| Galapagos, Franz. Polynesien, Cook
Islands, Niue, Tonga und Fiji. Galapagos

Wale in den
Doldrums
Mit leichten
Winden nehmen wir Kurs auf Galapagos, es ist
jetzt der 14. März 1992. Noch einmal passieren
wir die Frachtschiffkolonne Japan-Panamakanal,
dann sehen wir keinen Menschen mehr. Die 900
Seemeilen zur Isla Santa Cruz werden sehr
unterhaltsam. Einmal landet ein Kormoran auf
unserem Besan und fährt ein Stück mit, dann
sehen wir viele Tümmler. Doch der Höhepunkt ist
das Zusammentreffen mit den großen Walen. Wir
kommen bis auf 10 Meter heran, können fast ihre
riesigen Buckel berühren, ehe sie beim Abtauchen
"posterfähig" die riesige
Schwanzflosse in die Luft heben.
Wieder einmal
verlieren wir einen Köder von der Angel. Wir
basteln einen Neuen: Alte Leinen werden
ausgefranst, mit dem Finger eines
Gummihandschuhs, etwas Blei und Blech von einer
Bierdose entsteht eine Furcht erregende
Tintenfischimitation. Sie wird "Annette von
Aretin" getauft.
Und dann laufen
natürlich die Vorbereitungen zur Äquatortaufe
auf Hochtouren. Jeder denkt sich Schabernack für
den anderen aus, selbstverständlich ist alles
streng geheim und nur gelegentlich verrät ein
Pruster, daß der andere wieder eine Superidee
hat.
Freitag, 20. 03.
1992, 15.53 Uhr Ortszeit. Wir passieren den
Äquator und ob ihr es glaubt oder nicht, obwohl
wir jetzt auf der unteren Hälfte der Erdkugel
sind, schießt uns das Blut nicht in den Kopf,
sondern nur der Champagner!! Unsere gegenseitige
"Taufe" wird zur Riesengaudi.
Wir müssen durch
die berüchtigte Kalmenzone, die Doldrums, wo oft
wochenlang kein Windhauch zu spüren ist. Uns
aber hilft das Glück der Tüchtigen. Wir haben
nicht nur herrlichen Segelwind, sondern auch noch
eine günstige Meeresströmung und machen unser
bisher bestes Etmal:180 Seemeilen. Mit nur 28
Stunden Maschine schaffen wir die fast 1000
Seemeilen nach Galapagos in der Rekordzeit von
nur 7 Tagen. "El nino", d.h. die kalte
Meeresströmung entlang der südamerikanischen
Küste ist dieses Jahr nur ganz gering. Dadurch
haben wir momentan 31 Grad Wassertemperatur!!
Die Einreise nach
Galapagos ist ohne ausdrückliche, schriftliche
Genehmigung des Kriegsministeriums in Quito,
Equador, streng verboten. Mit gemischten
Gefühlen (natürlich hatten wir zuvor alle
Geschichten von Bestechung bis zur
Beschlagnahmung von Yachten gehört) sehen wir
den Hafenkapitän in Uniform mit drei Adjutanten
im Dingi heranfahren. "Buenos dias!"
Kurz, wir leben noch und auch Ägir ist
noch in unserem Besitz. Der Hafenkapitän war
U-Boot Kommandant, hatte "sein" U-Boot
in Kiel abgeholt, freut sich riesig, ein paar
Brocken deutsch mit uns zu reden. Zwei Flaschen
des zollfreien Fusels aus Venezuela wechseln den
Besitzer, 350 US $ "Liegegebühr" (ohne
Quittung natürlich) und wir dürfen eine ganze
Woche hier bleiben und frei (ohne Führer)
herumlaufen!
Galapagos
Leguane
Unser erster
Ausflug führt uns nach Tortuga Bay - die
Bucht der Schildkröten. Sechs Kilometer
Fußmarsch (ein Weg), die Sonne steht senkrecht
über uns ... Tausende von Eidechsen und kleinen
Leguanen, die berühmten Darwin-Finken (wie bei
uns die Spatzen), fliegende Heuschrecken so bunt
wie Libellen säumen den Weg. Herrlicher
Sandstrand empfängt uns. Ab ins Wasser. Nach
einem kleinen Rochen und 3 Haien, die bis ins nur
handbreit tiefe Wasser kommen, gehen wir weiter
den Strand entlang. Zwischen den Badenden, so
selbstverständlich wie bei uns Hund oder Katze,
sonnen sich die großen, tief schwarzen Leguane.
Sie erinnern uns nicht nur an die irdische
Evolution sondern auch vereinzelt an ehemalige
Kollegen.... Ein tierreicher Tag mit Flamingo und
Fregattvögeln, Reihern und Pelikan.
Die
älteste Schildkröte auf Galapagos
Wir besuchen die
Darwin-Forschungsstation. Hier werden die vom
Aussterben bedrohten Tierarten der
Galápagosinseln gehegt und gezüchtet, vor allem
die berühmten Riesenschildkröten. Auf dem
Postamt finden wir zufällig einen Brief für
uns; es ist halt doch vieles ganz anders. Das
Versorgungsschiff von Equador ist abgesoffen, und
so gibt es auf den Inseln praktisch nichts mehr.
In den Restaurants bekommt man die große
Speisekarte, bei der Bestellung jedoch nur das
Einheitsmenü, in manchen Kneipen ist sogar das
Bier alle.
Schweden sprechen
uns auf der Straße an: "Verstehen Sie was
von Elektronik?" Gegenfrage: "Was ist
denn Ihr Problem?" Und wir hören die
unglaubliche Geschichte von dem ausgefallenen
Satelliten Navigator, der Unfähigkeit mit einen
Sextanten die Position zu berechnen, dem Versuch,
von Panama zu den Cocos Islands zu segeln, das
man natürlich verpaßt, weil's so klein ist. Und
als man nach vielen Tagen Land sieht, wird
geankert und die Einheimischen machen der Crew
klar, daß sie auf Galapagos gelandet sind. Bei
so viel Naivität liegt oft kein technischer
Defekt vor, sondern nur ein Bedienfehler. Nach
kurzer Einweisung und richtiger Konfiguration
spielt die Kiste wieder perfekt. Doch damit der
Tappigkeit nicht genug. Eine Farbsprühdose steht
im Cockpit in der prallen Sonne - kurz, das
Schiff sieht jetzt so aus, wie ich mir das Studio
des späten Picasso vorstelle.
Schnorcheln
mit den Seelöwen - eines der schönsten
Erlebnisse dieser Reise
Radtour über die
Insel. Die Schildvulkane haben es so an sich,
daß es vom Hafen aus, egal wohin man fährt,
immer "leicht" bergan geht. Schon nach
5 Minuten freuen wir uns auf die Rückfahrt.
Höhepunkt ist eine etwa 1 Kilometer lange
Lavahöhle, die soweit touristisch erschlossen
ist, daß man am Eingang für 1 $ eine Lampe
leihen kann; ansonsten Natur pur, ohne Führer
o.ä. ist es Gaby, die zum ersten Mal in einer
Höhle ist, schon etwas mulmig.
Mittwoch, 25.
März 1992. Wir buchen eine Tour zur Insel
Plaza. Neben dem "üblichen"
Galapagos wie Leguane, verschiedenen Tölpeln,
Fregattvögeln und Tropikvögeln gibt es dort
jede Menge Seelöwen. Wir (das sind 8
deutschsprachige Touristen) runden die Insel. Wie
immer ganz schön heiß und zur Abkühlung ein
erfrischendes Bad im Meer. Aber wo vor lauter
Seelöwen? Mitten hinein! Etwa eine halbe Stunde
lang schnorcheln wir mit diesen lustigen,
neugierigen und verspielten Tieren, sie knabbern
an den Flossen und zeigen keinerlei Scheu.
Lediglich die Bullen, die sogenannten
"Machos", zeigen sich angriffslustig,
wenn man ihr Revier betritt oder beschwimmt.
Schwimmen mit den Seelöwen bleibt bestimmt eines
der schönsten Erlebnisse unserer Reise.
Französisch
Polynesien 
Fünfter Tag auf
See. Wir sind darauf eingestellt, daß wir für
die 3000 Seemeilen zu den Marquesas Inseln etwa 4
Wochen benötigen. Segeln im Pazifik ist bislang
traumhaft. Herrlicher Segelwind um 4 Beaufort -
genug daß Ägir gute Fahrt macht, doch so
wenig, daß sich keine große Welle ausbildet. So
kommen wir zügig voran. Eine Handvoll Yachten
ist mit uns auf der selben Strecke: Albatros
(D), Slocum (NL), Springer (NL), Genesis
(NZL), Wossli Bong (NZL), Kimberly
- "the hairy nose wombat" (AUS) und Liv
(N). Jeden Abend gibt's per Funk die wirklich
wichtigen Neuigkeiten. Heute von uns: Wir haben
eine schöne Makrele gefangen. Nachts werden
kleine Tintenfische an Deck gespült und diese
geben äußerst fängige Köder ab! Unsere
Bananenstaude wird reif. Gaby bäckt einen
leckeren Bananenkuchen. Neumond. Unbeschreiblich
beeindruckende Nächte. Wenn die Delphine kommen,
hinterlassen sie nur eine fluoreszierende
Leuchtspur des Meeresleuchtens. Es sieht aus, als
ob Torpedos auf unser Schiff abgefeuert würden.
Eindrücke, die sich weder auf Video noch Foto
bannen lassen. Darüber die Milchstraße, die im
Bereich des "Kreuz des Südens"
besonders intensiv strahlt. Der Südostpassat
weht jetzt so beständig, daß wir sehr
wahrscheinlich weniger als 30 Tage benötigen -
wir werden sehen.
6. April 1992 -
11. Tag auf See und wir haben schon die Hälfte
der Strecke hinter uns. Das Wetter ist seit 2
Tagen trübe und erinnert an die Nordsee im
November (nur halt wärmer!). Die Tage vergehen
wie im Flug. Neben Fischen gehören jetzt auch
Kakerlaken zu unseren Jagdobjekten. Zwei Riesen
von 5 Zentimeter Größe haben wir schon erlegt.
Vorgestern hatten
wir mitten im Pazifik Feuer an Bord. Salzwasser
war in einen Stecker getropft, Kurzschluß,
Kabelbrand - aber keine Sorge, alles war sofort
unter Kontrolle und es entstand kein
nennenswerter Schaden. Und doch hält es die Crew
für ein paar Minuten ganz schön in Atem. Der
nächste Zwischenfall war nicht weniger
gefährlich: In einer schweren See (es bläst mit
6, in Böen mit 8 Beaufort) fällt unsere
Gasflasche aus der Halterung und der Schlauch
reißt ab. Als wir im Cockpit das Gas riechen,
ist natürlich schon das ganze Schiff voll. Als
ich die Flasche zudrehen will, kommt die
Überraschung: Das unter Druck stehende Gas
kühlt sich beim Ausströmen so stark ab, daß
der ganze Ankerkasten vereist ist. Ein Bild wie
am Nordpol.
Albatros
hat einen Blue Marlin mit 2,50 Meter gefangen.
Hellmut und Hannelore sind jetzt mit Fisch
versorgt (ca. 40 kg). Immer wieder sehen wir
japanische oder koreanische Fischfangflotten. Wie
wir erfahren, sind sie auf Tintenfische aus. Die
Schweinerei besteht im sogenannten Beifang, der
in der Zeit von Juni bis Dezember auf 114000
Delphine, 1146000 Seevögel, 7 Millionen Blauhaie
und über 13 Millionen Thunfische geschätzt wird
- alle umsonst gestorben!
Im Süden liegt
jetzt die Osterinsel und wieder einmal fahren wir
an attraktiven Plätzen vorbei, 3 Jahre sind
einfach zu kurz. Beim nächsten Mal dann!
Im Südwesten
liegt Mururoa, wo die Franzosen nach wie vor
Atomversuche durchführen. Die einheimische
Bevölkerung scheint nicht oder unzureichend
aufgeklärt. Irgendwie ist es bezeichnend, daß
der französische Verteidigungsminister Henu,
nachdem er das Greenpeace-Schiff "Rainbow
Warrier" in Neuseeland sprengen ließ,
mit dem Orden der Ehrenlegion ausgezeichnet
wurde. Schmeckt Euch eigentlich französischer
Wein noch? Mit einem gewissen Stolz in der Stimme
beantwortet unser Freund Dan von Genesis (Neuseeland)
meine Frage nach der französischen Botschaft in
Tahiti: "Mit denen sind wir doch im
Krieg!" In den vergangenen Jahren jeweils
acht Atomversuche, d.h. alle 6 Wochen ein
vorsätzliches, französisches Tschernobyl!
Der Pazifik
trägt seinen Namen zurecht
10. April 1992 -
15. Tag auf See. Gaby behauptet, ich hätte
Schwielen am Hintern - kann das nicht
bestätigen, denn ich sehe einfach dort nicht
hin. Herrliches Segeln im Südostpassat. Unser
riesiger Spinnaker treibt Ägir mit bis zu
9 Knoten voran. Bei Gaby bricht Regattafieber aus
- die täglichen Positionsmeldungen der anderen
Yachten werden in die Karte eingetragen:
"Heute haben wir Genesis überholt,
auf geht's, der nächste vor uns ist Slocum,
laß bloß den Albatros nicht an uns
vorbei ..." Keine 800 Seemeilen mehr, die
ersten Südseeinseln sind greifbar nahe. Bisher
machen wir sehr gute Fahrt; 150 Seemeilen im
Durchschnitt pro Tag (vergl. Atlantik: 100
sm/Tag). Herrlicher Wind, fast keine Welle,
frisch gemaltes Unterwasserschiff und natürlich
Gaby's Regattafieber! Wenn das so weitergeht,
sind wir noch vor Ostern auf Hiva Oa. Dazu kommt
der Südäquatorialstrom, der schon Kon-Tiki von
Südamerika nach den Tuamotus schob.
15. April 1992 -
20. Tag auf See. Der Spinnaker steht Tag und
Nacht. Traumhafte Fahrt mit dem Ballonsegel
zwischen Vollmond und Kreuz des Südens. Heute
nacht werden wir ankommen, doch die Bucht von Taahuku
auf Hiva Oa ist eng. Wir nehmen Segel weg,
verlangsamen unsere Fahrt, so daß unsere Ankunft
nicht vor Sonnenaufgang sein wird. Norddeich
Radio hat Verkehr für uns, doch unser 150 Watt
Sender tut sich schwer, um die ganze Welt zu
kommen. Schade!
Marquesas -
traumhafte Kulisse
In der frühen
Morgendämmerung fahren wir entlang der Küste
von Hiva Oa. Schroffe Berge, die bis zu 1000
Meter hoch in den Himmel ragen und doch bis zu
den Gipfeln saftig grün sind. Nach nur 19 Tagen
und 22 Stunden fällt der Anker. Wir sind im
Paradies. Fröhliche, freundliche und hübsche
Menschen, Frauen tragen Hibiskusblüten im Haar.
Hibiskus wächst wie Unkraut am Straßenrand. Die
3 Kilometer bis zum Dorf Atuona können
wir fast nie zu Fuß gehen. Jedes Auto hält und
nimmt uns mit. Schon nach 2 Tagen kennen wir die
meisten und sie uns: Bonjour! Comment allez vous?
Auf dem Friedhof finden wir die Gräber von
Jaques Brel und Paul Gauguin - wir können sehr
gut verstehen, daß man hier "hängen
bleibt". Erstaunt stellen wir beim Einkauf
fest, daß es fast keine Früchte und kaum
Gemüse gibt. Dach das Rätsel löst sich bald.
Ein paar Schritte aus dem Dorf und es gibt wild
wachsende Papayas, Kokosnüsse, Zitronen, Bananen
im Überfluß. Wozu das also im Laden anbieten?
Übrigens, Autos
werden hier mit offenen Fernstern gewaschen Der
tägliche Regenschauer sorgt dafür, daß Wasser
ausreichend vorhanden ist und wir genießen
täglich die kostenlose Dusche!
Das Grab
von Paul Gaugin
Die Namen sind
übrigens fast ausnahmslos polynesischen
Ursprungs und jeder Buchstabe wird einzeln
ausgesprochen. Also Taaoa: Ta-a-o-a! Durch die
vielen Selbstlaute wirkt die Sprache und vor
allem der Gesang außergewöhnlich fröhlich und
freundlich. Ach ja! Die Welt ist mal wieder ganz
klein. Der Dorfgendarm strahlt über alle 4
Backen, als er Gaby's Paß studiert: Geboren in
Merzig. "Isch war neun Jahre in
Sarrebour!" Und unsere Einklarierung geht
problemlos über die Bühne, mehr noch, er
überzeugt Gloria, die Bankangestellte, daß sie
doch bitte unseren Bond sofort erledigt, obwohl
es eigentlich schon außerhalb der Schalterstunde
ist.
Nach den
Osterinseln sind auf Hiva Oa die größten Tikis
zu sehen - da müssen wir hin. Die Frage nach dem
Bus wird belächelt und verneint. "Am besten
fahrt ihr mit eurem Boot nach Puaman" ist
die Antwort. Doch auf der Seekarte sieht die
Bucht sehr ungeschützt aus und wir mieten
einfach ein Auto. Es gibt nur Jeeps und schon
nach 3 Kilometern ist klar, weshalb kein Bus
fährt. Es geht nicht! Denn die einzige Straße,
die über die Insel führt, ist keine. Geröll,
reine Lava, Lehm, platt gefahrene Büsche, von
null auf tausend Meter und wieder hinab. Für 40
km brauchen wir knapp 4 Stunden und um es vorweg
zu nehmen, als wir abends zurück sind, haben wir
beide einen wunden Hintern. Unterwegs ernten wir
Zitronen, Kokosnüsse, Papayas und Bananen.
Leider verpasse ich mit dem Foto, wie Gaby vom
Papayabaum plumpst!
TIKI - fast
im Urwald versunken
Der Tiki ist weit
beeindruckender, als wir uns das vorgestellt
hatten. Nicht nur ein Steinmännchen, sondern
eine richtige, ausgedehnte Kultstätte mit
Mauern, Treppen und insgesamt 5 sehr gut
erhaltenen Steinfiguren. Tiki ist der größte
Gott der Polynesier, der sich aus einem Haufen
Sand eine Frau schuf und deren Kinder die
Vorfahren aller Polynesier sind. Tiki schuf auch
die Inseln im Meer, um seinen Kindern Lebensraum
zu bieten. Er lebt noch heute auf der Insel
Havaii-Pe. Wir verbringen einen ganzen Tag an
einem touristisch attraktiven Ort, ohne einem
einzigen Menschen zu begegnen. Abseits von den
normalen Touristenpfaden steht kein einziges
Hinweisschild, kein Kiosk verkauft Souvenirs,
keine ausgetretenen Pfade, keine Cola Dosen. Ganz
allein mit dem großen Tiki mitten im Dschungel.
Nur mit den flinken Ameisen müssen wir unser
Picnic teilen.
Gaby ist eben
nochmals ins Dorf zum Gendarm zum Ausklarieren.
Wir wollen morgen weiter. Schon nach 5 Minuten
ist sie zurück - klatschnaß. Die junge Frau ist
doch tatsächlich beim Aussteigen vom Dingi mit
allen unseren Papieren ins Wasser gefallen (29
Grad Celsius). Jetzt siehts an Bord aus,
wie in einer richtigen Amtsstube. Die
unterschiedlichsten Dokumente und Formulare vom
Paß bis zum Zertifikat des DHI für die
Positionslaternen hängen zum Trocknen aus. Gaby?
Ist wasserdicht!
Nur wenige Meilen,
Delphine begleiten uns und wir ankern in Vaitahu
vor der Insel Tahuata. Hier soll es
Überreste eines alten Tempels geben. Wir fragen
die Einheimischen. Die Menschen sind so
freundlich, daß sie niemals rückfragen und wenn
sie uns nicht richtig verstehen, erklären sie
uns einfach das, was sie für wichtig halten. So
stehen wir schließlich vor dem Grab eines
französischen Soldaten, den die Eingeborenen
erschlagen haben, weil er die Häuptlingstochter
verführen wollte.
Kinder mit
Hähnen als Kuscheltier
Auf den
Tempelresten steht eine nagelneue Kirche. Es ist
erschreckend, was übereifrige Missionare noch
heute mit den alten Kulturen anrichten. Auf
Tahuata wohnen keine Franzosen, man spricht noch
die alten polynesischen Dialekte und die Bewohner
sind kunstvoll am ganzen Körper tätowiert. Auch
Gastfreundschaft wird noch wirklich groß
geschrieben; so endet ein kurzer Plausch mit
einem Mann damit, daß Gaby den ganzen Arm voll
riesiger Pampelmusen hat. So groß wie unser
Teekessel! Dabei kernlos und absolut top im
Geschmack und überhaupt nicht bitter. Die besten
Grapefruit der Welt! Wir fotografieren ein paar
Kinder, die mit Hähnen im Arm spielen. Die
Familie kommt dazu und wir reden miteinander. Bis
sich schließlich die Tochter ein Herz faßt und
die Frage aller Fragen stellt: "Habt ihr
Parfüm an Bord?" Wenig später sitzen wir
auf der Terrasse, Shampoo, Zigaretten und
Schokolade wechseln die Besitzer, wobei sich
jedes Familienmitglied zielsicher seinen Teil
greift. Wir sind um viele Früchte reicher;
Früchte, deren Namen wir noch nicht einmal
aussprechen können. Die Adresse wird noch
aufgeschrieben, denn die Familie möchte gerne
auch die Bilder, vor allem die der Kinder.
Abends sind wir
mit Holländern zusammen, ihnen erging es
ähnlich und so klingt ein wunderbarer Tag in der
Südsee an Bord von Klepel zwischen
dunkelgrünen, hohen Bergen und pastellfarbenem
Orange der Abendsonne weinseelig aus.
Am nächsten Tag
ankern wir nur 2 Seemeilen weiter in der Bucht
von Hana Moe Noa: In 15 Meter Tiefe sehen
wir unseren Anker im kristallklaren Wasser,
weißer Sandstrand, Palmen, wilde Papayas und
Orangen, sonst unbewohnt ...
Rechtzeitig zu
Gaby's Geburtstag sind wir auf Ua-Pou.
Einer Insel, von deren Existenz wir vor wenigen
Wochen noch nichts wußten. Eine absolut
beeindruckende Landschaft empfängt uns. 1200
Meter hohe Reste von Vulkanschloten, hinter denen
in pazifischen Farben die Sonne untergeht. Es ist
unbeschreiblich und wir sind ganz weg!.
26 April 1992.
Ägir (sprich Gaby) steht heute im
Mittelpunkt des Funkverkehrs und die Pimpfe von Ocean
Wanderer singen das Geburtstagslied mit 6516
kHz! Jetzt weiß jeder was Sache ist und schon
rudert Liv mit dem Beiboot heran, eine
Flasche Sekt in der Hand. Von ihnen erhalten wir
auch den Tip für ein polynesisches
"Spezialitätenrestaurant". Vehines
Snackbar. Abends finden wir uns dort bei Octopus
mit Gurke, Ziege in Cocos-Safran-Sauce,
Brotfrucht, Banane, Süßkartoffeln und ??? sowie
Bananenkuchen mit Geburtstagskerze. Dazu
französischen Rotwein auf Eis. Der Wirt ist sehr
unterhaltsam zumal wir die einzigen Gäste neben
dem Fernseher sind und wir erfahren viel über
Kultur, Geschichte und Wirtschaft; "
Mururoa? Das ist sehr gut, es bringt Geld!"
Die gute Nachricht: Man hat jetzt die Versuche
für ein Jahr ausgesetzt. Toti erläutert die
Bedeutung der Tätowierungen auf seinem Arm. Je
mehr, desto höher der gesellschaftliche Rang.
Gesichter von Tiki, das Auge, das in die Ferne
schaut und viele Motive der Natur: Haizahn,
Fischnetze .. Die Entdeckung von Ua-Pou durch die
Europäer ist erst 200 Jahre her. Man erinnert
sich durch Erzählungen der Vorfahren, einige
sind noch stolze Nachkommen mit Namen Willams ..
Die Entdecker ließen auf den Inseln Hühner,
Schweine und Ziegen als Lebendproviant zurück.
Diese sind heute verwildert und werden gejagt.
Eier sind deshalb teuer, weil man sie im Urwald
suchen muß, aber dafür stammen sie von
wirklichen Freiland-Hühnern!
Eben läßt ein
kleiner Frachter Öl in den Hafen. Eine riesen
Sauerei entsteht. Gaby nimmt unsere total
geteerte Beibootleine und macht dem 1. Offizier
ein Geschenk. Der findet das gar nicht lustig -
wir übrigens auch nicht - und doch haben wir das
Gefühl, daß wir auf totales Unverständnis
stoßen. Und das, wo alles, was mit dem Wasser in
Berührung kommt, schwarz und klebrig ist.
Frangipani - Gabys Lieblingsblüte
Zum 30. April ist
ein Musikfest angesagt - wir wollen solange
natürlich bleiben. Neben Ukulele und
verschiedenen Trommeln gibt es hier ein ganz
außergewöhnliches Instrument: Eine Nasenflöte.
Der Spieler hält sich ein Nasenloch zu und mit
dem anderen bläst er die Flöte. Es entsteht ein
dumpfer, Uhu ähnlicher Ton: Uhuuuhu. Zum Fest
bringen Dampfer die Einwohner der Nachbarinseln.
Die Yachten in der Bucht sind die wenigen
Touristen dabei. Toti - ein inzwischen guter
Bekannter von uns - bemüht sich, die alten
Traditionen wiederzubeleben, die von den
Missionaren verboten wurden: Tänze,
Tätowierungen etc. Die polynesische Kultur ist
die einzige der Welt ohne Schrift und so wird das
weitergegeben, was man noch von seinen Vorfahren
hört. Tänze zum Sichern des Jagderfolgs - Toti
demonstriert nur für uns zwei den Schweinetanz.
Dabei stößt der massige Körper gewaltige
Urlaute aus und der ganze Mensch bebt.
Geschnitzte Bambusverzierungen, Batik-Tücher
u.v.a.m. werden vorgeführt. Der Höhepunkt ist
jedoch das "diner dansant". Die Musik
ist zwar nicht das, was wir erwartet haben,
sondern handelt einmal von den Schönheiten der
Natur und zum anderen vom Bestreben, unabhängig
zu werden. Befremdend klingen alte Stones-Songs
wie z.B. "Satisfaction", wenn mit
marquesischen Urlauten und Ukulele begleitet.
Dagegen ist das Menü umwerfend. Allein die
Tatsache, daß eine Art Hocketse mit Tischdecken,
Gläsern, Tellern und richtigem Besteck für die
Bewohner von 3 Inseln vorbereitet ist, macht uns
sprachlos. Jeder trägt Blumen im Haar - wir
auch! Die Mädels mit ungewöhnlichen
Blumenkränzen, auch auf dem Kopf, sind schlicht
bezaubernd. Das Menü:
* roher,
marinierter Fisch mit gebackenen Bananen
* Frühlingsrolle aus Lobster mit einer feinen,
leider undefinierbaren Sauce
* Süßsaures Schwein mit Reis
* Ziege an Kokosnuß-Sauce
* Diverse Früchte
Dazu natürlich
Baguette, vin rouge grand cru Baron de Migräne,
Mineralwasser, Fruchtsaft ...Kurz nach
Mitternacht kugeln wir in unser Dingi.
Wir lernen Ben
kennen. Besonderheit: Heute Direktor der Schule,
verspeiste er laut eigener Aussage noch vor etwa
30 Jahren noch Menschen - und er sieht ganz gut
ernährt aus.
Weltbeste Pampelmusen "en
masse"
Die
Gastfreundschaft ist unglaublich. Immer wieder
landet ein ganzer Sack (weltbester!) Pampelmusen
an Bord, oder eine Ladung Zitronen, oder man
kauft uns einfach so ein Bier, oder wir erhalten
eine Einladung, doch mal die Familie zu Hause zu
besuchen: "Wir wohnen direkt hinter der
Post!" Fast alles wird geteilt, kein Beiboot
am Ufer (wie in der Karibik immer notwendig!) ist
angekettet und irgendwie ist es bezeichnend, daß
die Sprache kein direktes Wort für
"danke" hat. Es ist einfach
selbstverständlich! Hier ist wirklich noch das
Paradies.
Vier Tage weiter.
Unser erstes richtiges Atoll. Die Einfahrt in die
Lagune ist eng und strömungsstark. Deshalb
wollen wir bei Tageslicht und Stillwasser
einlaufen. Wir kürzen die Segel und stehen
präzise morgens 8.00 Uhr in der Passage; 10
Minuten Herzklopfen und wir sind in der Lagune,
motoren um einige Korallenköpfe herum an unseren
Ankerplatz vor dem Kaiua-Hotel. Die Leute hier
sind wiederum sehr freundlich und wir dürfen
kostenlos einige für uns wichtige Einrichtungen
in Anspruch nehmen: Steg (damit muß unser
Schlauchboot nicht an den scharfen Korallen
vorbei), Dusche, Müllkontainer ..
Die schwarze Perle
Mit Gil, dem
Tauchlehrer, unternehmen wir beeindruckende
Tauchgänge am Außenriff: Steilhang aus Korallen
bis in 1000 Meter Tiefe. Antoinette, eine
wuselige Einheimische, lädt uns ein, die
Perlenzucht zu besichtigen. Manihi ist
einer der wenigen Plätze dieser Welt, wo
schwarze Perlen gezüchtet werden. Erstaunt
erfahren wir, daß Perlenzucht hohe Chirurgie am
lebenden Tier ist. Nach fast zwei Stunden fühlen
wir uns fast wie richtige Experten.... Das Hotel
hat nur 14 Zimmer, jedes ist ein kleines
Häuschen am Wasser, ähnlich wie die Pfahlbauten
am Bodensee. Preis: 800 DM für ein Doppelzimmer
pro Tag. Die wenigen Gäste werden exquisit
unterhalten und wir dürfen wiederum teilhaben:
Bei einem Glas Wein lernen wir die
verschiedensten Arten des Pareo-Tragens kennen.
Ein rechteckiges, leichtes Tuch, das geknüpft,
geschlungen oder gebunden wird, so daß es mal
Rock, mal Bluse, mal Kleid, mal Shorts ist.
Einfache aber äußerst attraktive Haute Couture.
Dazu der Tamouree, ein einheimischer Tanz,
plötzlich bin ich mitten drin. Die Männer gehen
dabei in die Knie, versuchen Charleston-artige
Kniebewegungen, während die Damen dann in
Augenhöhe der Männer ihren Bauchnabel (und das
in der Nähe befindliche) kreisen lassen. Kein
Wunder, dieser Tanz wurde von den christlichen
Missionaren verboten. Dabei berührt man sich
doch nur mit den Augen. (Gaby hat man nächsten
Tag Muskelkater im Lachmuskel von meiner
Vorstellung!).
Wir gönnen uns
ein Dinner: Fischsuppe, Entenkeule mit exotischem
Reis, Kokoskuchen. Das leckerste aber ist die
Salatplatte! Immerhin gab es die letzten Tomaten
auf Galapagos.
Bei weiteren
Tauchgängen sehen wir Haie und Mantas. Beides
sehr schöne, elegante Tiere und weit weniger
gefährlich, als man glaubt. Als im Hotel für 2
Tage 4 Saarländer aus Wahlen ankommen, ist Gaby
ganz aus dem Häusle: "Ei,..."
Nach einer Woche
brechen wir auf und segeln weiter zum nächsten
Atoll: Ahe. Das Dorf Tenukupara ist
klein, man lebt von der Perlenzucht und wir sind
die einzige Yacht. Im Gespräch mit dem
Ladenbesitzer erfahren wir von den hohen
Vorabinvestitionen und den Risiken der
Perlenzucht. Die "Chirurgen" werden
allesamt für teures Geld aus Japan eingeflogen -
sie hüten das Geheimnis der Perlenzucht gut.
Ein Atoll ist kein
geschlossener Ring, sondern besteht vielmehr aus
zahllosen kleinen Inseln, sogenannten Motus, die
ringförmig das Atoll bilden. Unser Motu ist in
15 Minuten zu Fuß umrundet, 30 Meter Straße,
kein Auto. Gaby's Muschelsammeltrieb läuft zu
Höchstform auf. Fast alle Schneckenhäuser sind
von Einsiedlerkrebsen bewohnt und wann immer wir
eines aufheben wollen, rennt es weg.
Die Perlenernte
ist erst im Juni/Juli und so stößt unser
Versuch, das heiß begehrte Fernglas
einzutauschen auf Schwierigkeiten. Unser letzter
Abend in Ahe. Nach Sonnenuntergang ist unser Motu
nur noch eine Silhouette von Palmen. Wir hören
deutlich das Donnern der Brandung auf der anderen
Seite. Der Vollmond geht auf und läßt die
leichten Kräusel der stillen Lagune silbrig
glänzen, aus dem Dorf hören wir Klänge der
Ukulele. Südsee, wie sie im Buch steht!
Bunte Unterwasserwelt
Aus unserem
Perlentausch wird nichts und so ziehen wir weiter
nach Rangiroa, einem der größten Atolle
der Erde. Unsere Ankerplätze werden z.Zt. von
dem Buch "Tauchparadiese" bestimmt. Bei
der Einfahrt nach Tiputa erleben wir
Stromschnellen, Tidenkabbelungen, wobei jede
"kabbel" eine Welle von 2 Meter Höhe
ist! Maschine voll voraus und durch, wenig
später liegen wir windgeschützt hinter Palmen
und Sandstrand. Kurz, es ist bisher unser
schönster Platz. Wir tauchen und schnorcheln,
die Fische fressen aus der Hand, ein Schnipsen
mit den Fingern genügt und schon ist man
umringt; selbst die Kleinen versuchen, uns zu
beißen bis wir unser Brot abgeben. Die Haie
scheinen harmloser als ihr Ruf. Sie schwimmen
ohne gesteigertes Interesse an uns vorbei und wir
haben uns richtig an ihren Anblick gewöhnt -
einfach elegante Tiere. Das Wasser ist so warm,
daß Gaby selbst bei Tauchgängen auf 30 Meter
ohne Anzug taucht. Beim Landgang läuft uns
Marylin (getroffen im Panamakanal) über den Weg:
"Hi there, I have 3 letters for you on
board!". Sie waren 14 Tage nach uns in
Balboa und haben die restliche Post der
Leonhardt's eingesammelt.
In Rangiroa rächt
sich Montezuma gewaltig an Gaby. Darmkrämpfe und
heftigster Durchfall. Immodium ist total
wirkungslos. Als es nach 5 Tagen noch nicht
besser ist, besuchen wir das Centre Medical de
Avatoru. Im nahen Hotel will uns die Dame an der
Rezeption Fahrräder (zum Krankentransport über
7 Kilometer) vermieten. Auto gäbe es nur eines,
und das sei benutzt und außerdem kostet das 10
$. Nein, den Krankenwagen ruft sie nicht, aber
sie schiebt mir das Telefon hin. Frust, wo bleibt
die polynesische Hilfsbereitschaft? Schon winkt
ein Hotelangestellter heimlich mit dem
Zeigefinger und Sekunden später fährt er uns,
selbstverständlich kostenlos, zum Hospital und
verspricht, uns dort in einer Viertelstunde
wieder abzuholen. Klar, mit dem hoteleigenen
Auto! Gaby geht es auch 2 Tage später noch nicht
besser. Sie hat seit einer Woche nicht geraucht
und nichts gegessen, ist gertenschlank und wir
nehmen Kurs auf Tahiti, um in die Nähe von
gewohnten medizinischen Gepflogenheiten zu
kommen. Doch das ist nicht mehr nötig, kaum auf
See, fängt Gaby an zu mampfen und es geht ihr
von Stunde zu Stunde besser.
Mit wenig Wind
kommen wir in der Dunkelheit an, die Leuchtfeuer
von Papeete leiten uns sicher durch das
Riff in den Hafen. Papeete ist praktisch die
einzige Stadt in der Südsee und so ist
Versorgung mit Allem und Basteln angesagt.
Südseeromantik zwischen Getriebeöl und
Stevenrohrfett, Silikon und Stagreitern;
Gasflaschen auffüllen, Gaby näht 2 Tage lang an
unseren Segeln: 11.000 Seemeilen machen sich
bemerkbar! Fast alle unsere Bekannten sind auch
hier, denn dies ist der offizielle Hafen zum
Einklarieren in französisch Polynesien. Auf dem
Markt finden wir alles, was wir teilweise seit
Monaten entbehren: Petersilie, Ananas ... Ein
buntes Bild, denn auch die bildhübschen
Blumenkränze werden dort geflochten und
verkauft. Nach 4 Tagen sind wir endlich bereit,
reguläre touristische Aktivitäten in Angriff zu
nehmen: Besuch im Perlenmuseum. Dort erfahren
wir, daß die Perser bereits Perlen höher
handelten als Gold, Kleopatra ihre Liebhaber mit
ebensolchen lockte und die 3. Gattin Napoleons
endlich die schwarzen Perlen auch in Europa und
in Mode brachte. Diese Infos stimmen mich dann so
richtig auf die Preisschilder der ausgestellten
Schmuckstücke ein. Für die Kleinigkeit von
300.000 DM schon kann man/frau eine wirklich
schöne Kette kaufen. Ja und zum Thema
Schmuckstück: Jochen hat jetzt auch einen Pareo.
Schon bei den Anproben der diversen Knottechniken
haben wir einen Heidenspaß. Nur daß die
wirklich sexy-Varianten so einengend sind, ist
für Jochen eine völlig unerwartete Erfahrung
und der Spruch "Wer schön sein will, muß
leiden" gewinnt eine neue Bedeutung.
Abends kommen im
Hafen eine ganze Reihe Lieferwagen an und eine
wundersame Wandlung vollzieht sich: Jeder
entpuppt sich zu einer Imbißbude und gegen 18.00
Uhr ist das ganze Hafengelände ein riesiges,
leckeres und dabei preiswertes
Freiluft-Restaurant: Chinesen bieten Chou Men,
Franzosen Steak mit Pommes Frites, Afrikaner
Couscous und Mergues, da findet man Crepes und
Eis, kurz "Leckerland" ist angesagt!
Am nächsten Tag
geht's mit dem Überlandbus auf Tour. Immer
wieder ein tolles Erlebnis, denn man kommt mit
den Einheimischen in engen Kontakt. Unsere
Wanderung zu den Faarumai-Wasserfällen läßt
uns erahnen, wie es im Landesinneren von Tahiti
aussieht. Der Weg scheint aufzuhören und wir
bewegen uns im Regenwald teilweise im Bachbett,
während auf halb vermoderten Bäumen filigrane
Orchideen wie Unkraut wuchern.
Die nur 15 Meilen
nach Moorea bescheren uns einen kurzen
Regenschauer; es ist wirklich kühl jetzt. In der
Cook-Bay fällt zwischen spektakulären
Bergen in einer ruhigen, geschützten Bucht der
Anker und uns wird bewußt, wie laut und stinkig
es in Papeete war. Wir wandern ca. 12 Kilometer
zwischen Ananas- und Vanilleplantagen zu einem
Marae: Alte polynesische Kultstätten, die alles
vom Bogenschießen bis zu Menschenopfern boten.
Die Aussicht auf den Nordteil von Moorea ist
atemberaubend: Zwei der schönsten Buchten der
Welt auf einen Blick. Am Abend fahren wir mit dem
Dingi zusammen mit Vela Dare ans Riff zum
Lobsterfang. Ein beeindruckender Nachttauchgang
mit unseren Tauchlampen. Wir fühlen uns wie im
Urlaub. Moorea ist so vielseitig und so gibt's am
nächsten Tag was für den Po: Mit dem Rad fahren
wir um die ganze Insel, ca. 60 Kilometer. Beim
Schnorcheln am Riff finden wir riesige Schnecken
und schöne Kauri Muscheln (eigentlich sind es ja
Schnecken).
Waren die
Marquesas steile und schroffe Felsinseln, die
Tuamotus flache Korallenatolle, so vereint Moorea
beides. Kurz, für uns ist Moorea die schönste
Insel, die wir bislang gesehen haben - kann es
noch schöner werden?
Abend: Die Luft
vibriert förmlich vom Klang zahlreicher Trommeln
und Klanghölzer, dazu die blechernen Klänge
einer Ukulele und die schroffen Bergspitzen, die
sich deutlich vor dem südlichen Sternhimmel
abzeichnen. Und die vielen Hähne der Insel haben
noch niemals davon gehört, daß sie nur morgens
krähen sollen ... Neben Flundern und anderen
aufregenden Fischen sieht Gaby beim Schnorcheln
direkt bei Ägir auch einen Manta. Zum
Sundowner sind wir bei einem
finnisch-schwedischen Boot, die Abende sind
einfach zu schön, um ins Bett zu gehen.
Achtzig Seemeilen
bis Huahine, eine typische
"Nachtstrecke": Abends los, morgens da.
Vollmond, leichter Wind, Delphine spielen ums
Boot bis direkt vor die Einfahrt in die Lagune,
kurz vor Huahine sehen wir morgens hinter uns
noch Moorea - 60 Seemeilen Sicht! Neben uns
segelt der Club-Med Luxusliner WindSong,
der mit 100 000 Watt seine Takelage beleuchtet
und in Huahine empfängt uns eine Mondfinsternis.
Südseeträume: Gaby sitzt im Cockpit und siebt
mal wieder 5 kg Mehl; lauter kleine Würmer
wollen sortiert sein!
Wir ankern vor dem
kleinen, aber lebhaften Dorf Fare. Bei den
üblichen Einkäufen (Brot, Eier, Petroleum...)
entdecken wir eine kleine Boutique, die Toere -
polynesische Klanghölzer - ausgestellt hat. Die
guten Toere sind selten, die Bäume, aus deren
Holz sie geschnitzt sind, werden nicht mehr
gefällt. Seit unseren Erlebnissen in Manihi bin
ich hinter einem Toere her. Auf dem Markt von
Papeete gibt es solche, für Touristen: Klein,
teuer und primitiv! In dem Laden ist niemand und
wir finden im Hinterhof ein älteres Paar, das
aus Blättern Decken für den "four
tahitien" (Erdofen) stecken. Wir kommen ins
Gespräch und die polynesische Gastfreundschaft
überschlägt sich förmlich. Während die Frau
Gaby zeigt, wie man aus einem Palmblatt
Handtasche und Korb flicht, erklärt mir der Mann
alle Früchte und Knollen seines kilometerlangen
Gartens. Kurz, nach 2 Stunden habe ich immer noch
kein Toere, aber wir verlassen diesen Ort schwer
beladen mit Kokosnuß, Banane, einem dicken
Büschel Vanille, Peperoni und allerlei
kartoffelähnlichen Wurzeln. Eine Kuriosität ist
eine Nuß, die so ölhaltig ist, daß man einen
Docht (Faser eines Palmblatts) durchziehen kann
und es brennt wie eine Kerze. Alles säuberlich
in den frisch geflochtenen Körben drapiert. Geld
zu geben wäre eine böse Beleidigung und wir
beschließen, ihnen dafür einen Kuchen zu
backen. Unser Kuchen wird in Alufolie verpackt
und mit einigen von Gaby's Häkelarbeiten
dekoriert. Die Freude bei den beiden ist so
groß, daß wir im Wohnzimmer anhand von
Fotografien die ganze Ahnengeschichte erfahren.
Großvater im 1. Weltkrieg, deutscher
Abstammung ... und Harie behängt uns mit
Muschelketten und bedeckt uns mit
Küßchen-Küßchen, dazu noch Zuckerrohr,
Kokosnuß und wir können es gar nicht fassen,
wieder wandern wir vollbepackt zu unserem Dingi.
Es ist unbeschreiblich, welche Empfindungen durch
so viel Gastfreundschaft geweckt werden. Auf
jeden Fall ein gutes Beispiel, um unsere eigenen
Verhaltensweisen ab und zu in Frage zu stellen.
Können wir wirklich geben und schenken ohne
gleichzeitig entsprechende Erwartungen
aufzubauen? Achten wir nicht immer darauf, Geben
und Nehmen in einem finanziell ausgewogenen
Verhältnis zu halten?
Bei der Überfahrt
nach Raiatea liefert Gaby ihr
Gesellenstück. Sie navigiert alleine. Nun, es
geht nicht darum, von Überlingen nach Meersburg
zu finden, sondern darum, in einem von Dünung
und Strömung umgebenen Riff eine etwa 100 Meter
breite Öffnung zu treffen, durch die wir Ägir
in die ruhige Lagune steuern können. Um 14.00
Uhr fällt der Anker in der Bucht Faarao.
Mit dem Beiboot fahren wir den Fluß (Bach), der
hier mündet, ins Landesinnere. Ein wenig
Amazonas-Expeditions-Gefühl kommt auf. Bald wird
der Bach eng, die Ufer urwaldmäßig bewachsen,
gelbe Blüten fallen von den Bäumen und treiben
auf dem Wasser, unzählige Stimmen unsichtbarer
Vögel, ab und an ein kleines Haus mit Piroge
davor.
Die Insel Tahaa
liegt nur wenige Meilen weiter. Die einzige Insel
übrigens, die man mit einem tiefgehenden Schiff
innerhalb des Riffs vollständig umrunden kann.
Es gibt hier keinerlei Tourismus (...weil keine
Sandstrände) und so sind wir für einige Tage
wieder ganz alleine. So unberührt Tahaa ist, so
herzlich treffen wir wieder auf polynesische
Gastfreundschaft: Gaby will nur mal eben Brot
besorgen. Ein BMW (!!) hält, nimmt sie mit und
als Gaby wieder auf Ägir landet, bringt
sie neben Baguette auch eine ganze Reihe von
Einladungen mit.
Tahitianisches
Abendessen bei Charlotte und Jean-Pierrre,
Adventisten Pastor, 4 Jahre in Fiji, jetzt
Perlenzüchter. Rohe Fische (hört sich schlimm
an, aber was sind unsere eingelegten Heringe?),
gesottene Fische und gebratene, dazu Kokosmilch,
Lingam und Taro - beides kartoffelähnliche
Gewächse. Alles ißt man mit den Fingern,
Besteckt gibt es nicht, auch keine Serviette, man
trinkt auch nichts dazu. Als
"Dankeschön" laden wir zum Kaffee am
nächsten Tag mit Marmorkuchen an Bord.
Jean-Pierre ist stolz, träumt er doch auch von
so einer Reise und Charlotte ist zum ersten Mal
auf einem Segelboot. Schon eine Stunde später
sitzen wir im BMW zur Inselrundfahrt; dazu werden
die Polster vom Sofa geholt, denn der BMW ist nur
Karosse! Wir bekommen die Unberührtheit von
Tahaa vorgeführt und bestätigt. Kokospalmen,
Ananas, Vanille, Grapefruit, Papaya ... alles
wächst in Unmengen, so daß z.B. Papaya zur
Fütterung der Schweine einfach im Wald
gepflückt werden. Natürlich entläßt man uns
nicht von der Rundfahrt, ohne tahitianisches
Abendessen: Roher, gekochter, gegrillter Fisch,
Kokosmilch, kartoffelähnliche Gewächse.
Interessant mag sein, daß wir pünktlich zu
unserer 19.00 Uhr Verabredung ein leeres Haus
vorfinden, dessen Türen sperrangelweit offen
stehen, die Kinder heißen uns willkommen, wir
sitzen, ohne unsere Gastgeber, gemütlich beim
Schein einer Petroleumlampe im Wohnzimmer. Strom
gibt es nämlich hier keinen und der hauseigene
Generator hat gerade Wasser gezogen....
Jean-Pierre ist
dabei, eine Perlfarm aufzubauen und so
"müssen" wir morgen mit ihm tauchen
und seine Austern bewundern. Während wir am
nächsten Morgen dann brav auf ihn warten, kommen
wir mit anderen Leuten auf der Straße ins
Gespräch, erhalten eine Einladung auf ihr Motu
und wir fragen uns so langsam ernsthaft, wie wir
diesem Spinnennetz aus Gastfreundschaft je wieder
entkommen. Beim Tauchen zwischen den
Perlmuscheln, die erst in 2 Jahren für die
Implantation geerntet werden können, finden wir
die seltenen und ebenso kostbaren schwarzen
Korallen. Klar endet dieser Tauchgang mit
tahitianischem Essen: Roher, gekochter,
gegrillter Fisch, Kokosmilch, kartoffelähnliche
Gewächse. Die Küche ist sehr gleichförmig,
doch dies sind die Dinge, die den Menschen hier
in den Mund wachsen und nichts kosten. Wir fahren
noch kurz wenige Meter in den Busch, dort wohnt
Jean-Pierres Tante (alle sind hier verwandt) und
man fällt für uns noch schnell zum Abschied
zwei Bananenbäume. Gaby hat Ägir in eine
"Bananenvernichtungsanstalt" umbenannt.
Wir müssen
weiter, denn auf Rarotonga warten Freunde von zu
Hause und zum Abschied steht die ganze Familie
versammelt auf dem Steg. Wir waren seit langem
die erste Yacht hier. Bleibt noch nachzutragen,
daß die Gemeinde kein Geld hat. Niemand verdient
wirklich welches, also gibt's auch keine Steuern.
Eine der Auswirkungen ist, daß es auf Tahaa
keinen Friedhof gibt und deshalb findet man fast
bei jedem Haus im Vorgarten ein oder zwei
liebevoll gepflegte Gräber.
Abendstimmung auf Bora Bora
Bora-Bora -
unsere letzte Etappe in französisch Polynesien
kann nicht mit Moorea standhalten, doch es gibt
Sandstrand, also Tourismus! Wir liegen zwei Tage
an einer Boje im Yachtclub, arbeiten an Ägir,
der Spätzlesschaber eignet sich
hervorragend, um die Muscheln am Schiffsrumpf
abzukratzen. Wasser und Diesel tanken. Dann
verlegen wir uns an die Südspitze der Insel und
plötzlich offenbart Bora-Bora seinen ganzen
Charme: Weißer Sandstrand, kristallklares
Wasser, im flachen Riff sichtet Gaby direkt vor Ägir
wieder einen Manta. Unsere Riff-Navigation wird
immer kühner und wir sind ganz stolz auf unseren
tollen Ankerplatz. Bilderbuch Sonnenuntergang,
vor dem sich schwarz die Silhouette der Palmen
abzeichnet. Gegen 20.00 Uhr machen wir uns auf
den Weg ins Bora-Bora Hotel, das Nobelste, was
wir je gesehen haben (DM 750 pro Nacht, dazu ein
Drink, ein Essen und schon ist man problemlos
einen "Dunkelbraunen" los!). Doch den
Gästen wird etwas geboten. Volksmusik mit Tanz
ist angesagt und wir erleben einen
stimmungsvollen und beeindruckenden Abend. Aus
dem Dunkel der sternklaren Nacht segelt lautlos
eine weiße Piroge und die Tänzer und
Tänzerinnen schweben im Schein von Fackeln auf
den Strand, wo - die Musik ist bereits im Gang -
sofort der Tanz beginnt. Die großen bunten
Blumenkränze, bei den Damen auch um die Hüften
gebunden, unterstreichen die aufreizenden
Bewegungen. Leider versagt unser Video mal wieder
den Dienst und so bleibt dieses Ereignis nur uns
vorbehalten. Etwas unnatürlich wirken die BH's
aus Kokosnußhälften - sieht zudem ziemlich
unbequem aus - aber nackte Mädels würde der
amerikanische Tourist (mit Frau) bestimmt nicht
ertragen. Eine Überraschung gibt's noch: Die
etwas Älteren erinnern sich sicherlich noch an
den Spaßmacher der Nation: Tony Marshal und sein
Lied "Schöne Maid" - mit polynesischem
Text dargeboten ist das uralte Folklore. Wir
rudern unser Dingi zurück, es wäre zu schade,
eine solche Nacht durch 2-Takt-Geräusche zu
stören. Eine ganze Weile sitzen wir noch im
Cockpit, lauschen der Brandung draußen am Riff,
während sich im spiegelglatten Wasser der Lagune
die Sterne spiegeln.
Am nächsten Tag
mit dem Fahrrad um die Insel. Im Hotel Bora-Bora
leihen wir uns einen wahren Drahtesel und
hinterlegen dafür 200 US Dollar Kaution! Das
Ding war keine 20 $ wert. Die Tour bestätigt,
daß wir am schönsten Eck von Bora-Bora ankern.
Endspiel der Fußball-EM. Die Dänen sind an
Bord. Neue Bestände: Champagner: leer; Bier:
noch 3 Dosen; Wein: leer; Mineralwasser:
unberührt - ihr seht, wie teuer das für uns an
Bord wird, wenn die zu Hause in Deutschland nicht
richtig kicken können!
Heute ist der 27.
Juni 1992, unser erster Hochzeitstag. Als Gaby
vom Einkaufen zurückkommt, streikt der
Außenborder, also mal wieder Tank reinigen,
Kraftstoffilter reinigen, Vergaser, Zündkerzen
und so beginnen wir diesen Tag ganz schön
fleißig. Erfolgserlebnis: Der Außenborder
springt aufs erste Mal an. So ein kleiner Motor
hat halt doch sehr wenige Geheimnisse. Das
Festessen gönnen wir uns im Matira. Eine offene
Bambushütte, direkt am Strand, Blick über die
Lagune und unsere Ankerbucht. Der Passat weht und
wir stellen uns der Herausforderung, in Abendrobe
mit dem Dingi bei Welle trocken an Land zu
kommen. Geschafft, wir können trocken unser
chinesisches Mahl genießen.
Cook
Islands 
Nach 4 Tagen im
heiteren Passat erreichen wir Rarotonga,
die Hauptinsel der Cook Islands. Es ist
5:30 Uhr früh, noch stockdunkel, wir sehen
ein Flugzeug im Anflug auf die Insel. Plötzlich
wird die Flughafenbeleuchtung eingeschaltet und
wir können unser Ziel deutlich aus 20 Seemeilen
Entfernung erkennen. Eine viertel Stunde später
sind die Lichter aus und wir segeln wieder im
Dunkeln, bis sich im Morgengrauen die saftig
grünen Berge vom strahlend blauen Himmel
abheben. Der Hafen ist wenig romantisch, wir
liegen zwischen Frachtern und Fischern. Das
Einklarieren ist aufwendig, denn um die Einreise
von Schädlingen zu verhindern, wird jedes
ankommende Schiff ausgeräuchert, frisches Obst
und Gemüse vernichtet. Doch diese Prozedur geht
dann wie folgt von statten: Nach dem üblichen
Ausfüllen der Papiere bittet uns der
"Gesundheitsminister", schnell mal
alles Obst wegzuräumen, damit er nichts findet,
dann erhebt er eine kleine Spraydose und
versprüht - wie einst Winnetou und Old
Shatterhand - einen kleinen Puff in jede der 4
Windrichtungen. Das war's. Kia Orana to
Rarotonga!
Unsere erste
Freude. Die Preise sind wieder vernünftig und
Gaby zimmert unser Touristenprogramm zusammen.
Rarotonga erweist sich als sehr vielseitig und
wir beginnen mit einem Besuch im Banana Court,
kurz B.C. Zum ersten Mal seit langer Zeit gehen
wir abends aus. B.C. ist eine lustige Mischung
aus Café, Bar, Tanzlokal, Live Musik und
Jazzkneipe und erinnert uns ein wenig an das
Krokodil in Karlsruhe - nur mit Wellblechdach.
Während vorne der Blues dröhnt, übt eine Band
2 Räume weiter. Bekannte alte Songs und Gaby und
ich fühlen uns plötzlich 20 Jahre jünger wie
einst in der Disco. Jung verliebt wird es Morgen,
ehe wir Ägir wiedersehen.
Unser
Einkaufsbummel ist von Erfolg gekrönt. Ich bin
jetzt stolzer Besitzer einer Toere, einem
polynesischen Klangholz, mit dem man zu
Versammlungen ruft und natürlich auch den
Rhythmus zum Tamouree schlägt. Hier in Rarotonga
begegnet uns übrigens auch der Hula als Tanz.
Wir kaufen einen ganzen Sack Orangen, süß und
saftig wie nie gekannt, so etwa 25 kg für 10 DM!
Die Saftpresse hat wieder Konjunktur.
Wir besichtigen
die örtliche Brauerei: 8 Mitarbeiter, 24000
Liter pro Monat - im Vergleich zu Schwabenbräu
die Produktion einer Stunde? Drei Besonderheiten:
Zum einen gehört die Brauerei allen Angestellten
, nach Aussage des Chefs (rollierendes System,
jeder macht jeden Job für ein paar Wochen - vom
Chef zum Fahrer) ist dies nur möglich, weil es
keine Gewerkschaft gibt. Das zweite ist die
Beschaffung der Flaschen. Da alle Lieferanten von
Neuseeland bis zur Tschechoslowakei zu teuer
waren, benutzt man das Leergut des Mitbewerbers.
Diese große neuseeländische Brauerei
(Steinlager) strengt sofort einen Prozeß an, das
Leergut sei ihr Eigentum. Richterspruch: OK, aber
dafür muß die neuseeländische Brauerei für
die Entsorgung der leeren Flaschen sorgen. Eine
aufwendige Angelegenheit, wenn die Inseln des
Archipels bis 1000 Seemeilen weit auseinander
liegen. Also zieht man zu beider Freude die Klage
zurück. Steinlager hat kein Leergutproblem und
Cooks Lager einen kostenlosen Lieferanten.
Pfiffig, was!? Natürlich hat man sich in Bayern
der Braukunst kundig gemacht und so erfahren wir
zum Dritten, wie man in Deutschland Bier trinkt:
"Immer ein Glas Bier und dazu ein Glas
Wasser. Das reguliert den Zuckerhaushalt des
Körpers und verhindert den Kater!!!"
So langsam
verstehen wir auch, weshalb die Missionare in der
Südsee so aktiv waren; es ist nicht nur super
toll hier, sondern auch die Menschen sind sehr
aufgeschlossen. Die Insel Palmerston war
gänzlich unbewohnt, bis der Missionar W.
Morsters beschloß, daß sie zu besiedeln sei. Er
nahm sich drei Frauen, gründete drei Familien
und Morsters ist noch heute auf den Cooks so
verbreitet als Name wie bei uns Schmid oder
Schulze.
Moni, Stefanie und
Mäxle wollen am 11. Juli ankommen, ein kurzer
Zwischenstop auf ihrer Weltreise. Für uns die
ersten Bekannten seit fast einem Jahr. Klar sind
wir gewaltig aufgeregt, doch im Rarotonga
International Airport kann man sich nicht
verlaufen: Ein Flieger pro Tag. Nein, ich glaube
es sind drei. Riesen Hallo, Gaby und ich haben
die stille Vereinbarung, wer von uns die erste
Frage stellt, hat verloren: Beide! So neugierig
sind wir auf die Nachrichten aus Deutschland. VfB
Meister? Kaum zu glauben! Stefanie unternimmt mit
Gaby ihren ersten Schnorchelausflug ins Riff.
Blaue Seesterne, bunte Fische ... Begeisterung!
Die wenigen Tage mit den Dreien vergehen wie im
Flug. In den Gesprächen merken wir deutlich, wie
weit weg wir von allem "trouble" dieser
Welt sind. Unser letzter gemeinsamer Abend steht
im Zeichen von Kultur: Mit kalt-warmen Büfett
(Details erspare ich euch, nur vielleicht soviel:
Stefanie war alleine 3 Mal beim Nachtisch) und
der örtlichen Tanzgruppe. Zu vibrierenden
Schlägen der Klanghölzer erleben wir gemeinsam
rhythmische und grazile Bewegungen im Bastrock.
Das Beeindruckendste dabei sind 3 kleine
Mädchen, die den Hüftschwung schon so gut
raushaben, als wüßten sie schon genau, worum es
geht. Und dann heißt es Abschied nehmen; Gaby
ist am nächsten Morgen noch ganz geknickt. Es
sind halt doch ganz andere Gespräche mit guten
Freunden.
Auf Rarotonga gibt
es einen Treck quer über die Insel:
Wanderstiefel an und los. Sechseinhalb Kilometer
oder 4 Stunden sind angesagt. Kann das sein? Um
es vorwegzunehmen, wir waren nicht langsam und
doch fast 5 Stunden unterwegs. Steil bergan bis
an den Fuß einer schroffen Felsspitze, Te Rua
Manga, dem höchsten Berg der Insel. Abwärts auf
der Südseite der Insel wird es dann
tarzanmäßig. Als eine der Lianen bricht und ich
2 Meter tiefer im Bachbett liege, höre ich
Gaby's Kommentare: "Was schreist Du denn
so?" Nichts passiert. Wir haben den Treck
verfehlt und unser Weg führt mitten durch den
Urwald, immer dem Bachbett entlang. Wir entdecken
romantische Plätzchen, mit kleinen
Wasserfällen, umwuchert von endlosem Grün in
allen erdenklichen Schattierungen. Dazwischen
erreicht ab und zu ein Sonnenstrahl die Erde. Es
ist sagenhaft! Etwas später erfahren wir, daß
wir den Weg gar nicht verfehlt hatten - der ist
so!
Rarotonga hat ein
süßes Detail: Tangaroa, der bekannteste ihrer
vielen Götter und heute Symbol auf allen
offiziellen Dokumenten, wird mit einem deutlich
sichtbaren Schnidelwutz dargestellt. Und so kommt
es zu herrlichen Kontrasten z.B. auf der 1 $
Münze: Vorne Phallus, hinten Queen Elizabeth II.
Im Banana Court
ist Sängerwettbewerb der Cook Islands angesagt.
Nichts von Folklore, aber eine Bombenstimmung.
Der B.C. ist voll, wenn man länger als 30
Minuten bis zur Bar benötigt: Es war voll. Unser
Favorit ist die Bedienung des Fotoladens, eine
Person, über deren Geschlecht Gaby und ich seit
Tagen unterschiedlicher Meinung sind. Jetzt ist
es klar. In diesem Gewand mit all dem
Blumenschmuck: Eine Frau. Als man "him"
dann die Trophäe überreicht, müssen wir unsere
Meinung nochmals revidieren. Es ist faszinierend,
wie ungeniert man hier miteinander umgeht. Jung
mit alt, Mann mit Mann, die Frauen fordern zum
Tanz auf genauso wie die Männer - nur nicht
schüchtern sein. Die Einwohner sind durchaus
schön und als eine dieser polynesischen
Schönheiten die Bierflasche mit den Zähnen
öffnet, werden wir daran erinnert, daß es halt
ein Naturvolk ist. Mit dem Siegerlied-Ohrwurm auf
den Lippen: "All I need is the air that I
breathe and to love you" bummeln wir
ziemlich früh wieder an Bord.
Wir genießen es
richtig, ausgehen zu können und am nächsten
Abend finden wir in Tere's Bar Tanz zu Lifemusik.
Bar heißt: Einige Hocker unter Kokospalmen, dazu
fast voller Mond und jede Menge freundlichster
Menschen, die wissen, wie man das Leben genießt.
Als der Tag zum
Weitersegeln kommt, ertappen wir uns beide dabei,
wie wir Ausreden suchen, um noch einen Tag
länger bleiben zu können. "Ich glaube, es
regnet bald". "Der Wind wird auf West
drehen" und eben kommt Gaby vorbei:
"Jetzt ist gar kein Wind mehr da!".
Rarotonga ist einfach zu schön.
Montag früh ist
es dann soweit, wir haben alle unsere Papiere und
los geht's. Endlich wieder auf See - Zeit, die
letzten 14 Tage zu verarbeiten: Was haben Moni,
Mäxle und Stephanie erzählt? 12 % Braune im
Ländle, Unruhen, Solidaritätsabgabe. Ist das
unsere gute alte BRD? Immer wieder bleiben Leute
im Hafen vor Ägir stehen. Deutsche
Touristen mit der schüchternen Frage: "Seid
Ihr richtige Deutsche?" Wir bestätigen,
daß Ja, und daß wir den ganzen Weg gesegelt
sind und die Gespräche zeigen, daß diese
Touristen nicht nur aus Ravensburg oder Köln
kommen, sondern auch aus Thüringen und Sachsen.
Wie paßt das mit all dem Lamentieren zusammen?
Niue

Auf dem Weg nach Niue
passieren wir den 162. Längengrad - von Italien
aus sind wir schon 180 Grad weiter westlich -
noch kein Jahr unterwegs und schon um die halbe
Welt. Zur Feier des Tages gibt es einen kleinen
Cinzano. In flauen Winden driften wir mehr als
segelnd Niue entgegen. Flauten belasten Material
und Nerven weit mehr als Starkwind. Durch das
Schlagen der Segel brechen Bullenstander und
Genuaschot. Der letzte Tag dieser Reise bringt
dann den ersehnten Wind: 6 Beaufort, in Böen bis
8 mit einer entsprechend rauhen See. Gegen 01.00
Uhr früh erreichen wir unser Ziel. Stockdunkle
Nacht, kein Leuchtfeuer, korallenreicher
Ankergrund in einer offenen Bucht. Mit Radar
tasten wir uns an die Küste heran - die
Satellitennavigation versagt, weil zu präzise;
die Karten von Niue sind noch von James Cook und
entsprechend ungenau. Wir lassen den Anker in der
Dunkelheit fallen und nach einem Tag grober See
fallen wir in die Kojen. Die hohen Wellen haben
ihre Spuren hinterlassen und den nächsten Morgen
beschreibt Gaby die Szenerie in ihrem Tagebuch:
"07.00 Uhr früh - ich wache im totalen
Chaos auf. Das Vorschiff wimmelt von Fendern,
Beibootteilen und Cooks-Lager. Wir haben das
Nachtlager mit Ölzeug und sonstigem Kruscht
geteilt, in der Achterkajüte hat sich das meiste
Staugut verselbständigt. Natürlich steht noch
jede Menge Geschirr herum, beim Brötchenbacken
verbrenne ich mir die Finger. Aus dem ersehnten
gemütlichen Frühstück wird nichts. Dann slipt
unser Anker und die Arbeit beginnt. Zwischendurch
Besuch von Tarpan und Macilibrumm.
Ganz begeistert erzählen sie von ihren
Inselausflügen, beschreiben Schluchten, Höhlen
und tropische Regenwälder. Drei Stunden Arbeit
und Ägir ist nicht
wiederzuerkennen..."
Klar Schiff, Gaby
taucht noch nach dem Anker. Er liegt beschissene
36 Meter tief und lose, ohne sich eingraben zu
können auf einem überhängenden Korallenblock.
Wir verlängern die Ankerkette und geben noch
ordentlich Leine nach. So sollte das gut gehen.
So klares Wasser wie hier haben wir noch nie
gesehen - selbst auf fast 40 Meter Tiefe sehen
wir bei Sonnenschein den Grund. Klar, hier
müssen wir tauchen!
Niue erweist sich
als Kleinod in der Südsee. Die ganz andere
Insel. Nur wenige Yachten ankern hier, weil es
keinen vernünftigen Ankerplatz gibt (die Karte
zeigt mehrere Stellen mit dem vielsagenden
Vermerk: "Captain Cook tried to land
here.") und so gibt es genau 5 Touristen auf
Niue - die örtliche Fluggesellschaft ist pleite.
Es ist Sonntag, die Missionare waren mal wieder
fleißig und man geht nur in die Kirche. Sonntags
geht man weder fischen noch schwimmen, ja
sonntags gibt es auch kein Fernsehprogramm! Man
kleidet sich entweder "fiafia" - ganz
leger - oder "formal", was soviel
bedeutet wie: Man hat Schuhe an.
Wir nehmen unseren
"welcome drink" im Niue Hotel. Ohne
daß wir nachfragen, bietet uns die Managerin
warme Duschen und die Benutzung der Waschmaschine
an. Yachten und Touristen sind wirklich von
ganzem Herzen willkommen und eine echte
Abwechslung für die Insulaner. Jedes
vorbeifahrende Auto winkt uns. Im Hotel sehen wir
ein Video des Hurrikans von 1990: Das Hotel steht
auf der Insel etwa 30 Meter hoch auf einem Fels.
Die Wellen des Wirbelsturms werfen riesige
Felsbrocken so hoch, daß das ganze Gebäudeteile
zertrümmert werden und im Hotel Swimming Pool
findet man am Tag danach Seefische. Diese
Naturgewalten sind einfach unvorstellbar und der
Frühjahrssturm vor 2 Jahren in Deutschland
scheint wie ein laues Lüftchen dagegen. Unser
erster Abend endet an Bord des österreichischen
Katamarans Macilibrumm mit Spaghetti und
Pavarotti ...
Unser Tauchgang
wird ein faszinierendes Erlebnis:
Unterwasserschluchten und -höhlen im klarsten
Wasser, das wir je gesehen haben, bewohnt von
unzähligen, zebragestreiften Seeschlangen
(giftig, neugierig aber nicht aggressiv oder
gefährlich), riesigen Napoleonfischen und
natürlich sehen wir auch einen White-tip-Hai,
der satt an uns vorbeizieht neben all den
kleinen, bunten Korallenfischen.
Von merkwürdigen
Geräuschen werde ich 05.00 Uhr früh geweckt.
Haben wir eine Kuh an Bord? Unerklärlich, da die
Ankerleine hält, gehe ich wieder in die Koje,
weiterhin diese komischen Geräusche... Erst am
nächsten Abend klärt sich das Rätsel, als wir
noch gemütlich bei einem Glas Wein im Cockpit
sitzen: Wale! Unser Ankerplatz ist so tief, daß
die riesigen Wale ganz nahe herankommen; es
zischt und prustet wie eine alte Dampflok.
Einheimische erzählen uns später, daß die Wale
hierher kommen, um ihren massigen Körper an den
riesigen Korallenblöcken zu schaben und sich so
von Parasiten befreien. Täglich sehen wir Wale
an unserem Ankerplatz, einmal so nahe, daß er
fast unser Beiboot berührt.
Unser erster
richtiger Landausflug führt uns nach Vaikoua.
Russel, ein einheimischer Führer, begleitet uns.
Der Weg führt zunächst durch dichten Regenwald.
Der Boden besteht aus schroffer, scharfkantiger
Koralle und jeder Schritt geht entweder einen
Meter hoch oder zwei Meter runter. Russel gleitet
in eine Felsspalte, auf allen Vieren geht's 20
Meter steil schräg abwärts, die weiteren 10
Meter seilen wir uns senkrecht ab und finden uns
in einer tiefen Schlucht mit einem winzigen
Süßwassersee. Flossen und Schnorchel an und
unser Führer zeigt uns ein kleines Loch unter
Wasser, wir tauchen hinein und auf der anderen
Seite in einer Tropfsteinhöhle wieder auf.
Pechschwarz, nur der Schein des
Unterwassereingangs verbreitet einen grün bis
blau schimmernden Schein. Mit der
Unterwasserlampe durchqueren wir die Höhle,
gehen ein paar Schritte im Trockenen, legen die
Flossen wieder an und erreichen schließlich 4
weitere Höhlenräume, teils über, teils unter
Wasser. Wir haben so etwas noch nie erlebt,
einfach spektakulär! Wir müssen umkehren, denn
hier geht es nur mit Tauchflasche weiter - und
das Zeug zu schleppen ist uns zu beschwerlich -
doch man könnte von dem kleinen Süßwassersee
mitten im Dschungel bis ins offene Meer hinaus
tauchen. Der Preis: Aufgeschlagenes Schienbein,
Schürfungen, hundert Moskitostiche .... aber das
war es absolut wert!
Einzigartige Schluchten aus Koralle
Wir sind jetzt
seit einer Woche in Niue und seit 7 Tagen regnet
es fast ununterbrochen. Also fahren wir mit einem
Mietwagen um die Insel. In Togo finden wir in
einer tiefen Schlucht ein paar Quadratmeter Sand
mit einigen Palmen - eine richtige Oase in dieser
Steinwüste. Wenig weiter wuchtige
Tropfsteinhöhlen, in denen man bis ans Meer
gehen kann. Die Spuren des letzten Hurrikans
begegnen uns immer wieder: Hier das Gerippe einer
Kirche, dort Stahlbeton, dessen Stahlträger
gerissen sind. In Limu finden wir eine kleine
Bucht; die Felsen sind unterspült, so daß sich
Felsbogen und Brücken gebildet haben; das Wasser
dahinter ist so ruhig und ohne Seegang, daß man
hier gefahrlos baden kann. Ein romantisches
Plätzchen und trotz des grauen Himmels
türkisfarbenes Wasser, in dem man selbst von
Land aus die bunten Korallenfische sieht.
Das Wetter drückt
langsam aber sicher unsere Stimmung. An Bord ist
nichts mehr trocken. Die Türen der
Kleiderschränke sind schimmelig. Im Niue Hotel
können wir zum ersten Mal unsere eigenen Videos
sehen - natürlich paßt der Stecker nicht. Der
Barkeeper schickt mich zum Direktor des Niue
Fernsehens: "Nein, solche Stecker hat er
auch nicht", doch der Direktor von BCN
(Broadcasting Niue) schnappt Lötkolben und Zange
und mit etwas Improvisation genießen wir wenig
später die Sonne von Galapagos noch einmal...
Es regnet noch
immer - wir ziehen weiter. Das Heben des Ankers,
sonst eine Sache von 2 Minuten, dauert 3 Stunden.
Unsere Ankerwinsch hat dem gewaltigen Rucken in
den Unterwasserfelsschluchten nicht
standgehalten. Unsere Liste für Reparaturen in
Neuseeland wird immer länger, auch die
Windstärkenanzeige streikt.
Tonga 
Barrakuda zur Ankunft
Die
Kuriosität beim Passieren der Datumslinie auf
dem Weg nach Tonga heitert uns wieder
etwas auf. Nach dem 3. kommt direkt der 5.
August. Einen 4. August 1992 wird es in unserem
Leben nicht geben - tatsächlich werden wir, wenn
wir wieder in Europa sind, einen Sonnenaufgang,
also einen Tag weniger erlebt haben, als die
Daheimgebliebenen. Dafür waren unsere Tage auf
See ein paar Minuten länger.
Kurz
vor Ankunft in Tonga beißt noch ein herrlicher
Barrakuda. Gaby heizt den Backofen, wir genießen
ein tolles Willkommen-Tonga-Mittagessen (..es
regnet immer noch!). Wir klarieren in Neiafu
ein, die zweitgrößte Stadt des Königreiches
Tonga: 3883 Einwohner; auf den ersten Blick ein
ärmliches Dorf, jede Menge Schlaglöcher in dem,
was man hier Hauptstraße nennt. Es gibt ein paar
Läden, in denen man alles bekommt, was man fürs
Leben braucht: Die 80ccm Suzuki steht direkt
neben dem Brot und das Getriebeöl bei den Eiern.
Mit all den hölzernen Gebäuden macht Neiafu den
Eindruck einer Siedlung aus dem späten 19.
Jahrhundert und obwohl es keine besonderen
Sehenswürdigkeiten gibt, dauert unser
Einkaufsbummel immer mindestens 3 Stunden. Es
sind die freundlichen Menschen und die Details,
die diesen Platz so liebenswert machen: z.B. die
Schweine. Schweine sind sehr kostbar (800 $)
und so hält man sie auch als Statussymbol und
sie sind unzählbar. Schweine auf der
Dorfstraße, im Garten, am Strand, ja selbst auf
dem Friedhof finden sie ihre Nahrung. Der Markt
zeigt wieder mal Früchte, die wir noch nicht
kennen. Ai - sieht aus wie eine Pflaume, ist aber
eine Nuß, deren Inneres so schmeckt wie eine
Kreuzung aus Mandel und Erdnuß.
Mann trägt Rock
Man
trägt in Tonga lange Hosen und langärmlige
Hemden. Man hält den Mund geschlossen, Zähne
zeigen? - So etwas tut ein Tonganer nicht. Über
der normalen Kleidung wird ein aus Bast
geflochtener oder gehäkelter Rock getragen (auch
von Männern); so zeigt man seinen Respekt vor
dem König und gegenüber anderen Menschen. Tonga
trägt den Beinamen "friendly islands"
schon seit James Cook.
Gaby
wird fündig. Die Handarbeiten bieten
Geflochtenes aller Art, Holzschnitzereien und
Tapas. Tapas sind Zeichnungen auf der
präparierten Rinde des Maulbeerbaums und diese
werden nur in Tonga, Fiji und Samoa hergestellt -
nicht unbedingt für Touristen. Sie sind deshalb
sehr preiswert und für uns besonders wertvoll.
Beim "feast" ißt das Auge mit
Die
Federn in meinem Kopfkissen sind total klamm und
verklebt. Liebevoll nennen wir das Kissen fortan
Schlafstein. Alarm: Leck mich ..., Sonne!! Alles
was sich nicht wehrt, kommt an Deck - die
Schranktüren inbegriffen - und im kräftigen
Passat unter südlicher Sonne ist alles ruck-zuck
wieder trocken und Tonga erscheint uns noch viel
freundlicher.
Samstag
abend ist "feast" angesagt. Am Liza
Beach gart bereits das Erdloch-Schwein. In
der Abenddämmerung wird das Erdloch geöffnet
und die darin gegarten Speisen werden attraktiv
auf geflochtenen Palmblättern dargeboten. Klar,
das Spanferkel, dann in Bananenblätter
gewickelter Thunfisch, in Kokosschalen gekochte
Papayas mit Kokosmilch, Brotfrucht .. ein
äußerst buntes Bild entwickelt sich - dazu
kommen kalte Speisen wie Glasnudeln und Corned
Beef (das einzige, was später nicht weggeputzt
wird, denn vom Corned Beef hat so langsam jeder
Yachtie die Nase voll), Muscheln, roher Fisch,
eingelegte Brotfrucht, Hühnchen .. Wir sitzen in
einer Reihe im Schneidersitz auf den Matten am
Boden und wie selbstverständlich essen wir
inzwischen mit den Händen und lecken die Finger.
Schaben und anderes Getier stören den Genuß
überhaupt nicht. Pappsatt. Es wird dunkel. In
leere Cola-Dosen wird Petroleum eingefüllt und
einfach angezündet. Im Schein dieser Fackeln
spielen Einheimische Banjo, Gitarre und
einfachste Blechtrommeln, und die Mädels tanzen
dazu traditionelle Tänze. Weit weniger
ekstatisch als in französisch Polynesien oder
Rarotonga. Ruhig, getragen, geschmeidig -
ähnlich wie man sich siamesische Tempeltänze
vorstellt. Als dann zu fortgeschrittener Stunde
wir Touristen mit einbezogen werden, ist die
Gaudi perfekt! Bierseelig fährt uns ein
Tonganese in seinem Auto nach Hause - etwa 30
Leute in einem VW-Bus.
Wir
treffen alte Bekannte, die wir seit Monaten nicht
mehr gesehen haben. Jeder hat andere Sorgen: Die
Maschine, die Elektrik, der PC ... Während ich
die Software auf Rising Star zum Spielen
kriege, fummelt Urs an meinem Echolot und als
sich rumspricht, daß wir 16x28x7/6 Simmerringe
an Bord haben, werden wir zur begehrtesten Yacht
in Tonga. Mein Bruder Gert hatte uns einen Beutel
voll nachgeschickt. Er wußte noch nicht mal, was
das war, und hier werden solche Teile mit Gold
aufgewogen.
Finau'Ulukalala
erzählt: "Wenn ein Mensch zu viel geerntet
hat, wird er es eintauschen und Handel treiben.
Sicherlich ist Geld praktisch, aber da es nicht
verdirbt, wird er es horten, anstatt es zu
tauschen. Ich verstehe jetzt, was die Papalangis
(Europäer) so egoistisch macht: Es ist das
Geld." Eine andere Geschichte dreht sich um
das Gefängnis: Einzusitzen ist eine fröhliche,
gesellschaftliche Angelegenheit und man ist gerne
dort. Täglich Ausgang bis 18.00 Uhr und der
Hinweis am Gefängnis in Vava'u lautet: "All
prisoners not be in by six o'clock will be locked
our for the night."
Die
Zeit in Tonga vergeht mal wieder wie im Flug:
Postfest, feast mit Einheimischen, tolle
Tauchgänge und als Gaby zu Muttis 60. Geburtstag
telefonieren geht, kommt sie ganz erschreckt
zurück: "Jochen, es ist schon Mitte
August!"
Wir
sind noch immer in Tonga. Der Einkaufsbummel
endet wie so oft mit einem Kaffee in der Bounty
Bar. Eine blonde Frau kommt kurz herein - Gaby
stutzt: Irgend etwas stimmt nicht. Mittags, die
selbe Frau kommt mit dem Beiboot zu Ägir
und lädt uns auf ihr Schiff zu einer Tasse
Kaffee ein. Gaby's
"diplom-psychologisches" Gesicht
erhält einen merkwürdigen Ausdruck. Kaffee an
Bord von Safari - zähes, mühsames
Gespräch bahnt sich an: Wo kommst du her? Wo
gehst du hin? Bis Gaby ihre quälende Frage los
wird: "Doris, wie heißt Du eigentlich mit
Nachnamen". "Kolling". Und raus
ist es. Doris ist die Schwester einer
Schulkameradin und Gaby hat doch tatsächlich
einen Menschen erkannt, den sie nie gesehen
hatte! Aus dem Kaffee wird sofort Wein - das muß
gefeiert werden.
Ab
und zu kommt ein Einbaum gepaddelt und die
Eingeborenen versuchen Kokosnüsse, Obst, Tapas
oder Körbe zu verkaufen. Nein danke, im Dorf
sind diese Waren billiger - also kein Geld, aber
wir sind bereit, das hier so heiß begehrte
Corned Beef zu tauschen. Zunächst wird daraus
nichts. Während ich im Dorf bin zum Einkaufen,
kommen die zwei Frauen zu Ägir zurück.
Gaby lädt die beiden auf eine Tasse Kaffee ein.
Die zwei sind unglaublich stolz, auf einer Yacht
zu sein und weiße Freunde zu haben. Kurz, als
ich zurückkomme, besitzt Gaby wunderschöne
Tapas, Körbe, Paprika .. und eine Einladung zum
Omu (Erdofen-Festessen) am Sonntag. Und
natürlich mußte Gaby auch rohen Seeigel
probieren (brr-igitt-äähh!). Immodium.
... und immer wieder einsame Traumstrände
Das
Essen am Sonntag unterscheidet sich von dem
"feast" durch die persönliche
Atmosphäre. Eine einfache Hütte, durch einen
Vorhang in Schlaf-/Wohnraum geteilt, die Wände
mit Zeitungspapier tapeziert - eine unterhaltsame
Alternative für einsame Stunden. Kalo ist
verheiratet, 5 Kinder; Ahi'ahi unverheiratet, 2
Kinder. Wir bringen Kuchen, Angelleine, eine
Bluse etc. als Gastgeschenke und erfahren über
Tonga's Kultur eine ganze Menge: Die Bedeutung
der Handbewegungen beim Tanzen bis hin zum
"I love you" - also in Tonga die Hände
in den Taschen lassen, damit man nichts Falsches
ausdrückt! Wir sehen festliche Tanzkleider,
Flechtarbeiten und unser deutscher Weidenkorb
wird intensiv begutachtet.
Wir
sind seit über 3 Wochen in Tonga. Die Zeit
vergeht wie im Flug, obwohl wir eigentlich nichts
tun. Schnorcheln, tauchen, einkaufen ... gestern
waren 3 Wale dicht bei unserem Ankerplatz, Gaby
findet immer größere Schnecken, Souvenirs
stapeln sich so langsam. Wir wollen weiter
Richtung Fiji. Gaby hatte Ahi'ahi versprochen,
noch "auf wiedersehen" zu sagen. Daraus
wird - selbstverständlich - eine Einladung zum
Omu. Ihr Kleinster war im Krankenhaus und ist
jetzt mit einem wunden Po und Husten wieder zu
Hause. Da es auch im Krankenhaus keine Medizin
gibt, bestehen unsere Gastgeschenke diesmal aus
Mullbinden, Bepanthen Salbe, Hustentee.... Die
Tränen beim Abschied zeigen uns, daß wir
wirkliche Freunde geworden sind.
Fiji 
Mit
leichten Winden driften wir nach Fiji. Das
Einklarieren geht, allen schlechten Gerüchten
zum Trotz, problemlos. Nur die Tatsache, daß
eine englische Yacht glaubte, ihren Alkohol und
die Waffen nicht deklarieren zu müssen,
verzögert das ganze ein paar Stunden - ihr
Schiff wird total auseinandergenommen - zurecht!
Danach sind die Zöllner so geschafft, daß sie
bei uns nur noch einen Drink nehmen und ohne
weitere Fragen ihrem Feierabend entgegen gehen.
Tarzan-like
Suva,
nach Papeete die zweitgrößte Stadt im
Südpazifik, bietet alles, was das Herz begehrt
zu günstigen Preisen. Riesiger Markt, frisches
Fleisch, Mechaniker, die durchgebrannte Motoren
wickeln, Aluminium schweißen ... Unser erster
Ausflug führt uns nach Colo-i-Suva. Ein
Stückchen Urwald, wie wir es noch nicht gesehen
haben. Riesige Bäume, dichtes Unterholz, kleine
Bäche, die über Wasserfälle in tiefe Becken
stürzen. An einem dieser Wasserfälle ist ein
Seil und wir haben eine tarzanmäßige Gaudi, uns
von dort oben über die Klippe zu schwingen und
ins klare Süßwasser zu platschen. Auch für
Gaby gibt es kein Halten und sie ist von unserer
englisch-amerikanisch-philipinisch-deutschen
Clique die einzige Frau, die diesen gewaltigen
Platscher mehr oder weniger genießt.
Faszinierende flame trees
Wir
erfahren von einer 2-Tages-Wanderung quer durch
das Innere der Hauptinsel von Fiji: Viti-Levu
- klar, der Treck ist unser. Katie und Wayne von
der Yacht Vela Dare schließen sich an.
Ein solcher Treck wird sorgfältig vorbereitet.
Statt Zelt nehmen wir kleine Segel mit; wir
brauchen Yangona als Gastgeschenk für die
Häuptlinge der Dörfer. Yangona, auch Kawa
genannt, ist die getrocknete Wurzel des
Pfefferbaums (ja, wir sind dort, wo uns so
mancher hingewünscht hat: Hier wächst der
Pfeffer). Diese Wurzel wird zerkleinert und in
Wasser ausgepreßt; das gibt ein Getränk wie
Spülwasser, ist aber narkotisierend und bei den
verschiedenen Gelegenheiten später, haben wir
taube Lippen. Ein Gefühl wie beim Zahnarzt! Aber
der Reihe nach: Ich will am Vortag herausfinden,
wann und wo der Bus nach Lutu fährt. Am
Busbahnhof schickt man mich vor und zurück.
Dort! Ich gehe hinüber. Dort zeigt man zurück.
Dort! ... Nach 2 Stunden finde ich 2 Personen mit
der gleichen Meinung, das schafft Vertrauen. Der
Bus nach Lutu fährt nicht mehr, weil die Straße
so schlecht geworden ist. Also organisieren wir
am nächsten Morgen ein Taxi. "Lutu? So weit
bin ich noch nie gefahren (60 km von Suva). Was
wollt ihr denn da, da ist doch nichts!?"
Für 60 F$ läßt er sich überreden, wird aber
mit zunehmender Fahrzeit immer nervöser, fragt
jeden Passanten, ob wir noch auf dem rechten Weg
sind. Worauf haben wir uns da eingelassen? Mir
geht die Geschichte Fiji's durch den Kopf. Die
Fijianer haben sich noch bis vor kurzem Sklaven
gehalten, mit dem Hänsel-und-Gretel-Zweck; diese
Sklaven gingen dann dem Höhepunkt ihrer Karriere
als sogenanntes "Langschwein" entgegen.
Nach 2 Stunden, gegen 10.00 Uhr früh sind wir in
Lutu. Unser Fahrer ist erleichtert und flüchtet
regelrecht Richtung Suva. Wir fragen den ersten
Dorfbewohner nach dem Weg und er geht voran. Doch
wo landen wir? Klar, in seinem Haus: "Ihr
müßt heute hier schlafen!" Man serviert
uns Tee aus Zitronenblättern und herzlichste
Gastfreundschaft schlägt uns entgegen. Nach
einer Stunde brechen wir auf, müssen
versprechen, daß wir Bilder schicken. Man zeigt
uns noch den Pfefferbaum, den wir nie zuvor
gesehen haben. Denn wir wollen in der ersten
Etappe bis Nasava kommen, das ist
mindestens 4 Stunden Weg. Nach wenigen Metern
durchqueren wir einen Fluß. Keine Brücke, kein
Nachen - Schuhe und Socken quietschnaß, mit
Shorts kommen wir gerade so mit trockenen Hosen
durch. Der Weg führt dem Fluß entlang und immer
wieder hindurch. Wir geben es bald auf zu
zählen, wie oft wir durch das Wasser gehen.
Bestimmt 100 Mal! In jedem Dorf, das wir
passieren laufen die Bewohner zusammen:
"Bula, bula!" Jeder drückt uns die
Hand, nennt seinen Namen. "You sleep in my
house!" Nein, danke, wir müssen weiter nach
Nasava.
Die
Dörfer sind auffallend sauber. Auf kurz
gemähter Wiese stehen Hütten, deren Wände aus
längs geschlitztem Bambus geflochten sind. Die
Dächer häufig aus Schilf, aber auch aus
Wellblech. Von überall rennt und ruft es:
"Bula, bula!" Während unserer
Mittagsrast am Fluß kommen vier Kinder mit
Pferden. Sie gehen auch nach Nasava und
erstaunlicherweise ist die Gastfreundschaft und
Hilfsbereitschaft auch bei diesen Pimpfen schon
sehr ausgeprägt. Ja, unser Gepäck muß auf die
Pferde und schon wieder sind wir eingeladen zum
Übernachten. Die Kinder hatten die Ernte nach
Lutu gebracht, wo sie ein Kurier nach Suva auf
den Markt bringt und sind auf dem Heimweg. 4
Stunden in der Wildnis. Sie kennen jeden Stein,
jede Pflanze und so haben wir eine unterhaltsame
Etappe. Vor jedem Dorf steigt das Mädchen vom
Pferd, bindet sich ihren Pareo als Rock um. Nein,
ein Mädchen kann nicht durchs Dorf reiten. In
Nasava ist großes Hallo. "Bula, bula!"
Und wieder gibt uns jeder einzelne die Hand. Die
Leute sind arm, aber es gibt genug zu essen. Ihre
größte Errungenschaft ist ein Fischteich, den
ihnen ein amerikanischer Entwicklungshelfer
angelegt hat. Nach einer Stunde im Dorf ziehen
wir noch ein bißchen weiter, um einen geeigneten
Platz zum Campieren zu finden. Ein traumhaftes
Plätzchen, der Fluß ist inzwischen zum
Gebirgsbach geworden, auf der nahen Wiese spannen
wir unsere Segel auf und endlich werden wir
unsere nassen Schuhe und Socken los. Die Kinder
von Nasava begleiteten uns bis hierher, bringen
noch Feuerholz. Sie wären gerne bei uns
geblieben, doch es wird dunkel und wir
verabschieden uns wieder von guten Freunden.
Ein
Tag voller neuer Eindrücke klingt aus und wir
erleichtern unseren Rucksack beim Abendessen um
Hühnerbeine, Rostbratwürste, Tomaten,
Kartoffeln, Salat und 2 Liter Wein. Mit der
letzten Glut des Lagerfeuers und den ersten
Moskitos schlüpfen wir in unsere Schlafsäcke.
Fast undurchdringlicher Urwald
Nasava
war das letzte Dorf im Tal, wir müssen jetzt
über einen Paß, der die Wasserscheide zwischen
Nord- und Süd-Viti Levu bildet, um in das
nächste Tal zu gelangen. Es wird wild. Bambus,
so hoch wie ein Kirchturm, Blüten fast so groß
wie mein Kopf, obwohl es seit 2 Wochen nicht
geregnet hat, tropft es von den Bäumen. Wir sind
richtig im Urwald. Der schmale Trampelpfad ist
gut zu erkennen, manchmal aber so schmal, daß
wir kaum die Füße aneinander vorbei bewegen
können. Wieder geht es unzählige Male durch den
Bach; von der Paßhöhe haben wir dann einen
atemberaubenden Blick über die zentralen Berge
und Täler der Insel. Abwärts folgen wir einem
kleinen Rinnsal, das bald Bach, dann Fluß wird.
So gut waren unsere Socken noch nie gewaschen.
Gegen Mittag erreichen wir das erste Dorf, in das
wieder eine Straße führt. "Nein, hier gibt
es auch keinen Bus mehr. Taxi? Nein, Telefon gibt
es nicht, aber morgen früh fährt der Kurier
nach Suva, da könnt ihr mit!" Ja, es gibt
zwar ein Auto im Ort, aber das ist defekt. Nach
einer Stunde im Dorf - man bringt uns sofort eine
Matte und wir sitzen in der Wiese zum Picnic -
beschließen wir, die Straße weiter zu gehen. Je
mehr Dörfer hinter uns liegen, desto größer
glauben wir, ist unsere Chance ein Auto zu
finden. Wir sind den ganzen Nachmittag unterwegs,
in jedem Dorf das vertraute "Bula-bula!
Sleep in my house!" - und kein einziges
Fahrzeug. Nach weiteren 10 km kommen wir an eine
Baustelle: Ein schwerer LKW! Die Arbeiter haben
bereits Feierabend und trinken mit dem Häuptling
des Dorfs Yangona. Auch wir müssen Yangona
trinken: Eine Kokosschale voll, man klatscht
zweimal in die Hände, ex, und nochmals zweimal
Händeklatschen. So läuft die Zeremonie. Nach
der zweiten Schale spüre ich schon die pelzigen
Lippen, dafür nimmt uns der LKW mit in das
Bauarbeitercamp. Dort kann man uns einen Wagen
nach Suva besorgen. Wir fangen den heimkehrenden
Kurier ab. Er ist müde und will nicht mehr. 60
Fijidollar machen ihn schließlich etwas wacher
und er karrt uns in atemberaubender Fahrt (mit
etwa 80 km/h auf einer "Straße",
die kein Bus mehr befährt) an die Küste. Von
dort kommen wir spät abends mit einem Taxi
völlig fertig doch voll toller Eindrücke und
Erlebnisse im Royal Suva Yacht Club an. Wir sind
froh, wieder hier zu sein. Und doch sind wir uns
spontan einig, daß wir Fiji nicht wirklich
gesehen hätten, hätten wir diese Tour nicht
gemacht.
Suva,
einkaufen, Stadtbummel. Gaby findet einen
gebrauchten Tauchkompressor (Bauer - Made in
Germany). Er paßt vom Alter her sehr gut zu
unserem Schiff und wenig später ist das Monstrum
unser. Jetzt steht Tauchen auf Teufel komm raus
nichts mehr im Wege und wir drängeln beide in
die Inselwelt Fijis mit seinen spektakulären
Tauchgründen. Nicht ohne vorher noch das
Fiji-Museum besucht zu haben: Klein aber fein.
Dort erfahren wir u.a., daß die Ureinwohner
spezielle vier- oder fünfzinkige Gabeln
ausschließlich zum Verspeisen von
Menschenfleisch benutzten.
Heute
ist Suva wie umgekehrt - ein Kreuzfahrtschiff ist
angekommen. Überall fliegende Händler und die
Preise sind für diesen einen Tag astronomisch:
Eine Triton-Muschel, gestern noch für F$ 5 zu
haben ist heute mit F$ 80 ausgezeichnet. Ein
Grund mehr, nach einem feinen Abschiedsessen im
Yacht Club Restaurant weiterzuziehen.
Beqa
(sprich: mbenga) erwartet uns. Mit unserem
kleinen Dingi geht's sofort ans Außenriff zum
Tauchen. Eine unbeschreibliche Unterwasserwelt
mit Fischarten, die wir sonstwo noch nirgends
gesehen haben, auch ein giftiger "Red
Lionfish" ist darunter. Riesige
Korallenstöcke und diese Tage sind wir mehr
unter als über Wasser. Wegen der kräftigen
Strömung sind wir abends todmüde und plumpsen
nur noch ins Bett. Innerhalb kürzester Zeit
dreht der Wind auf SW und unser Ankerplatz wird
ungemütlich. In nur 10 Minuten sind wir klar,
nicht ohne daß Gaby noch eine Ehrenrunde im
Beiboot dreht, und die von Bord gewehte
Persenning wieder einsammelt. Es weht inzwischen
doch mit fast 6 Beaufort. Wir verziehen uns in
eine nur 10 sm entfernte, tiefe und
geschützte Bucht, um dieses Sauwetter
abzuwarten.
Fiji, eines der schönsten Tauchreviere
Ono
ist eine Insel mitten im großen Astrolab Riff -
ein idealer Ankerplatz und Ausgangspunkt für
großartige Tauchgänge. Besonders spektakulär
ist das Außenriff: 20 Seemeilen lang, eine
ununterbrochene Steilwand aus bunten Korallen,
bevölkert von nicht weniger bunten Fischen,
Seeschildkröten etc. Fiji ist bisher einer der
schönsten Tauchplätze unserer Reise. Der
nächste Ankerplatz liegt an der westlichsten
Spitze von Kandavu, vor dem Dorf Nabukelevu.
Zeit für Sevu-Sevu: Das ist die Prozedur, die
besuchende Yachten in den Dörfern durchlaufen,
um eine Art "Aufenthaltsgenehmigung" zu
erhalten. Wir suchen also den Häuptling auf,
seine Tochter führt uns durch sein Dorf und
erklärt uns, daß der Chief gerade bei einer
Versammlung der Dorfältesten weilt. Thema: 7
Freiwillige sollen nach Viti-Levu, um dort
Fichten zu pflanzen. Wir verabreden uns mit ihr
auf 16.00 Uhr. Als wir nachmittags zurückkommen,
sitzen die Dorfältesten bereits im
Versammlungshaus im Kreis auf dem Boden, wir
dürfen direkt neben dem Häuptling sitzen. Als
Gastgeschenk überreichen wir Yangona, legen es
vor ihm auf den Boden. Damit kann er das Geschenk
unberührt lassen, falls unser Sevu-Sevu nicht
akzeptiert wird und uns damit gesagt wird, daß
wir unwillkommene Gäste sind. Der Häuptling
spricht überhaupt nicht, er hat seinen Sprecher,
der uns die Fragen stellt, die Unterhaltung
führt und das Wichtigste für die Älteren in
einen Fiji Dialekt übersetzt. Unsere
Segelerlaubnis (die wir in Suva vom
Innenministerium erhalten haben) wird ausgiebig
studiert, während dessen gibt es Yangona: Die
erste Schale für den Häuptling, die zweite für
den Ältesten, dann reihum. Während wir trinken
(in einem Zug, dieses gräßliche Zeug) sitzt
einer vor uns und klatscht in die Hände. Der
Älteste murmelt etwas, alle klatschen, die
nächste Runde Kava und unser Sevu-Sevu ist
bewilligt. Jetzt dürfen wir uns frei im Gebiet
des Häuptlings bewegen, dürfen ins Dorf oder an
den Strand. Nicht selten regiert ein Chief über
eine ganze Insel. Die Zeremonie des Kava-Trinkens
findet üblicherweise statt, um eine getroffene
Entscheidung gebührend zu feiern - und hier wird
täglich etwas entschieden ....
Felsenküste,
kein Fluß, keine Umweltverschmutzung, das Wasser
ist kristallklar. Bald wachsen uns Schwimmhäute
zwischen den Fingern! Die Tapas sind auf Fiji
viel feiner als in Tonga - Gaby hat welche beim
Dorfrundgang erspäht und schon ist Ägir
um eine schöne Last reicher. Übrigens, Gabys
Muschelsammeltrieb wird immer doller: Rekord
liegt bei 186 Stück pro Stunde .. Anker auf !?
Gaby verbringt eine dreiviertel Stunde auf 30
Meter Tiefe, um unsere Kette von einem riesigen
Korallenblock zu befreien und wir ziehen weiter
in die Inselwelt westlich von Viti-Levu.
Welcher
Kontrast in jeder Beziehung: Während es in Suva
an 20 Tagen im Monat nennenswerten Niederschlag
gibt, leiden diese Inseln unter Dürre und
Trockenheit; hatten wir auf Kandavu noch
Jogginghose und Pullover an, holen wir uns beim
Nähen unserer Genua auf dem Vordeck (ca. 2000
Stiche von Hand) einen gewaltigen Sonnenbrand;
während wir in Viti-Levu und Kandavu
aufsehenerregende "Palangis" waren,
landen wir hier mitten in den Tourist-Ressorts
mit allem, was man den Kiwis und Aussies bieten
muß: Wasserski, Paragliding, Disco ... oh
Schock! Doch diese kleinen Inseln mit so
bezaubernden Namen wie Malololailai sind
wunderschön und wir finden im Pazifik den so
seltenen Sandstrand. Überall sonst sah es zwar
von Ferne so aus, bestand aber doch meistens aus
grobem Korallenbruch.
Für
1 $ werden wir "Lifetime Member" des
Muscet Cove Yacht Clubs, d.h. Müllentsorgung und
Duschen, Bar, Restaurant ..... Die Namen aller
Besucheryachten werden an Wände und Decken
geschnitzt und als Leonhardt's Ägir
zusammen mit Hiscocks (Hiscock ist für die
Segler etwa das, was Reinhold Messmer für die
Bergsteiger oder Hans Hass für die Taucher) Wanderer
V zu entziffern sind, überkommt uns so etwas
wie Stolz. Gaby ersteht ein
Muschelklassifizierungsbuch. Jetzt werden nicht
mehr nur Muscheln gesammelt, sondern
Spiderconches, Murexes, Triton, Nautilus.... Klar
haben wir auch kleine Exemplare der
Mördermuschel, die sich trotz ihres Namens von
Plankton und nicht von Menschen ernährt. Fast
unvorstellbar, daß diese Muscheln bis 51 Fuß
groß werden sollen. Wesentlich größer als
unser Schiff!!
Nach
etlichen BBQ's ziehen wir weiter in eine von drei
Inseln umgebene Bucht. Diese Inseln sind
unbewohnt und wir teilen sie nur mit ein paar
Ziegen. Robinson Crusoe kommt uns in den Sinn.
Ohne schützendes Außenriff steht gewaltiger
Schwell. Dennoch oder gerade deshalb muß Gaby an
den Strand, denn unberührte Strände versprechen
lohnende Muschelfunde. Also mit dem Dingi durch
die Brecher. Die Taktik ist lange erprobt:
Während ich auf Teufel komm raus rudere, sitzt
Gaby absprungbereit vorne und zieht das Beiboot,
sobald sie stehen kann, den Strand hoch. Dabei
muß das Gummiboot immer rechtwinklig zu den
Wellen stehen, weil es seitlich umkippen würde.
Doch die Brandung ist zu heftig und wir surfen in
affenartiger Geschwindigkeit auf den Strand zu.
Natürlich ist die Welle schneller als mein
"Kugelblitz" und schon blubbere ich
unter dem Dingi im Sand. Klatschnaß und voller
Sand (alle Teile des männlichen Körpers geben
noch eine Woche lang Sandkörnchen frei ...) -
halb so wild, denn das Wasser ist 29 Grad warm
und der Sandstrand fein und weich. Während wir
oberflächlich nach Muscheln suchen, beschäftigt
uns nur ein Gedanke: Wie wollen wir durch diese
Wellen jemals wieder zu Ägir kommen? Wir
beobachten das Spiel der Brandung, erkennen seine
Muster und der Rückweg wird trockener und
einfacher als erwartet, doch ich habe einen neuen
Kosenamen: Sandmännchen!
Durch
den Schwell ist das Liegen in dieser Bucht
äußerst ungemütlich. Und doch versöhnt uns
das Tauchen am Riff zwischen zwei der drei
Inseln: Wir erleben einen unserer schönsten
Tauchgänge - ohne Hai, ohne Strömung -
vielfältigste Koralle mit Blättern, teilweise
so groß wie ein Garagentor, Anemonen mit den
ulkigen Anemonenfischen, die zwischen dieser
giftigen Pflanze Schutz suchen ... Am nächsten
Tag ein tropischer Regenschauer, so dicht, daß
wir unsere Inseln, nur wenige Meter entfernt,
nicht mehr sehen - alles ist in Sekundenschnelle
klatschnaß.
Wir
machen uns auf den Weg nach Lautoka. Dort
gibt es nicht nur eine Zollstelle zum
Ausklarieren, sondern auch eine Marina. Ein
geeigneter Ort, Ägir für die Etappe nach
Neuseeland zu rüsten. Behördengänge,
Einkaufen, Basteln, seefest stauen.
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