch ein kleines Teekännchen.
Wir haben wirklich Mühe, von Samstag bis
Dienstag, inklusive Liegeplatz, unsere 100 DM
auszugeben - aber niemand wechselt Dirhams
zurück! Auslaufen geht nicht: Der Polizist, der
unsere Waffe unter Verschluß hält, ist
"gerade" nicht da, und so habe ich Zeit
genug, heute ein bißchen ausführlicher zu
schreiben. Poupouche will mit uns
auslaufen.
Kanarische
Inseln 
Der Atlantik hat
uns wieder. Die Windsteueranlage funktioniert
prima und prächtiges Segeln bringt uns in genau
3 Tagen und 3 Nächten nach Graciosa,
einer kleinen Insel nördlich Lanzarote. Wir
ankern in einer Bucht vor wunderbarem,
menschenleerem Sandstrand, wenige Meilen südlich
der steilen und kargen Wände von Lanzarote. Nur
2 Stunden nach uns kommt Poupouche -
unsere französischen Freunde aus Casablanca und
wir freuen uns, daß auch sie heil hier
angekommen sind.
Wir schlafen aus -
unser Petroleum Ankerlicht ist erstmals im
Einsatz und bewährt sich. Eine kurze Ecke um die
Insel und nach wenigen Stunden liegen wir in Arrecife,
Lanzarote im Schutz einer dicken Mole mit vielen
anderen Yachten gemeinsam sicher vor Anker. Das
Beiboot wird klargemacht - der Bummel durch die
Stadt ist enttäuschend: Es ist Sonntag und total
ausgestorben. Wie sich später herausstellen
sollte, gibt es hier fast keine Touristen, die
wohnen alle in Puerto del Carmen, einige
Kilometer südlich.
Ein gelbes
Gummiboot kommt vorbei: "Leck mi am Arsch:
Schwobe aus Reutlinge!" Ein Ehepaar, mit
einem selbst entworfenen Boot, erfüllt sich
seinen Traum und reist um die Welt auf ähnlicher
Route wie vor. Wir planen gemeinsam die Insel zu
erkunden. Horst und Ute besorgen einen Mietwagen
(R5) und am nächsten Tag geht's los:
Weinbau auf
Lanzarote. Wüste. In kleinen,
hufeisenförmigen Feldern wächst jeweils ein
Rebstock, alle 15 Meter einer! Hinter den kleinen
Mauern suchen sie Schutz vor Wind und Sonne, und
bewahren sich ein bißchen Feuchtigkeit. In einem
alleinstehenden Bauernhaus finden wir in einem
Nebengebäude eine alte Frau, derb und dick
bekleidet, die Wein verkauft - frisch vom Faß in
Flaschen aller Art abgefüllt: Ein bißle
probieren hebt die Stimmung, der eine ist herb
und kräftig, der andere süß wie Port.
Tringaton:
Ein erloschener Vulkan. Mondlandschaft ringsum.
Keine Pflanze, kein Tier, noch nicht mal ein
Vogel oder ein Käfer. Eindrucksvoll und fast
gespenstisch.
Timanfaza: Ein
Naturpark, Mondlandschaft soweit das Auge reicht.
Die vulkanische Hitze wird hier sehr anschaulich
demonstriert: Ein Büschel Heu in eine Erdspalte
geworfen entzündet sich, ein Eimer Wasser
hinterher verdampft wie ein Geysir, und im nahen
Restaurant werden Hühnerbeine und Schaschlik
einfach über einer Erdöffnung gegrillt. Man
sieht kein Feuer, es kommt nur heiße Luft
(wirklich heiß!!).
Nach all diesen
Eindrücken erfrischen wir uns mit einer Tasse
Kaffee am Golfo, einer durch Plankton
hellgrün gefärbten Lagune. Vorbei an einer
Kamelzucht und Salinen, dort gewinnt man das gute
Meersalz tonnenweise, fahren wir ganz an die
Südspitze von Lanzarote und nehmen ein
erfrischendes Bad in der Bucht von Papgazo
und wollen einfach wieder zurück zum Hafen.
Doch dort, wo wir
laut Karte die Straße vermuten, ist nur noch
Piste, die Steine werden immer gröber, die
Hänge steiler. Horst - kurzsichtig aber
saharaerfahren - übernimmt das Steuer. Der R5
wird kräftig strapaziert. Gaby bittet der Nerven
zuliebe um Zigarettenpause, doch die kommt ganz
von allein. Selbst als wir ausgestiegen sind,
steckt das Auto so tief im Geröll, daß wir uns
ernsthaft Gedanken machen, ob und vor allem wie
wir hier jemals wieder rauskommen. Wir kehren um.
Mit viel Gefühl fahre ich zurück und als wir
nach 10 Minuten (die uns wie Stunden vorkommen)
wieder die Ebene und andere Autos erblicken,
weicht so langsam die Anspannung. Wir gönnen uns
dafür ein köstliches Abendessen - Thunfisch vom
Grill - ein erlebnisreicher Tag geht zu Ende.
Im Hafen gibt es
Neuigkeiten. Eine schweizer Yacht , die wir von
Spanien schon kennen, ist eingetroffen - ein
mords Hallo! Weitere Bekanntschaften bahnen sich
an, heute Kaffee bei Tonenel (sind schon
zum 2. mal auf der Reise), mal die ganze Natz bei
uns. Die Albatros mit Hellmut und
Hannelore (Schwaben!) sind eingetroffen und der
Höhepunkt schwäbischer Geselligkeit bahnt sich
an: Horst und Ute bieten ein Cannstatter
Zuckerle, wir eine Birnauer Kirchhalde, Hannelore
und Hellmut einen Esslinger Schenkenberg: Und so
hocken wir fröhlich im Hafen von Lanzarote.
Fachsimpeln über Schiffe regt die Reparatur- und
Bastelwut an, Ideen der anderen sind oft
verblüffend. Schon bringt Horst seine
Riesenzange und wir liegen beide kopfüber im
Kiel: Unsere Welle ist wieder dicht. Gaby und ich
löten aus Langeweile noch in unserer
elektrischen Selbststeueranlage herum (wir
probieren das schon seit 2 Jahren).
Ein Plausch mit
Ute. Wir reden über Großväter.
"AWS": Alfred Wais, Sillenbuch. Was
Sillenbuch? Da gibt&rsquos doch eine
Gorch-Fock-Straße? Klar! Dort wohnt meine
Patentante! Frau Förster. Ihr Sohn Konrad
besuchte mit mir zusammen die Grundschule - so
klein ist die Welt!
Inzwischen
verbindet uns eine dicke Freundschaft mit Ute und
Horst - wirklich zwei ganz liebe Menschen! Und so
umkompliziert. Gaudi kommt auf, als die Schweizer
mit an Bord kommen. Die fahren ein High-Tech
Schiff mit Gefriertruhe und Mikrowelle und
sprechen wie Emil. Dort haben wir Gelegenheit,
unsere bisher gedrehten Videos zu sehen: Es ist
kaum zu glauben, wie lange unsere Abreise schon
zurückliegt - wir haben das Gefühl, schon Jahre
unterwegs zu sein. Auch unsere ersten drei Filme
sind entwickelt, wir leisten uns einen kleinen
"Gucki" und betrachten "alte
Erinnerungen".
Fünf
marokkanische Fischkutter laufen ein - und es
wird unbehaglich: Öl und Plastik im Wasser,
lärmendes Hämmern morgens um 7:00, Ruth und
Heinz wird das Beiboot gestohlen (und durch
Zufall wiedergefunden). Noch ein Besuch im Museum
für zeitgenössische Kunst, das in einem alten
Kastell wunderbar untergebracht ist, angeblich
mit Bildern von Miro (ist schon wahr, nur gibt es
in Spanien "Miro's" wie in Deutschland
"Maier's").
Uns zieht's weiter
- Abendessen mit Ute und Horst - am nächsten
Morgen geht's Anker auf. Eine Woche Lanzarote ist
genug.
Sanddünen
auf Fuerteventura
Der elektrische
Autopilot tut und wird zur Feier des Tages sofort
getauft: Harry Hirsch. Er bringt uns
zielsicher nach Fuerteventura und nach nur
wenigen Stunden laufen wir den kleinen Hafen von Puerto
Castillo an. Ute hatte uns noch vor dem
vorgelagerten Riff gewarnt. Wir passen Hochwasser
(Flut) ab und finden ein kleines Paradies:
Glasklares Wasser, tolle Hafenanlage mit Strom,
Süßwasser, warmen Duschen - alles zu
vernünftigen Gebühren. Links direkt ein langer
Sandstrand neben dem Hafen, rechts das Riff -
ideal zum Tauchen. Im Hafen gibt es einen
Kompressor, wo wir unsere Flaschen füllen
können - ich denke, hier können wir eine ganze
Weile bleiben, zumal wir von Amateurfunkern immer
wieder hören, daß die Haupthäfen der
Kanarischen Inseln z.Zt. alle überbelegt sind.
Alles wartet darauf, von hier aus Mitte November
über den Atlantik zu können - ich schätze es
sind insgesamt an die 500 Yachten.
Wir sind bereit zu
einem Tauchgang am Riff. Hellmut ist ein relativ
unerfahrener Taucher - wir nehmen ihn mit, nein;
er uns! Sein Beiboot wird mit 4 Personen besetzt,
volles Tauchzeug (leichtes Übergewicht); schon
bei der Umrundung der Hafenmole leichtes
Spritzwasser - 100 Meter weiter Szenen, die an
DAS BOOT erinnern. Gummiboote können nicht
untergehen und wir haben ja unsere Luft dabei.
Der Tauchgang ist kurz aber wunderschön. Kleine
Barrakudas, Papageienfische, Barscharten in
vielen Sorten und am Grund jede Menge Seeigel.
Hellmut hat noch Schwierigkeiten mit dem Tarieren
und seine Füße sehen anschließend trotz
Flossen aus wie Mohnbrötchen.
Wir wollen gegen
Mittag auslaufen, um am nächsten Mittag auf Gran
Canaria anzukommen. Stundenlang segeln Albatros
und Ägir nebeneinander und während
Hellmut nahtlos bräunt, steckt Gaby noch im
Ajungilak (norwegisches Topmodel eines
winterfesten Schlafsacks!). Im Abendlicht
passieren wir die Südspitze Teneriffas und
unsere Wege trennen sich. Mit frischem Wind sind
wir bereits um 5 Uhr früh in Las Palmas de
Gran Canaria fest. Es ist stockdunkel und
irgendwie ist Abendessen Stimmung: Also gibt's
Krautgulasch mit Bier ...
Endlich wieder
eine grüne Insel - wir genießen das Stöbern in
den Markthallen voller Gemüse und Obst und was
Gaby nicht kennt, wird gekauft und probiert. Es
ist einfach toll! Las Palmas hat einen langen
Sandstrand und wir können im seichten, warmen
Wasser kaum genug bekommen vom Toben!
Alte Bekannte sind
im Hafen: Ute und Horst. Riesiges Hallo. Seine
Maschine startet nicht mehr. Nach 3 Stunden
gemeinsamen Suchens läuft die Kiste wieder.
Horst ist überglücklich und die nächsten 6
Stunden damit beschäftigt, seinen Diesel wieder
in den Urzustand zu versetzen: Der sieht nämlich
aus wie im Verkaufsraum!
Am Abend sitzen
die 4 Crews von Suevia (Reutlingen), April
Love (England), Ventoso (Südafrika)
und Ägir bei ungezählten Gläschen Wein
zusammen. Die Abende unter Yachties sind
unglaublich schön. Vielleicht liegt dies einfach
an der Grundeinstellung dieser Menschen.
Inselrundfahrt mit dem
"Panda". Zuckerrohr und
Bananenplantagen. Ein spezieller Käse wird mit
dem Saft von Artischocken versetzt: Queso del
Flor - ein wirklich empfehlenswerter Ziegenkäse.
Speziell der Norden der Insel hat es uns angetan.
Eine tolle Landschaft, kaum zu beschreiben.
Picnic in den Bergen - es ist richtig kalt und
wir kramen die Pullis raus. Beim gemeinsamen
Abendessen zeigt sich dann, wie hungrig Panda
fahren macht und zur allgemeinen Erheiterung
verdrücke ich gleich 2 Portionen.
Zu erwähnen ist
in Las Palmas natürlich auch "Pedro
Texaco", der Inhaber der Tankstelle. Er
kennt jeden und alles, ist äußerst hilfsbereit
und löst jedes Problem (manchmal dauert es
natürlich ein paar "mananas"). Als wir
Las Palmas verlassen, gibt es in unserem
Bruchbuch keine offenen Punkte mehr und ich bin
meinem Meisterbrief für Schiffsdiesel einen
gewaltigen Schritt näher gekommen (Ventile
einstellen, Kraftstoffilter reinigen, Leitungen
verlegen, Wasserpumpen zerlegen und wieder
funktionstüchtig zusammensetzen ...).
Gaby hat
inzwischen mittels Moskitonetz ein schnakenfreies
Vorschiff gebastelt und als nach ihrem Einkauf
bei Cruz Major (dem Kaufhaus um die Ecke) der LKW
vorfährt mit der Frage: "Ägir?"
füllen wir unsere letzten leeren Schapps.
Kurze Überfahrt
nach Teneriffa. Auf den Klippen direkt vor
dem Hauptleuchtturm liegt ein riesiger Dampfer -
er hat wohl zu genau auf das Leuchtfeuer
zugehalten. Es ist mir unverständlich, wie so
etwas passieren kann - da muß die gesamte
Mannschaft gepennt haben!
Heute ist
Feiertag: Allerheiligen, aber vor allem haben wir
heute zum ersten Mal Post erhalten!
Vorgeschichte: 31.10.91,
15:00 Uhr fest in Santa Cruz de Tenerife.
Radl klar. Gaby ab zum TO-Stützpunkt. San
Andres ist ein Ort ohne Straßennamen. Eine
alte Frau verwaltet für 500 Pts/Monat (ca. 8 DM)
die Post. Sie geht in Ruhestand und das gesamte
Postzustellverfahren löst sich in Wohlgefallen
auf. Kurz Gaby kennt jetzt ganz schön viele
Leute im Dorf! Bei Schneiders ist keiner da, Gaby
hinterläßt eine Nachricht, daß wir morgen
wieder kommen. Wir sind müde, können aber noch
nicht zu Bett, weil der Schwede neben uns gegen
21:00 Uhr auslaufen will. Noch ein kurzes
Manöver, einige Zigaretten Bakschisch für den
Hafen Öhi und ab in die Koje...
Gegen 11:00 wollen
wir zu Elke und Heinz, doch schon gegen 9:30 Uhr
hält eine Rostbeule von
R4-Caprio-GTI-Turbo-Rover vor unserem Liegeplatz:
"Hallo Ägir!" -
"Heinz?" Ich habe Post für euch!! Für
uns ist dies das erste Mal - welche Aufregung.
Wir hoppeln in einem Rostloch von
"Auto" detras villa pax - ein
Ort, den ein Tourist niemals finden würde -
Kompliment an DHL!! Paket, Briefe .. Es ist wie
Weihnachten. Heinz karrt uns zurück. Die Welle
ist da, Kreditkarte, Batterien, was uns aber noch
viel mehr freut sind die lieben Gedanken und
Briefe. Wir machen zur Feier des Tages einen Sekt
auf und haben bereits gegen 11:00 Uhr gewaltig
einen im Tee ...
Zum Thema Schwabe
im Ausland. Auf Lanzarote lernten wir Ute und
Horst (Reutlingen - Uhrmacher) kennen, die fast
dieselbe Route haben und uns verbindet inzwischen
eine dicke Freundschaft. Während des Segelns
wird geangelt. Thunfisch ist nicht selten und der
Trick, einen Thun kurz und schmerzlos zu töten
besteht einfach darin, ihm einen Schuß Schnaps
zwischen die Kiemen zu schütten. Sparsam wie
Horst ist, versucht er es mit Spiritus .. Der
Fisch wird quicklebendig, sein ganzes Schiff ist
blutverschmiert ... und das ganze kanarische
Archipel weiß inzwischen, daß die Schwaben von
den Schotten abstammen. Der Spiritus (künstlich
vergifteter Alkohol) bewirkt zusätzlich den
"flottesten Otto", den die beiden je
hatten ..
San Andres
ist ein kleines Fischerdorf und wir lassen uns in
der dortigen Cofredia (so was wie eine
Genossenschaft) mit gegrilltem Fisch, papas
arrugadas (auf spezielle Art zubereitete
Kartoffeln) und feinem Sößle verwöhnen. Auch
der Sandstrand lockt und wir sind mal wieder
ausgelassen, wie die kleinen Kinder.
Heute sitzen wir
bereits um 7 Uhr im Bus und gegen 11 Uhr sind wir
an der Talstation zum Teide. Ganz schön
außer Atem machen wir auf 3717 Metern Höhe
Picnic. Der Gipfel ist ein Vulkankrater, wo noch
an unzähligen Stellen Schwefeldämpfe aus
heißen Spalten austritt. Beeindruckend der
Rundblick von oben über Teneriffa, Gran Canaria,
La Palma bis nach Gomera, unserem nächsten Ziel.
Beeindruckend auch die Menschen und ihre
Bekleidung bzw. ihr Schuhwerk, wie sie aus der
Gondel steigen: Shorts und Goldschläppchen oder
High-Heels! Wir fallen richtig unangenehm auf mit
Rucksack und Stiefeln. Doch die Landschaft ist so
gewaltig hier und so vielseitig vom toten Vulkan
bis zur furchtbaren Bananenplantage, daß die
"Touris" schnell wieder vergessen sind.
... und dann war
da noch Juan. Auf den ersten Blick der
Hafenmeister: Weiße Hose, Hawaii-Hemdchen,
Kapitänsmütze, braun gebrannt, hilfsbereit beim
Festmachen, eifrig notierend mit Block und
Schreiber, welche Yacht wie lang ist .. später
stellt sich heraus, daß Juan weder lesen noch
schreiben kann, eigentlich ein Clochard ist, der
sich mit dieser Masche seinen Unterhalt
ergaunert!
Neben uns liegen
Linda und Don aus Auckland. Wieder ein
wundervoller Abend mit Erzählungen vom Schwimmen
mit Delphinen, Neuseeland, ... selbst das Rote
Meer verliert seine Schrecken, wenn mal jemand
positiv und ohne Sensationsjournalismus davon
berichtet. Übrigens, die beiden sind seit 6
Jahren unterwegs - ohne Sturm!
Die nächste
Etappe ist wieder herrliches Segeln.
"James" - unsere Windsteueranlage
arbeitet hervorragend und so runden wir abends
die Südspitze Teneriffas. Wir wollen noch einmal
in einen richtigen Hafen wegen Wasser und so ..: Puerto
Colon ist die letzte Gelegenheit für viele
Wochen. Mit den Worten: "Wir sind voll"
schickt man uns wieder weg und ich bin total
stinkig, denn es hatte Platz genug.
Wahrscheinlich ist unser Ägir doch nicht
nobel genug. Also zurück nach Los Christianos,
ein kleiner Fischer- und Fährhafen mit großer
Ankerbucht. Kaum sind wir dort fest, ist meine
Wut auch schon wieder verflogen, denn alte
Bekannte liegen hier: Maria und Klaus aus
Esslingen, Aida aus Ludwigsburg, Bodo aus
Österreich ...
Hier ereilt uns
der Höhepunkt des Pauschaltourismus: Stellt Euch
vor, wir liegen gemütlich an der Pier beim
Frühstück, Niedrigwasser, so daß man von der
Mole aus schön reingucken kann. Bleiben prompt
auch 4 "Neckermänner" stehen, mit
folgender Konversation:
" Guck mal, wie
niedlich die frühstücken!"
".. und die Wäsche, die ist auch schon
gemacht !"
" Worauf die jetzt wohl noch warten?"
Gaby's
demonstratives Grinsen verunsichert die Vier und
sie ziehen weiter.
Wie viele Kanister
gehen in einen Tank? Antwort: Etwa 3 Stunden.
Aber wir sind voll mit gutem Süßwasser, wenn
auch Gaby fix und foxi erst mal zum Strand geht.
Ich baue noch einen Seewasserpumpe für die
Küche ein, damit haben wir unterwegs so viel
"Spätzleswasser" wie wir wollen.
Kurzer Schlag nach
Gomera. Unser erstes Traumziel ist
erreicht. Ankern in der Bucht von San
Sebastian. Genau hier hat vor 499 Jahren
Christoph Columbus vor seiner Reise den letzten
Proviant aufgenommen. Beim ersten Dorfbummel
betreten wir deutlich gerührt die Kirche, in der
er vor der Abfahrt die Messe besuchte. Ebenso
existiert noch der Brunnen, aus dem die Fässer
der Nina, Pinta und Santa Maria mit
Frischwasser gefüllt wurden.
Faszinierender
Blick über Hierro
Gomera hat keinen
Flughafen. Es ist der erste wirklich urige Ort,
den wir besuchen. Ein ganz tolles Wandergebiet
mit Regenwald, Lorbeerwäldern, Steilwänden und
sanften Talsohlen. In der Ankerbucht nur wenige
Yachten - kein Gedränge und selbst im Hafen
glasklares Wasser.
Nicht nur, daß
wir während der letzten 70 Tage eine Unmenge
schöner Erlebnisse hatten, wir haben persönlich
auch vieles gelernt. Miteinander, voneinander und
durch andere. So wächst unsere Geduld und Ruhe
von Tag zu Tag und Jochen kann schon über eine
Stunde wartend im Hafen Kreise ziehen, ohne
ungeduldig zu werden - wo doch nur ein Schiff vor
uns an der Tankstelle ist! Oder die Fähigkeit,
sich mit dem Wörtchen "nichts"
auseinanderzusetzen, wenn z.B. auf See noch nicht
einmal eine Möwe vorbeischaut und ich bin mir
sicher, daß ich während der
Atlantiküberquerung noch reichlich Zeit zum
Üben haben werde. Oder da wäre das Wort
"Gleichberechtigung" - so richtig
gewinnt das erst an Bedeutung, wenn ich meine
Nase in diesen übelriechenden Motorraum stecke
oder 20 Literkanister durch den schlammigen Hof
schleppe. Dabei habe ich übrigens die erste Frau
gesehen, die in Gummistiefeln und Bikini unter
einer sogenannten Dusche steht. Oder die
Offenheit, mit der "man" inzwischen auf
andere zugeht, die Toleranz, die wir langsam
wirklich erlernen.... Mal sehen, was noch so
alles aus uns wird - auf jeden Fall ist auch
dieser Aspekt der Reise wirklich erlebenswert.
Atlantik
Um es vorweg zu
nehmen: Es gibt keine Sturm oder Bruchgeschichten
vom Atlantik! Vielmehr hatten wir schwache Winde,
benötigten so 25 Tage (statt wie geplant 21) und
noch nicht mal einen abgebrochenen Fingernagel!
Und wie verlief
nun ein typischer Seetag? Langeweile? Keine Spur!
Beginnen wir mit der Frühschicht:
03.00 Uhr Wachwechsel. Der abnehmende Mond,
Jupiter und Venus grüßen am Morgenhimmel. Seit
etwa 8 Tagen können wir das Kreuz des Südens
sehen, der Wagen geht unter und Orion steht im
Zenit, ungewöhnliche Konstellationen für einen
geübten Sternengucker. Es gibt Nächte mit
hunderten von Sternschnuppen, manchmal ganz
helle, so daß man meint, es blitzt. Und es ist
so klar, daß die Sterne, wie bei uns nur die
Sonne, direkt am Horizont auf- und untergehend
sichtbar sind. Der Spiralnebel im Sternbild
Andromeda - auf der Sternwarte in Stuttgart mit
dem großen Fernrohr gerade noch zu erahnen - ist
hier mit dem bloßen Auge deutlich sichtbar.
03.45 Uhr der
Wecker klingelt: Norddeich Radio (wir sind
inzwischen 5 Stunden auseinander, ein deutliches
Zeichen, daß wir gut westwärts vorankommen).
Wird ein Gespräch für uns dabei sein? Speziell
auf See ist es wunderbar, wenn zu Hause jemand an
uns denkt und Gaby hat deshalb öfters mal
Freudentränen in den Augen. Oft ist zwar die
Verständigung schlecht, aber das macht nichts -
die Tatsache des Anrufs an sich hat für uns
Bedeutung genug.
Morgengrauen.
Farbenspiele, die sich einfach nicht in Worte
fassen lassen, und deren Veränderung weder auf
Video noch Foto annähernd so beeindruckend wie
in Natur wirken können.
Sobald die
Nachtschicht aus der Koje kommt, gibt's
Frühstück. Mit viel Zeit und Muse fällt es je
nach Seegang unterschiedlich üppig aus. Gaby
hatte eigentlich geplant, auf der Überfahrt
überflüssige Pfunde mit Hilfe der Seekrankheit
abzubauen - doch es kommt ganz anders: Gaby geht
es blendend und essen wird zu unserer
zweitliebsten Beschäftigung etwa wie folgt:
07:00 Frühstück
09:30 2. Frühstück
11:00 Mittagessen
13:00 Kaffee
15:00 Vesper
17:00 Abendessen
... und nachts zu jedem Wachwechsel ein
Süpple...
Stimmung
auf dem Atlantik
Dazwischen bleibt
also nur noch wenig Zeit, etwas Navigation,
lesen, angeln, ... Regelmäßig haben wir
Funkkontakt mit anderen Yachten. Das Angeln
verläuft etwas unerwartet. Je länger wir
unterwegs sind, desto ungeduldiger wartet Gaby
auf einen Biß - und wir gewöhnen uns langsam an
den Gedanken, daß wir, wenn man ein Tier so
tötet, eigentlich ganz natürlich leben - die
Natur ist doch ein endloser Kreislauf des
Gefressenwerdens und die Natur ist so üppig
ausgestattet, daß bei normalem Verhalten keine
Tierart aussterben wird. Wir sehen unterwegs
Thunfische und Goldmakrelen, die in der Flaute
neugierig um unser Boot schwimmen, auch Delphine
und Tümmler sind da; täglich haben wir
fliegende Fische an Bord. Diese starten aus dem
Wellenkamm, fliegen dann bis zu 200 m weit flach
übers Wasser und landen etwas plump mit einem
kräftigen "Platsch". Seegang
erleichtert also den Start und so wird schnell
die Anzahl der Fische, die wir morgens an Deck
einsammeln zur Maßzahl für den Seegang: Mehr
als 4 entspricht mäßig bewegter See. Unser
beeindruckendstes Erlebnis ist die Begegnung mit
einem Schwertwal, der zwei Tage lang für
Unterhaltung sorgt. das Tier - etwa so lang wie
unser Schiff - deutlich erkennbar an dem weißen
Fleck auf der Unterseite, kommt bis auf 5 m an
uns heran und schwimmt ganz friedlich mit, taucht
ab und zu auf, um abzublasen und wieder Luft zu
holen. Wale können bis zu einer Stunde lang und
1000 m tief tauchen! Und das Tollste: Stellt Euch
vor, eine Atlantikwelle etwa 4 m hoch, 200 m
lang, harmloses und gemütliches auf und ab. Das
Wasser ist ganz klar und mit der Sonne werden die
massiven Wellenberge zwar nicht durchsichtig,
aber doch durchscheinend. Und in dieser Welle der
Wal - direkt hinter unserem Heck und hoch über
uns. Es ist wie im Aquarium, ohne Scheibe, ohne
Wärter, und ganz alleine für uns.
...und
immer wieder mal ein Regenschauer
Der Atlantik ist
groß - endlos schweift das Auge und mit ihm die
Gedanken. Wieviel Mühe machen wir uns, um Ägir
zu Arbeiten am Unterwasserschiff mit dem Kran 2 m
hoch an Land zu heben. Und hier passiert das
mehrmals pro Minute, scheinbar mühelos hebt uns
jede Woge hoch, scheinbar ohne Energieverlust -
welche Kraft steckt in jeder einzelnen Welle -
und wie winzig und unbedeutend sind wir dazu im
Vergleich. Und wie wichtig haben wir uns früher
immer gefühlt, privat und vor allem im Büro! Es
relativiert sich vieles auf unserer Reise, und
wir sind froh, all das erleben zu dürfen.
"... und wird
es nicht problematisch sei, so lange zu zweit auf
so kleinem Raum?" Wie oft hat man uns diese
Frage gestellt. Wir verbringen harmonische Tage
auf See. Jeder Tag bringt etwas Neues. Und wenn
nicht, dann bringt es Gaby: Sie hat einen ganz
lieben Adventskalender gebastelt und täglich
gibt's eine Überraschung für den Skipper.
Natürlich steigt mit zunehmender Reisedauer der
Wunsch, endlich anzukommen: Die Frage: "Wie
viele Meilen sind es noch?" stellt sich
mehrmals täglich. Und doch klappt es so toll,
daß - wenn einer von uns den
&lsquoAnkomm-wollen-Koller&rsquo kriegt -
der andere ihn liebevoll tröstet. So schaffen
wir es, diesen Koller zu einem ganz seltenen
Ereignis zu machen und es ist traumhaft schön zu
erleben, daß die Tatsache, daß wir zu zweit
allein auf so engem Raum beisammen sind, mit das
Schönste an unserer ganzen Reise wird.
1300 Meilen auf
See. Bergfest. Die Hälfte ist geschafft. Zwei
Tage lang treffen wir Vorbereitungen, die in
einer unbeschreiblich albernen Veranstaltung
enden, wo ich mich z.B. in Wanderstiefeln im Mast
im steilen Want (siehe Heino) wiederfinde. Wir
versuchen, diese ausgelassene Atmosphäre auf
Video zu bannen ...
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