| Barbados, St. Lucia, Bequia, Grenada, Venezuela,
Curacao und Panama. Barbados

14. Dezember 1991,
22:42 Uhr. Land in Sicht! Die Ansteuerung
gestaltet sich karibisch: Das Leuchtfeuer an der
Ostecke von Barbados brennt überhaupt
nicht und so erweisen sich landende und startende
Flugzeuge, die in Richtung Airport zeigen, als
beste Ansteuerungshilfe bei Nacht. Das
Leuchtfeuer an Needham's Point, welches uns den
Weg zu unserem Ankerplatz weisen soll, ist noch
besser: Die Seekarte beschreibt ein weißes
Licht, das Hafenhandbuch redet von 4 Blitzen alle
25 Sekunden, das Leuchtfeuerverzeichnis
beschreibt es als Einzelblitz alle 8 Sekunden,
nur das britische Seehandbuch hat recht:
"There is a light at Needham's Point".
Wir beschließen, daß der Einzelblitz alle 4
Sekunden Needham's Point sein muß und lassen im
Morgengrauen in Carlisle Bay vor Bridgetown,
Barbados, unseren Anker fallen.
...
Traumstrand...
Frühstück,
Anmeldung über Funk beim Zoll, Gaby wird
temporär zum Schiffsführer und erledigt die
Formalitäten. Hormonell bedingt sind wir
natürlich als erste abgefertigt und dürfen an
Land. Wasser 27 bis 280C und der Sandstrand ist
so fein, fast wie Mehl! Da unsere
Windsteueranlage einen wirklich tollen Job
gemacht hat, haben wir über den Atlantik keine
Meile von Hand gesteuert. So sind wir beim
Ankommen ausgeruht und fühlen uns überhaupt
nicht müde. Ein Glas lauwarmer Champagner, ein
Bummel durch Bridgetown, Ein nobles Restaurant
(wir sind die einzigen Gäste) ist für uns der
passende Rahmen für das Welcome-Dinner und die
Feier unserer ersten Ozeanüberquerung: Knackiger
Salat, Prawns und Steak sind die Hauptgänge. In
der Dunkelheit geht's mit dem Beiboot zurück zu Ägir
und weinseelig fallen wir in die Koje. Doch
welche Überraschung - der Mensch ist ein
Gewohnheitstier: Morgens um 03:00 Uhr treffe ich
Gaby putzmunter im Cockpit mit einem
scherzhaften: "Du bist dran!".
Der
Dinghi-Anleger bei Bridgetown
Wir suchen den
TO-Stützpunkt. Hausnummern gibt es nicht. Es
soll in der Nähe des Hilton sein. Und wieder
eine Überraschung: An der angegebenen Adresse
finden wir das deutsche Honorarkonsulat und
Ursula entpuppt sich als ganz liebe und
gastfreundliche "Frau Konsul". Beim
Saft junger Kokosnüsse nehmen wir jede Menge
Post und die Abholscheine für unsere
Weihnachtspäckchen in Empfang. Ursula düst
öfters mal mit dem Surfbrett durch die Bay und
schaut vorbei - voll guter Tips: Dort gibt es
eine French Bakery, Bananen sind preiswert, wenn
man 6 Stück für einen Dollar ersteht. Die
Weihnachtskarten werden auf unserem Sideboard
drapiert - und trotz der Hitze (morgens um 08:00
schon 300C), der Sonne, der Karibik, entsteht so
etwas wie Weihnachtsstimmung.
Unzählige
verschiedene Eindrücke und Erlebnisse mischen
und überschlagen sich. So werden wir bei den
ersten Schritten auf Barbados fast überfahren -
wir sind den Verkehr einfach nicht mehr gewohnt,
und außerdem schauen wir in die falsche
Richtung. Denn als ehemals britische Kolonie
fährt man hier auf der "richtigen"
Straßenseite. Die Menschen auf den Straßen
scheinen stets fröhlich und haben immer Musik in
den Gliedern. Kein Wunder, wir haben ja auch
jeden Abend bis in den frühen Morgen Raggae,
Steelband und Calypso Sound über der ganzen
Bucht.
Am
Weihnachtsfeiertag fahren wir mit dem Bus über
die Insel. Eine lange Wanderung den Strand
entlang zurück folgt. Wir sammeln erste
Muscheln, Schnecken und Korallen. Der Durst
meldet sich, doch die Bars sehen geschlossen aus.
Ein Einheimischer schubst uns regelrecht durch
die Hintertür und mir wird etwas mulmig. Zwei
Räume weiter ist die Bar, brechend voll und als
einzige Weiße werden wir hier genauso
begutachtet, wie wahrscheinlich ein Schwarzer bei
uns in einer kleinen Dorfkneipe. Ich bestelle
zwei Bier und die Mummy hinter dem Tresen läßt
uns nicht mehr aus den Augen (wie sich später
herausstellt, bezahlt man in Barbados sofort, und
als ich schließlich die Rechnung begleiche, wird
auch sie ganz zutraulich: "Merry
Christmas!"). Es dauert nur kurz und wir
führen wirklich interessante Gespräche mit den
Einheimischen. Und sie sind so freundlich, daß
wir fast nicht mehr loskommen: "May I buy
you another beer? Please!" Würden wir zu
Hause so ohne weiteres einem Wildfremden ein Bier
spendieren? Kurz darauf an der Bushaltestelle
erklärt uns ein Einheimischer - ohne daß wir
ihn danach gefragt haben - wie wir wieder nach
Bridgetown kommen. Ich denke, wir können hier
noch viel lernen, wenn es um wirkliche
Gastfreundschaft geht.
Weihnachtsdinner.
Wir haben Gäste an Bord aus Neuseeland, England
und Dänemark. Lokale Küche, wir zeigen, was wir
können: Badisches Schneckenrahmsüppchen, Linsen
mit handgeschabten Spätzle (Zeremonie!),
Vanillepudding mit Rum-Rosinen. So, die wissen
jetzt, wo Schwaben liegt.
St.
Lucia 
Ist das nicht das
Paradies ? Steile Küste, dicht bewaldet. Da,
eine schmale Öffnung wie ein kleiner Fjord, eine
Sandbank mit Palmen bestanden, dahinter eine
Lagune, der Anker fällt: Marigot Bay auf St.
Lucia. Rings um uns dichter Regenwald,
Bananen, Brotfrucht, Lianen, Kokospalmen,
Mangroven und in der Lagune ein Seegang wie in
der Badewanne. Die Eingeborenen kommen auf einem
Kanuersatz (alte Surfbretter oder ähnliches) und
bieten Bananen, Kokosnüsse und Geflochtenes aus
Palmblättern an. Der Regenwald hat seinen Namen
zurecht. Heute haben wir nur 18 Schauer und
nichts wird mehr trocken. Wir erledigen die
dringenden Arbeiten am Schiff - man könnte nur
segeln und basteln - nein, ganz so schlimm ist es
nicht. Und die phantastische Schönheit der Natur
versöhnt mit dem Regen. Übrigens ist gerade
Trockenzeit... Natürlich hat sich diese
Schönheit rumgesprochen und so liegen abends
etwa 70 Yachten in dieser kleinen Lagune. Die
meisten sind Charterschiffe und weil sie viel
Geld fürs Schiff bezahlen, muß es ausgenützt
werden - man bricht früh auf und nach 10:00 Uhr
ist die Stimmung wieder ganz romantisch und wir
malen uns aus, wie hier wohl vor einigen
Jahrhunderten in solchen Verstecken die
Seeräuber hausten.
Die Zeit vergeht
wie im Fluge. Langeweile? Ganz im Gegenteil - wir
machen uns ernsthaft Gedanken, wo wir früher die
9 Stunden täglich für die Büroarbeit
hergenommen haben.
Bequia

Herrliches Segeln
vorbei an St. Lucia und St. Vincent bringt uns
nach Bequia. Bequia ist "in".
Kaum biegen wir in die Admirality Bay ein,
liegt vor uns ein Ankerfeld von schätzungsweise
300 Yachten. Dennoch, die Insel ist klein, es
gibt noch keinen Flughafen und so findet man auch
hier noch jede Menge verlassene und einsame
Strände. Bequia ist ein niedlicher Ort, die
Einheimischen sind nicht so aufdringlich wie in
St. Lucia, auf dem Markt finden wir frisches Obst
und Gemüse, so daß wir uns für die nächsten
14 Tage verproviantieren.
Jeder kennt jeden
und die Frage nach "Old Fort", dem
TO-Stützpunkt wird mit "Oh! Otmar!"
beantwortet. Ein Taxi fährt uns hin und wir
finden uns an einem traumhaft schönen Ort
wieder. Ein junger Mann sitzt auf der kleinen
Terrasse eines Hotels beim Frühstück, den Tisch
liebevoll mit Hibiskusblüten dekoriert. "Hi
Ägir - ich habe eine Menge Zeug für Euch!"
Otmar hat sich ein wirkliches Paradies geschaffen
und als wir wieder gehen, sind wir uns einig,
daß dies ein Aussteiger ist, der den goldenen
Mittelweg getroffen hat. Wer wirklich eine Weile
Ruhe sucht, dem können wir "Old Fort"
nur empfehlen. Hoch über Bequia, mit Blick über
die ganze Inselgruppe der Grenadinen, ein
traumhaftes Fleckchen Erde.
Unser Postfest
wird traditionell an Bord gefeiert. Jeder liest
abwechselnd einen Brief vor, so daß wir
gleichzeitig die Neuigkeiten aus der Heimat
erfahren. Diesmal ist ein richtiger Hammer dabei:
Petra und Jörg, unsere Tauchlehrer aus
Esslingen, haben geschrieben und sind nur eine
Bucht weiter für eine Woche zum Tauchen! Morgen
wollen wir mal hin und wir freuen uns bereits
riesig, alte Freunde zu sehen. Das gibt bestimmt
nicht nur einen schönen gemeinsamen Tauchgang.
So jetzt endet das
Paradies, denn der Außenborder wartet, er läuft
nur noch auf einem Zylinder . Dann muß ich noch
unser Funkgerät abholen und wieder einbauen,
Rudi kriegt noch ein Fax mit einer
Ersatzteilbestellung, Gaby wäscht, die Welle
muß noch gefettet werden und all so'n
Schweinkram.....
Auf die Post in
Port Elizabeth (5 Häuser!), Schlangestehen, ich
bin dran: "Nein, Briefmarken gibt es auf der
anderen Straßenseite bei der
Touristeninformation." Nix wie hin, eine
freundliche Negermummy mit Perücke (!) erklärt
mir, daß ich hier schon Briefmarken haben kann,
wieviel ich denn möchte? Nein, Sie weiß das
nicht - und einen Brief wiegen und das Porto
bestimmen kann nur die Post. Also zurück, Brief
zurück, Brief wiegen, Porto erfragen, wieder
über die Straße, Briefmarken kaufen - die
passenden gibt's nicht, also 10 Cents mehr bitte
- abschlecken, aufkleben, wieder über die
Straße. Der Postbeamte nimmt mit breitem Grinsen
den Brief und schon geht die Post ab!
Wir schauen noch
kurz auf dem Markt vorbei, denn wir werden
wahrscheinlich die nächsten 2 Wochen nichts mehr
einkaufen können: Papayas, Mangos, Avocados,
Zwiebeln, Eier, Brot... Mit Vitaminen für $120
im Rucksack geht's zurück zu Ägir. Alles
seefest verstaut, segeln wir nur eine Ecke weiter
in die Friendship Bay. Große Strecke
heute: 6 sm. Der Anker fällt, Beiboot klar und
ab zum Bequia Beach Club. Dort haben Petra und
Jörg aus Esslingen eine Zweigstelle ihrer
Tauchschule errichtet. Riesiges Hallo, und klein
wie die Welt ist, treffen wir dort auch Achim,
einen ehemaligen Kollegen aus Böblingen. Wir
gehen gemeinsam zum Abendessen und anschließend
ins Frangipani - das ist der Platz zum
Anmachen in der Karibik. Bei Rumpunsch und einer
wirklich tollen Steelband, lauer Luft und
sternklarer Nacht, erwacht in so manchem
menschlichen Wesen der Jagdtrieb. Gaby nimmt
Wetten an, ob nun mehr Schwarze die Weißen
abschleppen oder umgekehrt. Gegen Mitternacht
sind wir wieder an Bord, natürlich mit einer
Einladung zum Tauchgang am nächsten Morgen.
Dieser Tauchgang
ist so wunderschön, daß ich sagen muß: So
etwas habe ich noch nicht gesehen. Wir sind mit
Petra am Moonhole, etwa 45 Minuten und bis auf
30m Tiefe. Korallen verschiedenster Farben und
Formen - von feinen Fächern bis hin zu
meterdicken Halbkugeln mit Strukturen wie ein
Gehirn. Dazwischen unzählige Fische und
vielleicht kann man sich das einfach so
vorstellen: Im Zoo, Abteilung Tropenfische, alle
Bassins zusammen, die kleinen Gelben, die dicken
Braunen, die schlanken Blauen, die Gestreiften,
Gezackten, Gepunkteten - all das zusammen und wir
einfach mitten drin. Ohne daß die Fische die
Flucht ergreifen. Der Eindruck auf uns ist so
gewaltig, daß wir bei der Rückkehr auf den
traditionellen Drink verzichten, uns einfach an
Bord begeben und alles nochmals verdauen.
Abends laden wir
unsere Freunde zum Essen ein. Petra, Jörg,
Richard und Achim laben sich an den gefüllten
Pfannkuchen; und doch ist unser Besuch ziemlich
ruhig. Wahrscheinlich ist es halt ungewohnt, wenn
der Rumpunsch immer schräg im Glas steht, denn
die Friendship Bay ist ein unruhiger Ankerplatz.
Aber es hat sich wirklich gelohnt - nie wieder
Tauchen im Bodensee!
Pelikane
bei Canouan
Am nächsten
Morgen verlassen wir Bequia und der Zufall will
es, daß wir am Ausgang der Bay das Tauchboot
nochmals sehen - Nebelhorn, Hallo, tausend gute
Wünsche von allen - und dann setzten wir Kurs ab
auf Canuan Island. Nach nur 16 Meilen
fällt in einer ganz ruhigen Bucht der Anker, nur
50 Meter entfernt von einem kleinen Felsenriff,
das von etlichen Pelikanen bewohnt wird. Gaby
schwimmt vorsichtig bis auf wenige Meter hin, die
Vögel lassen sich nicht stören, und sie kann
diese Kolonie ganz aus der Nähe beobachten. Als
wir es später mit Gummiboot und Kamera
versuchen, ist unsere Erscheinung wohl doch etwas
zu mächtig und sie fliegen aus.
Auf dem Weg über
die Insel entdecken wir eine verlassene Kirche,
ganz leer, nur noch von Fledermäusen bewohnt.
Als wir eintreten, entsteht ein Mordsgeflatter.
Eigentlich sind dies ganz putzige Tierchen. Wir
entdecken unsere erste Schlange, die aber sofort
Reißaus nimmt, als sie uns hört. Die Eidechsen
sind wesentlich größer als bei uns - ein
Vorgeschmack auf Galapagos?
Die kleine Pier,
an der unser Beiboot festgemacht ist, verdient
noch Erwähnung: Ihr kennt sicher alle diese
riesigen, kitschigen, als Souvenir teuer
verkaufte rosafarbenen Muscheln oder besser
Seeschnecken. Das Zeug gibt es hier in der Tat
wie Sand am Meer und wird z.B. als Schotter
verwendet, und man baut daraus eine kleine Pier.
Kaum zurück an
Bord paddeln (mit den Händen) auf einem alten
Surfbrett Einheimische heran. Wir erstehen 3
lebendige Langusten für ca. DM 12. Sofort wird
der Hunger spürbar. Gaby setzt den besten
Basmati Reis auf, mit etwas Safran (noch aus
Casablanca), öffnet portugiesischen "Vino
Verde" - doch die Biester kochen bleibt mein
Geschäft. Gaby studiert derweil intensiv wie nie
zuvor Seekarten in der Navigationsecke. Als die
Langusten leuchtend rot (und still) 5 Minuten
später auf dem Tisch stehen, erwacht Gaby zu
alter Form und ein weiteres lukullisches Mahl
beschließt diesen Tag.
Der nächste
Morgen wird spannend, wollen wir doch zum ersten
Mal in richtige Korallengewässer: Die Tobago
Cays. Hier ist es eng, flach, viel Strömung
und wer kennt nicht die Horrorgeschichten des auf
dem Riff gestrandeten Schiffs? Natürlich fehlt
die Ansteuerungstonne, doch die Untiefen sind
bestens am Helltürkis des Wassers oder am Braun
der Korallen zu erkennen und wir mogeln uns
zwischen 2 kleinen Inseln durch: Karibik pur!
Hier sind die Werbeaufnahmen gemacht. Wir ankern
direkt hinter dem Riff und obwohl der Passat
kräftig durch die Takelage zieht, ist das Wasser
ruhig. Um uns herum 3 kleine Inseln, Palmen,
weißer Sand, unbewohnt !! (Das ganze Gebiet ist
inzwischen Gott sei Dank Naturschutzgebiet und
die Kirche predigt in der gesamten Karibik, daß
Umweltverschmutzung eine Sünde ist).
In den
Tobagos Keys
Ich lasse mich von
Gaby am Mast hochziehen und der Blick ist
phantastisch: Vor uns der Atlantik, dessen hohe
Welle sich weiß auf dem Riff bricht und das Auge
kann sich an den Wasserfarben nicht satt sehen.
Alle Chartersegler unter Euch: In den Tobago Cays
muß man gewesen sein! Schnorcheln, Tauchen,
Surfen - alles paßt hier. Natürlich spricht
sich das herum und wir sind nicht ganz alleine.
Einheimische kommen mit kleinen Motorbooten
vorbei und haben teilweise ein seltsames
Warenangebot: T-Shirts und Brot!
Riesige
Türme von Muscheln
In der Durchfahrt
zwischen 2 kleinen Inseln glauben wir zunächst,
Kieselstrand zu sehen - doch von Nahem
betrachtet, liegen dort riesige Halden von
Muscheln und Seeschnecken, die wir schon von
Canuoan kennen. Kaum hat sich unser Anker
eingegraben, ist das Beiboot klar, das
Schnorchelzeug drin und wir düsen aufs Riff.
Zwischen Korallen, bunten Fischen und
türkisfarbenem Wasser genießen wir Karibik pur.
Und dann ist da
noch die karibische Mentalität: Kurz, man
arbeitet gerade so viel, daß es zum Leben reicht
- alles mehr an Arbeit (z.B. Karriere, Reichtum)
ist hier unverständlich. So hat ein Kneipenwirt
in Bequia plötzlich einen tollen karibischen
Imbiß auf der Speisekarte. Das spricht sich
schnell herum und er hat stets eine volle Bude.
Wenige Wochen später gibt's den Whopper nicht
mehr. Auf die Frage, warum er seine "cash
cow" nicht mehr anbietet, antwortet er
schlicht: "Too much hazzel!" (Auf
schwäbisch hört sich das frei übersetzt
vielleicht so an: So ein Saug'schäft.) Ein
anderes Beispiel ist die Tatsache, daß man oft
den Preis abrundet, weil man zu bequem ist,
Wechselgeld herauszugeben. ... und wenn ich jetzt
einen Strohhalm hätte, müßte ich nicht einmal
mehr mein Glas heben!
Wir verlegen Ägir
zur nächsten Insel (Tagesweg etwa 500
Meter!). Gaby säubert eine dieser
Wahnsinns-Muscheln, die geradeso in den Eimer
paßt. Wir schnorcheln und tauchen zwischen
Korallen, Sepias, Barrakudas und hunderten von
leuchtend bunten Fischen - mir gefallen die
violett-gelben am besten.
Unser
"neues" Amateurfunkgerät wird
eingeweiht. Ich erfahre, daß die Marina bei
Puerto Cruz in Venezuela ganz günstig ist - Ägir
muß unbedingt auf den Slip, das
Unterwasserschiff hat einen neuen Anstrich
nötig.
Auf Union
Island klarieren wir aus und während ich auf
Gaby an der Pier warte, bietet man mir
unverhohlen Drogen an. Die Preise in den
Grenadinen sind verrückt: Man nimmt nur die
(US-) Touristen aus (Ananas 15 $ pro Stück). Wir
ziehen nach nur einer Nacht auf Union Island
weiter nach Grenada.
Grenada

In St. Georges
kommt für uns eine positive Überraschung. Allen
Piraten- und Diebstahlgeschichten zum Trotz
entpuppt sich dieses Städtchen als niedlich und
sauber, wir ankern in einer kleinen, ruhigen
Bucht mit Namen "the lagoon" neben dem
Industriehafen. Foodland, der lokale Supermarkt
hat ein tolles Angebot zu vernünftigen Preisen
und der Markt selbst präsentiert sich mit einem
Gewusel und einer Vielfalt, wie das nur in der
Karibik möglich ist. Grenada ist die
Gewürzinsel, vor allem Muskatnuß und Zimt
werden hier geerntet. Es wachsen hier mehr
Gewürze pro Quadratkilometer als irgendwo sonst
auf der Erde - aber Grenada hat nur wenige
Quadratkilometer!!
Wir wollen zu den
Concord-Wasserfällen, dort kann man im
Süßwasser (!) baden. Die Taxis bieten eine
Inselrundfahrt für ca. 120 DM an.
Preisabsprachen machen das Verhandeln unmöglich.
Schließlich lernen wir das örtliche Bussystem
kennen: Kommt einer vorbei und hupt, heißt das
"ich habe noch Platz. Wollt Ihr mit?"
und eine knappe Handbewegung genügt, um für $ 2
(ca. 1,20 DM) mitzufahren. Überraschend ist
immer, wer auf dem Nachbarsitz anzutreffen ist -
nicht etwa Neger oder Weißer - sondern eher eine
Ladung Bauholz, eine Ziege oder ein Berg Obst und
Gemüse. Wo man klingelt, hält der Fahrer an,
denn ohne feste Bushaltestellen ist eine
wesentlich größere Benutzerfreundlichkeit als
in Deutschland gegeben.
Muskatnuß,
Nationalfrucht Grenadas
Der Fußmarsch zu
den Wasserfällen dauert etwa eine Stunde.
Unterwegs plappern wir mit einer Negermummy, die
eine wahre Freude daran hat, uns zu erklären,
was die verschiedenen Früchte und Pflanzen sind.
Sie öffnet uns eine Kakaofrucht und das
schlunzige Glibber erinnert an alles mögliche,
nur nicht an Kakao oder gar Schokolade. Sie
erklärt uns, daß die Kerne erst 8 Tage lang
fermentiert und dann in der Sonne getrocknet
werden, ehe man sie weiterverarbeiten kann. Wir
sammeln Muskatnüsse (Grenadas Wappengewürz) und
wandern zwischen haushohem Bambus, Bananen,
Brotfruchtbäumen und mächtigen Kokospalmen
weiter. So einsam unser Weg durch den Urwald, so
viele Taxis finden wir am Wasserfall. Der
Touristentrubel erschreckt uns und schon gehen
wir wieder flußabwärts. Wir wollen noch etwas
Süßwasser genießen, eine junge Frau mit Pimpf
wäscht am Bach - Gaby lockt mit einem Bonbon und
wir haben neue Freunde.
Habe ich schon von
unserem karibischen Dinner bei Mamma erzählt?
Ein Menü aus Salat, fritierter Brotfrucht,
gebackenen Bananen, Reis, Schwein, Kuh,
Brotfruchtsalat, Opossum (rattenähnliches
Beuteltier) ... Traumhaft, zumal wir mit Jakob
aus Sylt einen ganz lieben Gesprächspartner
dabei haben, der eben von Venezuela kommend, voll
mit guten Tips uns gleich noch seine Seekarten
zur Benutzung überläßt. Seine Erzählungen
sind so begeisternd, daß wir uns noch in Grenada
das Visum für Venezuela besorgen, Trinidad
auslassen und wenige Tage später, in einem wie
immer farbenfrohen Sonnenaufgang, haben wir zum
ersten Mal seit Casablanca wieder Festland in
Sicht.
Venezuela

Wir nähern uns Isla
Magarita - oh Schreck: Benidorm II -
Porlamar ein Meer von Hochhäusern. Wir
ankern in einer mit Sandstrand und Palmen
umsäumten Bucht bei Pampatar, der zweite
Blick versöhnt. Sowie man den Hochhäusern den
Rücken kehrt, ist es mal wieder traumhaft und
doch ganz anders: Die Menschen sind wesentlich
hübscher , man fährt alte amerikanische
Straßenkreuzer, alle sind viel zurückhaltender,
keiner haut einen mehr auf der Straße an. Wir
finden einen Supermarkt, in dem wir beschließen
für die nächsten 9 Monate Vorräte zu kaufen,
denn zum ersten Mal gibt es wirklich alles, was
Gaby's Herz begehrt (...bis hinzu Dr. Oetkers
Vanillepudding) und das ganze äußerst
preiswert. Busfahren für 30 Pfennige, ein Bier
in der Kneipe für 60 Pfennige und 2 Steaks
(Jochen wird von einem satt) für umgerechnet nur
8 DM. So kommen wir für fast 10.000 Bolivar mit
einem voll beladenen Taxi (und das sind hier
klassische amerikanische Straßenkreuzer, in
denen man locker zu viert nebeneinander sitzen
kann) bei unserem kleinen Beiboot an. Ohne Steg,
am Sandstand, bis zu den Hüften im Wasser
verladen wir 30 Packungen Nudeln, Kiloweise Mehl
und Reis ... Das meiste kommt fast trocken an!
Zweiter Streich:
Wir ordern Getränke: 20 Stiegen Bier (Rückfrage
des Verkäufers: "Dosen?" - Nein, ganze
Kartons, dasselbe in Sprite, Mineralwasser,
Pepsi, 5 Flaschen Whiskey als Visum-Ersatz für
Galapagos ... übrigens, unser Dingi trägt 700
Kilo!!) Als abends alles verstaut ist, sind wir
todmüde, denn man faßt doch jede Büchse
mindestens 5 Mal an und Kartons kommen nicht an
Bord: Sie beheimaten die weltbekannten
Kakerlaken. Wir sind jetzt 6 Tage auf Isla
Margarita und schon sind unsere
Einklarierungspapiere fertig.
Strandtag - wir
"bubeln" zusammen mit Hannelore und
Hellmut. Gegen 15.00 Uhr sind wir geschafft,
Abendessen und ab ins Bett. Doch wie immer ist
Murphy an Bord: Kaum hat Gaby das Essen auf der
Flamme, bekommen wir Besuch: Don & Linda
schauen auf einen Sundowner vorbei. Die beiden
sind nicht nur nett und unterhaltsam, sondern
auch voller guter Tips und Ratschläge. Wir
erhalten die Frequenzen von
Pazifikwetterberichten und vereinbaren
Funkkontakt für die Pazifiküberquerung. Unser
Schiff ist schon jetzt um eine Stiege Bier
leichter!
Nach kurzer Nacht
geht's morgens weiter zur Einfahrt in die
Mangroven. Eine Brücke versperrt den Weg, die
Flußmündung ist flach. Grundberührung, mit
Hilfe eines Einheimischen kommen wir frei und
finden einen einsamen Ankerplatz auf 5 Meter
Wasser zwischen Ibis und Pelikan. Wir sind hier
wirklich allein mit der Natur und wieder einmal
ist es traumhaft schön. Mit unserer
"Schlepperhilfe" vereinbaren wir eine
Fahrt durch die Mangroven für den nächsten
Morgen mit seinem kleinen, flachen Motorboot.
Und es ist einfach
sagenhaft so eine Fahrt durch die Mangroven.
Unser Führer pflückt uns einen Seestern,
Austern wachsen an den Wurzeln der Bäume und wir
sehen den ersten freilebenden Seeadler! Nach
einer halben Stunde setzt er uns am Strand von La
Restinga ab - einige Buden, Restaurant und 10
Kilometer Strand für uns alleine! Ein Paradies
zum Muschel Sammeln.
26. Januar 1992.
Kurs Festland. Die Küste Venezuelas ist steil
und zerklüftet und wie eine Mischung aus
Jugoslawien und schwedischen Schären. Hier
findet jeder eine eigene Bucht. In
"unserer" gibt es Korallen, Pelikane
und wieder Seeadler. Scheinbar ewig sind sie in
der Luft, ohne einen einzigen Flügelschlag. Man
hört keine Autos, kein Lärm, nix. Das Land ist
sehr dünn besiedelt. In der Ferne ziehen einige
Fischer vorbei. Wir segeln weiter zwischen den
Inseln durch, sehen viele schnuckelige
Ankerplätzchen, doch diesmal müssen wir in die
Marina, das Unterwasserschiff benötigt einen
neuen Anstrich. "Amerigo Vespucci"
empfängt uns a la Lavagna - modernste Technik
und riesige Motoryachten. Hier tummeln sich wohl
die 3 % der Bevölkerung, die mit Öl ihr Geld
verdienen. Segler sind nicht ganz so gern gesehen
- schon gar nicht so kruschtelige Weltumsegler.
Doch auch wir lernen dazu: Als man uns abends
gegen 18.00 Uhr noch verlegen will, antworte ich
gelassen mit einem langen: "Si, segnor!
Manana!" und das Problem sitzt sich aus.
Victor, Chef vom Travellift, ist dagegen
äußerst hilfsbereit. Obwohl er bis Mitte
Februar ausgebucht ist, will er uns morgen früh
als erstes aus dem Wasser nehmen und dazu
preiswert: Für nur etwa DM 500 bekommen wir
einen neuen Anstrich.
Obwohl wir lange
in Lavagna und Dubrovnik lagen, fühlen wir uns
in dieser Marina ganz fremd und künstlich. Ob
wir uns je wieder daran gewöhnen werden, in
geschlossenen Räumen zu leben? So eigenartig es
klingen mag: Unser größter Luxus ist die
Mülltonne: Alles unbesorgt hinein - während wir
auf See doch sorgfältig versuchen, Verrottendes
von Plastik zu trennen und den Müllberg so klein
wie möglich zu halten.
Gaby kommt voll
Frust aus der Stadt zurück. Keine Bank
Venezuelas will Geld aus Deutschland überwiesen
haben und schon gar nicht in US $ ohne dafür
wahnsinnig hohe Gebühren zu verlangen und was
wollen wir mit Millionen von Bolivar?
Montag, 07.30 Uhr,
wir stehen tatsächlich mit Ägir an Land.
Doch von den "Arbeitern" ist nix mehr
zu sehen. So reinigen wir unser Unterwasserschiff
selbst (...obwohl das im Preis inbegriffen ist).
Ab und zu kommt einer, spritzt mit dem Schlauch
mehr uns naß als das Schiff sauber, faselt etwas
von "mucho cerveza" - und ich verstehe
blitzartig kein spanisch mehr. Während die
Bezahlenden (Gaby und Jochen) schrubben und
schuften - es ist gut warm hier - spielen die
Bezahlten ("Arbeiter") auf dem
Werftgelände ungeniert Ball! Da unser Schiffle
doch sehr schwer beladen ist, wollen wir die
Unterwasserfarbe 10 cm höher legen. Unser 220
V-Macher kommt zusammen mit dem guten Bosch
Schleifer zu massivem Einsatz und gegen 14.00 Uhr
hat Victor keine Ausrede mehr: Morgen wird
gestrichen! Eine Stange Marlboro dazu (in
Margarita kostete eine Schachtel nur 1 DM) und
schon geht es selbst in Südamerika voran. Gaby
entwickelt sich derweil zum saarländischen
Putzteufel: Alles, was sich nicht wehrt wird
poliert und geschrubbt: Vom Kunststoff über den
Bugkorb bis hin zum Ankerkasten.
Abends gönnen wir
uns ein feudales Mahl in einem schweizer
Restaurant. Als wir eben die Rechnung verlangen,
fällt der Strom aus, aber in der ganzen Stadt!
und nicht nur für wenige Minuten. In
gespenstischer Atmosphäre tigern wir zurück zum
Schiff - wir spüren unseren Muskelkater.
Seit Donnerstag
schwimmt Ägir wieder. Nichts wie raus aus
der Marina - nur 5 Meilen weiter finden wir eine
tolle Ankerbucht. Pelikane und Seeadler wieder
aus nächster Nähe! Gute Nachricht: Gert's Paket
reist inzwischen auf der Yacht Omu, Toms
und Inges Briefe sind bei Maria und Klaus, Marias
Päckchen bei Otmar. Bei Gelegenheit und etwas
Glück wird uns also alles noch irgendwann und
irgendwo erreichen! Unsere "Funke" ist
doch ein wahres Goldstück. Gaby hat inzwischen
einen neuen Lieblingsplatz seit wir von Albatross
eine Hängematte "geerbt" haben.
Fundstücke am unberührten
Strand
Tortuga ist
unser nächstes Ziel - als Zentrum aller
Seeräuberfilme hat man so gewisse Erwartungen.
Doch Tortuga ist eine ganz flache, unbewohnte
Insel mit feinstem, kilometerlangem Sandstrand
(..ganz für uns allein!) und kristallklarem
Wasser. Als wir über die Insel wandern, finden
wir neben leuchtend blauen Seesternen (bis 30
Zentimeter Durchmesser), Muscheln auch den Panzer
einer großen Schildkröte. Beim Frühstück zu
Mike Oldfields "Islands" wird uns mal
wieder ganz bewußt, wie herrlich das alles ist
und wir genießen die Natur in vollen Zügen.
Über Funk erfahren wir, daß Freunde bereits
durch den Panamakanal sind. Ganz problemlos und
Gaby kramt schon mal den Galapagos Reiseführer
hervor. Eine faszinierende Welt wartet dort auf
uns und schon stecken wir im Dilemma zwischen
herrlichen Korallen der Karbik und der
Faszination, die die Südsee auf uns ausübt. Wir
bremsen uns, sonst sind wir in Curacao wieder
schneller als die Post!
Nur 10 Seemeilen
bis Tortugillas: Zwei kleine, unbewohnte
Inseln. Wir ankern im Lee vor einem
phantastischen Sandstrand. Das Wasser in der
Lagune ist knietief und hat Badewannentemperatur.
Endlich eine Insel ohne Anzeichen moderner
Kultur: Keine Q-Tips, keine Plastiktüten ...
Natur pur. Tausende von kleinen, schwarzen
Eidechsen bevölkern diesen Quadratkilometer
Sand. Die Farbe des Wassers ist intensives
Türkis, es fällt schwer, diese Einsamkeit und
Schönheit der Natur in Worte zu fassen. Leider
steht sehr viel Schwell, die Dünung bricht sich
schon in 5 Meter Wassertiefe (Physiker errechnen
daraus die Wellenhöhe!), so daß wir die
Tortugillas früher als geplant verlassen.
Eine schnelle
Nacht bringt uns zur Inselgruppe Los Roques:
Dies ist für uns der Höhepunkt der Karibik:
Etwa hundert kleine und kleinste Inselchen,
geschützt von Korallenriffen bieten unzählige
Bilderbuch Ankermöglichkeiten. Baden,
Schnorcheln und Spaziergänge mit Sammlertrieb
(Gaby findet immer etwas Attraktives) sind unsere
Hauptbeschäftigungen. Ach, nebenbei war der
Versuch einer Revolution in Venezuela - wir, wie
alle anderen Yachten, haben davon nichts bemerkt
und hören nur über Funk davon. Und schon
bekommen wir Besuch von der Küstenwache. Vier
Mann im Tarnanzug, Stiefel, Maschinenpistole ...
Aber halb so wild: Wir haben jetzt noch ein
Papier und die Buben wollten eigentlich nur ein
kühles Bier. Es ist vielleicht bezeichnend, daß
der Chef in seinem Aktenkoffer neben "Lucky
Luke" auch seinen Fotoapparat dabei hatte,
um Bilder von sich in Pose auf einer Yacht zu
schießen!
Buntes
Angebot auf dem Markt
Samstag 8. Februar
1992. Wir verholen uns zur Hauptinsel El Roque.
Hier gibt es ein kleines Dorf, wo man angeblich
einkaufen kann, aber wir finden keinen Laden. So
fragen wir jemanden auf der Straße. Die
Handbewegung zeigt auf eine normale Haustür.
Dahinter ein spielendes Kind während Papa an
einer Tür bastelt. Verständlich, daß wir uns
kaum hinein trauen, so privat sieht alles aus.
Doch im Hinterhof die große Überraschung:
Früchte und Gemüse aller Art, Eier und Brot.
Wir geben unsere letzten Bolivar aus und sind
wieder versorgt mit Mango, Ananas, Bananen,
Kartoffeln, Kochbananen, Zwiebeln, Tomaten ...
Ein Festessen steht bevor. Die Einkäufe werden
verstaut und wir ziehen noch 5 Meilen weiter und
ankern vor einem kleinen "Fischerdorf"
auf der Insel Crassqui. Dorf deshalb in
Gänsefüßchen, denn es sind genau 4 Hütten,
ohne Wände, nur ein Dach. Die Menschen sind
freundlich und die Tiere, die hier keine
schlechten Erfahrungen mit Menschen machen, sehr
zutraulich. So sitzt der Graureiher nur 2 Meter
entfernt auf dem Beiboot und schaut , ob
vielleicht was für ihn abfällt. Kilometerlange
Sandstrände, Korallenriffe und außer den
Fischern keine Menschenseele. Am Strand finden
wir neben Skeletten von riesigen Hummern auch
wieder ganze Berge von Muscheln.
Es gibt
tatsächlich noch weiße Flecken auf der
Landkarte. Große Teile des Archipels sind nicht
vermessen und die Seekarte ist einfach leer.
Genügend Platz für den Abenteuertrieb, sich
zwischen Untiefen und Korallen durchzumogeln. In
den Fischerhütten finden sich vielfältige
Stilleben: Mit Papagei auf der Schulter wird hier
eine Schildkröte zerlegt, dort zieht man mit
viel Liebe einen jungen Kormoran groß. Die
Langusten wiegen bis zu 3 Kilo (ein Stück!).
Sonntag: Avocado
Dip zum Mittag und hungrig vom Schwimmen bäckt
Gaby einen Marmorkuchen; wir lassen es uns
einfach gut gehen.
Montag,
10.02.1992: Wir verlegen uns ein paar Meilen
weiter in eine Lagune bei der Insel Carenero.
Wieder sitzen Fischreiher im Beiboot und ein
Pelikan auf der Ankerleine. Ein Boot kommt
längsseits. Gibt's Brot oder Fisch? Weit
gefehlt: Diesmal wird der Müll kostenlos
abgeholt. Eine Stiftung sorgt dafür, daß diese
Inseln wirklich sauber bleiben, einfach
beispielhaft!
Während nur 200
Meter weiter der Passat weiße Schaumkronen auf
die Wellenkämme setzt, liegen wir zwischen
Mangroven und Sandstrand so ruhig, daß Gaby
freiwillig in den Großmast geht, um mit der
Kamera das Panorama möglichst eindrucksvoll auf
Video zu bannen. Wir sind mal wieder Schnorcheln.
Die bunte Welt unter Wasser ist einfach zu toll.
Als wir im Dingi zu Ägir zurückrudern,
kommt ein Fischerboot vorbei. Ein Graureiher
sitzt ganz zutraulich zum Greifen nah auf seinem
Sonnendach. Ein Fischer winkt uns heran, gibt uns
zwei frische Barsche ins Beiboot. Ein
"Muchas gracias" und weg ist er wieder.
Schuppen, ausnehmen und obwohl es erst 103.0 Uhr
ist, brutzelt ein feines Essen in der Pfanne. Die
Einheimischen sind so unglaublich gastfreundlich,
daß es fast peinlich ist. Ich denke, daß wir
bei nächst bester Gelegenheit unsere Flinte
gegen einen Büschel Bananen eintauschen. Es
besteht wirklich kein Bedarf für so was an Bord.
Wir bemerken, wie
die Fischer am flachen Ufer aus Riesenmuscheln
eine Mauer zu einem Teich aufschichten. Gaby
rudert hin. Freundlich und bereitwillig erzählt
der Fischer, während er zwei Rochen filetiert:
Die hier gefangenen Fische werden bis nach
Martinique exportiert. Los Roques ist ein
Plätzchen, von dem wir immer geträumt haben und
uns fällt es wirklich schwer, weiter zu fahren.
Gestern abend
hatten wir guten Empfang von SWF3. Ganz fremd
muten uns die Verkehrsdurchsagen an:
"Verbreitet Nebel behindert von Verkehr im
Saarland!" und nur 5 Grad Celsius zu Hause -
bei uns ist das Thermometer am Anschlag und das
Meer ist so warm, daß Gaby heute 1 1/2 Stunden
Schnorcheln war.
Curacao

Die Überfahrt
nach Curacao ist geprägt von unzähligen
Wracks, die auf den diversen Riffen vor sich hin
rosten. Die Erklärung liegt wohl darin, daß die
Leuchtfeuer fast identische Kennungen haben und
so ist die Stoppuhr unser wichtigstes
Navigationsinstrument. In Spanish Water
finden wir bei 7 Beaufort einen geschützten
Ankerplatz. Rudis Carepakete und 4 Briefe sind
auch da: Die Bastelzeit ist gekommen. Doch nicht
sofort, denn viele andere Yachten sind hier:
"Wo kommst Du her, wo gehst Du hin?"
Die ersten Tage stehen im Zeichen von heavy
social life. Welcher Kontrast zu Los Roques:
Curacao ist ein "Klein Holland",
zivilisiert und wohl organisiert und wir sind
guter Hoffnung, von hier aus an unser Geld zu
kommen.
Wir machen viele
neue Bekanntschaften in Curacao. Die meisten
Yachten haben denselben Weg. Freizeitsegler und
Charterboote sind seit Grenada selten geworden.
Auch im Bus lernen wir vielerlei. Freundlich und
hilfsbereit, wie die Holländer sind, werden wir
oft von Privatautos mitgenommen - einmal auch von
Drogensüchtigen, die ungestört ihre Joints
weiter rauchen. Da braucht man sich über ihren
Spruch we do not like the police
nicht mehr wundern. Innerhalb von 3 Tagen ist
unser Geld aus Deutschland auf eine hiesige Bank
überwiesen und wir besorgen uns noch einen GPS,
die hier sehr preiswert sind. Mit dieser Kiste
wird Navigation noch sicherer und bequemer
werden. Unsere Zeit verbringen wir in
Botschaften, besorgen Visa für Panama und USA.
Deren Antragsformular beinhaltet doch
tatsächlich die Frage: "Planen Sie in den
USA terroristische Aktivitäten?" mit dem
Zusatz: "Wenn Sie diese Frage mit Ja
beantworten, wird Ihnen sehr wahrscheinlich kein
Visum erteilt." Also kreuzen wir halt das
Nein an.
Ein Besuch im
Seeaquarium lehrt uns die Namen der vielzähligen
Fische, die wir bisher bei unseren Tauch- und
Schnorchelgängen gesehen haben Und in Willemstadt
können wir endlich unsere Dias entwickeln
lassen. Ein paar davon sind reif für
Werbeposter.
Neben den
niederländischen Antillen war Indonesien lange
holländische Kolonie. Der Grund für zahlreiche
indonesische Restaurants. Wir gönnen uns die
"kleine" Reistafel und eine Vielfalt an
Schüsselchen und Schälchen füllt unseren
Tisch. Wir sind zu siebt und eine lustige
Seglertruppe trifft beim Heimweg noch mitten in
den Karneval ...
Sonntag abend sind
wir dann bei Lony und Lieven (meine
Anhalterbekanntschaft). Es ist mal was ganz
anderes, hinter die "Kulissen" zu
schauen und Insider Geschichten zu hören, wie
z.B. die fleißigen, wuseligen Holländer mit
ihren ehemaligen Sklaven - "IPL" (in
principle lazy) - zusammenarbeiten. Lieven ist
Geschäftsführer von AVIS in Curacao und bietet
uns die gesamte Logistik seines Unternehmens an,
falls wir Bedarf haben. Selbstverständlich
kommen die beiden am nächsten Abend zum Drink an
Bord. Für Lony, die seit 45 Jahren an dieser
Bucht lebt, ist das ganz schön aufregend.
Doch unsere Reise
geht weiter. Seit wir in Curacao sind, bläst es
kräftig und einige Yachten warten seit vielen
Wochen auf weniger Wind. Der Cruising Guide
beschreibt das Wetter wie folgt: "The only
option you have is between blowing hard or
blowing harder". Also ist alles ganz normal
so. Wir flicken morgens noch unser Beiboot, weil
der Kleber 72 Stunden lang trocknen muß, die
letzte Aktion vor dem Auslaufen - denn ohne Dingi
ist man auf dem Schiff eingeschlossen. Gaby hat
verschiedene Speisen vorgekocht, alles seefest
verstaut und gegen 14.00 Uhr am 25. Februar
laufen wir aus Kurs Panama.
Wieder pfeift es
mit 7 Windstärken. Wir segeln nur Fock und
Besan, das Großsegel bleibt eingerollt und wir
machen bereits in den ersten 24 Stunden
Rekordfahrt: 170 Seemeilen (Vergleich Atlantik
bestes Etmal 138 Seemeilen). Kurz, eine ruppige
aber mit 5 Tagen schnelle Überfahrt. Sechs
Beaufort sind die schwächsten Winde, die wir
antreffen, nach oben springt die Anzeige immer
wieder auf 40 Knoten. Erinnert Ihr Euch an unsere
fliegende Fisch Skala zur Beurteilung des
Seegangs? Je mehr wir an Deck finden, je toller?
Während wir über den Atlantik mal 4 Stück oder
so fanden, liegt unser Rekord jetzt bei 37! ...
und Sand haben wir auch keinen mehr an Deck.
Es ist schön zu
wissen, daß Ägir auch in schwerem Wetter gut zu
segeln ist und die Windsteuerung in grober See
hervorragend arbeitet. Wir haben seit 4 Tagen
nichts mehr kochen können. Panama kommt in
Sicht, wir werfen noch unsere Angel aus. Kaum
macht Gaby Anstalten zum Mittagsschlaf als ein
"sst" die Angelleine spannt und reißt.
Mindestens ein 3 Meter Tier. Doch die gute
Bordfrau hat vorgesorgt: Eine neue Leine (1,1 mm
- Tragkraft jetzt 45 kg) und Haken waren beim
letzten Einkauf mit dabei. Der zweite Versuch ist
mit Erfolg gekrönt: Thunfisch der richtigen
Größe!
Panama

Wir laufen in Colon
ein und werden mit großem Hallo bereits von
Hannelore und Hellmut erwartet: "Das Essen
ist gerade fertig, kommt doch rüber ...."
Nach einer Flasche Wein und 5 Tagen Starkwind
fallen wir in die Koje. Plong!
Colon ist eine
dubiose Ecke. Man bekommt alles, preiswert
südamerikanisch, doch manche Straßen sehen so
finster aus, daß wir lieber nicht hinein gehen.
Der Gang zu den Hafen- und Kanalbehörden wird
vom Karneval geprägt: Feiertag. Doch morgen
früh will der Schiffsvermesser an Bord kommen,
um die Schleusengebühren festzulegen. Gaby
ersteht einige Molas. Indianische handgestickte
Tücher, die vor allem als Dekoration auf Blusen
Verwendung finden. Ganz fein, bunt und exotisch
attraktiv. Die Kuna Indianer sehen ganz
interessant aus: Mit einer platten, aber langen
Nase erinnern mich die Gesichter etwas an
Elefanten ... und der Gesichtsausdruck ist so
ausgeglichen, zufrieden und freundlich, wie wir
das bisher nirgendwo gesehen haben.
Wir tun uns mit
Marylin und Collin von der Yacht Allure
zusammen und spielen abwechselnd Linehand. Im
Panamakanal müssen neben dem Schiffsführer und
Lotsen noch 4 Personen zur Bedienung der
Festmacherleinen in den Schleusen an Bord sein.
So kommen wir mit Allure am Donnerstag in
den Pazifik, alle mit dem Bus zurück und am
Freitag geht's bei Ägir los.
Zwischendurch noch im Panama Yacht Club ein
üppiges, feudales chinesisches Dinner (alle
Chinesen sind ausgezeichnete Köche wie uns
scheint), ein Wiedersehen mit Genesis,
unseren neuseeländischen Freunden. Jeder hat die
windige Passage von Curacao nach Panama anders
erlebt. Ein Holländer kommt ohne Masten an und Genesis
lief ohne Segel, nur mit dem Winddruck auf die
blanken Masten 10 Knoten!
Wir haben als 4.
Linehand die überaus attraktive Tochter der
Bedienung des Panama Yacht Club an Bord. ...wir
werden von den anderen Schiffen beneidet ...
Unser Lotse bringt seinen Hiwi mit
(Ausbildungsprogramm) - so sind wir zu siebt und
die Passage durch den Kanal wird ausgesprochen
lustig. Und informativ noch dazu: So kostet eine
Minute in der Schleuse ca. 8000 $ und Frachter
bezahlen so um die 50.000 $ für eine Passage,
während unsere Fahrt nur 130 $ kostet. Und wenn
wir keine Schleuse beschädigen, bekommen wir
noch ein paar $ zurück. Unser Transit ist
abhängig von der Großschiffahrt, dauert 2 Tage
und wir ankern und übernachten im Gatunsee.
Der Gatunsee ist künstlich aufgestaut, um einen
Wasserweg zu schaffen. Um die Arbeiter zu
motivieren, den schwierigen Durchbruch in
Galliards Cut zügig zu erledigen, hat man etwas
Gold vergraben; natürlich sprachen sich die
ersten "Goldpfunde" wie ein Lauffeuer
herum und blitzartig war der Berg weg! Schneller
sogar als geplant. Baden in Süßwasser
(angeblich zwischen Krokodilen, Affen, Papageien
und Jaguaren). Für Maribel, unsere Linehand, ist
ein erfrischendes Bad aber nur in Shorts und
T-Shirt möglich. Badeanzug oder gar Bikini lehnt
sie strikt ab. Der Körper ist der Wohnort ihrer
Seele und den muß man vor neugierigen Blicken
beschützen. Anders dagegen die Mädels von Celtic
Caper. Die sind nur schön, haben keine
Ahnung von nix, außer... und so muß der Lotse
dort sämtliche Leinen alleine bedienen. Dafür
wird er an Bord so gut umsorgt, daß er nachts
gar nicht mehr an Land geht. Das Schleusen erwies
sich als absolut unproblematisch, doch Panama ist
so voll von Kriminalität, daß wir "nix wie
weg" wollen. Aber vorher müssen noch die
letzten Einkäufe erledigt werden. Es gibt einen
deutschen Supermarkt mit Laugenwecken, Leberwurst
... Als wir unsere Tüten in das Taxi verladen,
steht als Service des Supermarktes ein
schwerbewaffneter Body-Guard neben uns, um
sicherzustellen, daß wir wenigstens die Sachen
sicher und vollständig ins Taxi bringen.
Ausklarieren (6fach Formular, 3 Büros und schon
hat man einem Stempel im Paß).
Der Pazifik macht
seinem Namen Ehre. Zum ersten Mal seit 3 Monaten,
seit 2000 Seemeilen segeln wir wieder Vollzeug -
leichte Winde und strahlend blauer Himmel. Wir
passieren den deutschen Frachter "Hansa
Lübeck" und riesiges Hallo bricht aus. Man
rennt nach den Fotos...
Nach wenigen
Stunden fällt der Anker im Archipel von Las
Perlas vor der Insel Saboga. Indianer
kommen im einbaumähnlichen Kanu längsseits. Sie
bieten Perlen an, nach denen ja auch das Archipel
benannt ist. Doch die Exemplare sind
enttäuschend klein und es wird kein Handel
daraus. Auf Saboga liegt en kleines Dorf, mit
Kirchlein. Wir zünden eine Kerze an. Der Strand
ist bestanden mit Palmen und voll von Muscheln
und Schnecken aller Arten. Gaby's Sammlerstunden.
Am Nachmittag 2 Meilen weiter liegen wir südlich
der Insel Contadora. Und wieder ist es so
heiß, daß sich selbst Gaby unter Deck verzieht
(dort sind es nämlich nur 32 Grad).
Auf Contadora
befinden sich die Villen der wenigen Reichen von
Panama, eine Landepiste, Duty Free Shop! und jede
Menge Sonne und Strand, der durch Hainetze
teilweise gesichert ist. Irgendwo auf diesem
Archipel wohnt der Bruder eines ehemaligen
Kollegen. Wir bleiben Freitag, den 13. am Anker
und sind bereit, morgen nach Galapagos
aufzubrechen. Inzwischen sind auch Hannelore und
Hellmut eingetroffen. Wir gönnen uns ein
Abschiedsdinner in der einzigen Kneipe, dem
"Gallo Nero", einer kleinen Pizzeria.
Und klein wie unsere Welt ist, kommt auf die
Frage: "Gibt's hier auf den Inseln irgendwo
einen Niederhübner?" die Antwort: "Ja,
hier!". Wir erfahren von der Quelle des
Reichtums dieser Insel. Drogen, denn der Profit
des Panamakanals geht nach wie vor nach USA. Auf
dem Heimweg sehen wir auf einer Müllkippe
zwischen Hühnern noch zwei große
Gelbstirnamazonen (Papageien), die ganz vergnügt
mit leeren Getränkedosen spielen.
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