| Indonesien, Singapur, Malaysia
und Thailand. Indonesien

Start zum
Darwin-Ambon Race
23. Juli 1994,
11:00 Uhr - der Startschuß zum zweitgrößten
segelsportlichen Ereignis Australiens fällt und
nur wenig später zieht Ägir zusammen mit
77 weiteren Yachten unter Spinnaker in herrlichem
Wetter Richtung Ambon. So bietet diese Flotte
auch für Nichtsegler schon ein beeindruckendes
Bild und unsere Crew ist ganz euphorisch, zumal
wir einen wirklich guten Start hingekriegt haben.
Meeresleuchten, klarer Sternhimmel und Delphine
sind Barbaras größte Freude, Rudi bewährt sich
als Navigator und schon 4 Tage später kommt Ambon
direkt voraus in Sicht. In einem dramatischen
Finish behaupten wir unsere Position vor einer
neuseeländischen Yacht - auch wenn dabei der
Sauerbraten mit Spätzle UFO-artigen
Beschleunigungen ausgesetzt wird. Nach
568 sm gehen wir als schnellste deutsche
Yacht über die Ziellinie.
Der Empfang in
Indonesien ist einfach grandios. Die Beamten beim
Einklarieren sind zuvorkommend, der Papierkram
ist schnell erledigt, und schon genießen wir den
Blick auf das tropisch-saftige Grün der Insel
und die exotischen Düfte von Ambon, dem Zentrum
der Gerwürzinseln. Ein süßlicher Duft liegt in
der Luft, Kretek - Zigaretten mit Nelken
gewürzt, sind nur eine der Ursachen. Wir ankern
direkt am Ufer mit Buganker und Heckleine um eine
Palme. Beim Abendessen zeigen unsere
indonesischen Sprachversuche große Erfolge (man
spricht fast kein englisch) und nach einem kami
masih lagi lapar ("wir mehr
Hunger") bringt die Bedienung unter dem
schallenden Gelächter ihrer Kolleginnen zum
zweiten Mal die Speisekarte (sie können sich
halt nicht vorstellen, daß ein Teil unserer Crew
notgedrungen tagelang nur von Knäckebrot gelebt
hat...).
Fröhlicher
Empfang in Ambon
Die offizielle
Begrüßung der Regatta-Teilnehmer versetzt uns
dann entgültig in indonesische Stimmung: Erst
ist die Ansprache des Bürgermeisters in
indonesisch (was sonst!). Ein Orchester von
Muschelbläsern sorgt für ganz
außergewöhnliche Musik. Nicht weniger fremd
klingt in unseren Ohren die Gamelan-Musik: Eine
Art Free-Jazz aus Blechtrommeln und verschiedenen
Gongs. Und zum Abschluß ein indonesisches Buffet
- nein, also so was haben wir noch nie gesehen,
die Vielfalt, die Düfte und die Farbenpracht ist
einfach unbeschreiblich, die Menschen, die uns
bedienen haben ein so herzliches Lächeln im
Gesicht - wir sind so beeindruckt, daß wir heute
nur noch auf das Schiff zurück und diese
Eindrücke in Ruhe auf uns wirken lassen wollen.
Die Darbietungen unserer Gastgeber dauern vier
Tage lang und erreichen ihren Höhepunkt mit dem
"Crazy Bamboo Dance", bei dem mit Hilfe
von etwas Mystik und Magie ein schwerer
Bambusstamm zum Fliegen gebracht wird.
Die
Gewürzinseln ...
Zwischendurch
unternehmen wir zusammen mit Traudel und Horst
von La Donnee eine Wanderung quer durch
den südlichen Teil der Insel Ambon. Eine
ungeheure Vegetation überrascht uns, turmhohe
Sagopalmen, dazwischen immer wieder die Pflanzen,
die diesen Teil der Welt berühmt und begehrt
gemacht haben: Gewürznelken, Muskatnüsse, aber
auch den Baum der Durian der Stinkfrucht -
sehen wir. Die Durian riecht wirklich ziemlich
penetrant nach Schweinestall, ihr Genuß soll
aber der Männlichkeit gewaltig auf die Sprünge
helfen: "Wenn man(n) die Durian ißt, hebt
sich der Sarong"... Dazwischen riesige
Schmetterlinge, und immer wieder lächelnde
Menschen, die sich danach erkundigen, woher,
wohin, und wie viele Kinder wir haben. Die
indonesische Höflichkeit lernen wir kennen, als
wir den heiligen Platz des Dorfchefs besichtigen:
Unser Führer erklärt uns, daß wir gerne
fotografieren dürfen, aber daß Film und Kamera
nach einer Aufnahme dieser heiligen Stätte nicht
mehr funktionieren würden. Also verzichten wir
rücksichtsvoll darauf... Wir probieren Sopi -
einen Palmschnaps - und das Gelächter der
Einheimischen ist groß, als wir unsere Gesichter
unter dem Geschmack dieses Getränks verziehen.
Mit der
Siegerehrung geht der offizielle Teil des
Darwin-Ambon-Race zu Ende und schon zwei Tage
später sind wir wieder auf See Richtung Flores.
Barbara sind richtige Seebeine gewachsen und
schon früh morgens entlockt sie ihrer
Mundharmonika die ersten Töne. Delphine, kleine
Gritwale, ein Tölpel - der mal wieder einen
Bordlandeversuch unternimmt - sorgen für
Abwechslung. Die Winde sind jetzt sehr schwach
und wir müssen viel motoren, doch nach nur 5
Tagen fällt unser Anker vor Labuan Bajo
am westlichen Ende von Flores. Totaler
Kontrast - keine Spur von Regenwald mehr, die
eher steppenartige Dürre unterstreicht, daß
hier jetzt gerade Trockenzeit herrscht. Labuan
Bajo ist so ein richtiges asiatisches
Fischerstädtchen. Ungewöhnliche, riesige
Auslegerboote knattern mit ihren
Einzylinder-Glühkerzenmotoren vorbei, und tragen
dazu ein kleines Segel, das uns stark an
Bettücher erinnert. Wieder haben die Menschen
ein ständiges Lächeln im Gesicht, das aber die
Marktfrau nicht daran hindert, uns zwei faulige
Ananas zu verkaufen - und als ich zurückgehe, um
diese umzutauschen, packt sie mir mit dem selben
freundlichen Lächeln zwei andere in eine
Plastiktüte - von der natürlich eine wiederum
faulig ist. Wir lernen langsam aber sicher, mit
diesem indonesischen Lächeln umzugehen.
Komodo
Waran
Ein kurzer Trip
bringt uns nach Komodo. Hier leben die
"berühmten" Dragons - riesige Warane.
Morgens um 07:00 Uhr sind wir mit einem Führer
bereits auf dem Weg. Den Ersten hätten wir ohne
unseren Führer glatt übersehen, so regungslos
und gut getarnt wie er in der Sonne lag und sich
wärmte. Dagegen war der Zweite nicht zu
übersehen, denn dieser saß aufgerichtet mitten
im Weg. Bis vor kurzem wurden die Warane
angefüttert, doch dieses blutige Spektakel wurde
letzte Woche eingestellt und die Tiere sind
hungrig. Immerhin können sie einen ganzen Hirsch
oder eine ganze Ziege mitsamt den Hörnern
verspeisen. Deshalb hält unser Führer
respektvoll das Tier mit einer gegabelten
Holzstange in Schach, daß wir unseren Weg
(unverspeist) fortsetzten können. Baden,
schnorcheln, Barbara und Gaby genießen es, den
Strand nach Sammelbarem abzugrasen - es ist mal
wieder richtig Urlaub.
Als wir auf
unserer Fahrt nach Bali die Insel Lombok
passieren, erleben wir auf See aus sicherer
Entfernung zwei Ausbrüche des dortigen Vulkans.
Indonesien ist voll davon, und oft erhebt sich
ein 2500 m hoher Kegel als Insel einfach so
aus dem Wasser. Der Vulkan auf Lombok ist fast
4000 m hoch! War Ambon noch zur Hälfte von
Christen bewohnt, überwogen auf Flores die
Mohammedaner, und hier in Bali ist die Hochburg
der Hindus.
Dem Obermieter
meiner Mutter verdanken wir einen kurzen
Abstecher nach Deutschland. Die wenigen Tage
vergehen wie im Fluge und nach unserer Rückkehr
zu Ägir sind wir uns einig: Die spinnen,
die Deutschen! Das Schärftse ist die Tatsache,
daß die Umweltschutz-Maßnahmen greifen, damit
z.B. das Algenwachstum im Bodensee zurückgeht,
und schon beschweren sich die Bodenseefischer
über rückläufige Fangquoten an Felchen! Jeder
ist sich selbst der Nächste, wenig Toleranz,
jeder geht grimmig dreinschauend für sich durch
die Straßen. Das Preisniveau hat sich drastisch
verändert, eine Hektik unter den Menschen, das
Fahren auf der Autobahn ist einfach erschreckend
(jedes Jahr Tausende von Toten - sag noch einmal
einer, was wir hier tun sei gefährlich), man
redet von Autobahngebühren und Maut auf
Stuttgarts Straßen, für eine traditionelle
Seebestattung benötigt man jetzt die Genehmigung
der Umweltbehörde, und die Bürokratie ist
schlimmer als in den Ländern der sogenannten
Dritten Welt: Da wir beim Rückflug nach Bali
kein Rückflugticket aus Indonesien vorweisen
können, will uns die junge Dame beim Einchecken
in Frankfurt gar nicht erst mitfliegen lassen...
So schön es war,
mal wieder in der Heimat zu sein, so froh sind
wir, als wir zurück an Bord sind. Und als wir
uns anläßlich Anjas Geburtstags in das
abendlich-asiatische Gewühl Denpasars stürzen,
fühlen wir uns wieder richtig wohl und zu Hause.
Unsere Erfahrungen mit dem Hinduismus sind ganz
interessant: Neben ihren normalen Tempeln hat
jedes Haus noch einen kleinen Haustempel, in der
Markthalle gar jeder Stand, und so erzählt man
uns, daß es auf Bali letztendlich mehr Tempel
als Häuser gibt. Der Hindu glaubt an das immer
wieder Vergängliche, das sich stets erneuert.
Die guten Menschen werden nach der Reinkarnation
in eine höhere Kaste wiedergeboren, die böseren
in einer niedrigeren Kaste, und die es im Leben
ganz schlimm getrieben haben, kommen in ihrem
nächsten Leben gar als Tier auf die Welt. Es
gibt keine Schöpfung und keinen Jüngsten Tag.
Damit kommt der Hinduismus der Physik unseres
Universums wohl am nächsten. Im Gegensatz
Religionen wie Islam oder auch den Christen,
kennt der Hindu keine Hierarchien wie Priester -
Bischof - Kardinal und Papst. Bei ihren
Zeremonien im Tempel gibt es keinen Prediger oder
Vorbeter, jeder ist einfach für sich selbst
Hindu und lebt seine Religion für sich. So wird
es auch verständlich, daß ihre Tempel sehr
nüchtern und fast karg aussehen - ohne großen
Prunk oder gar Gold und Edelsteinen, denn man
muß dort keinem Gott gefallen, sondern man
trifft sich dort lediglich mit seinen Ahnen, die
noch auf die Wiedergeburt warten. Man kann auch
nicht zum Hindu-Glauben übertreten, man wird als
Hindu geboren. Ein Hindu wird deshalb auch
niemals versuchen, einen Andersgläubigen zu
bekehren und deshalb gar einen Krieg beginnen.
Wirklich eine faszinierende Einstellung!
Dank Barbara und
Rudi haben wir einen tollen Fahrer und Führer
über Bali. Made (so heißt der junge
Mann) fährt uns zu jedem Ort, den wir uns
ausgesucht haben und ergänzt die Route durch
eigene Empfehlungen. Seine Erzählungen geben uns
einen wirklichen Einblick in das Leben und den
Glauben der Balinesen. Neben Hinduismus und den
wirklich unzähligen Tempeln (Balis bedeutendster
Tempel ist Besakih, der herrlich an den Hängen
des Gunung Agung angelegt ist) besuchen wir die
Gold- und Silberschmiede, Maler, Holzschnitzer,
baden in heißen Quellen, treffen unsere ersten
freilebenden Affen im Wald. Die von Touristen
selten besuchten Märkte in den abseits gelegenen
Orten hoch in den Bergen Balis sind extrem
preiswert und für Gaby sehr ergiebig: Alles von
Gewürznelken (1 kg (!!) für ca. DM 4,-)
und Vanille bis hin zu allerlei Körbchen lagert
jetzt auf Ägir. Der Barong- und Kris-Tanz
war wirklich beeindruckend: In unbeschreiblich
farbenprächtigen Kostümen werden mit
asiatischer Eleganz Szenen aus ihrer Mythologie
gespielt. Barong ist der Geist, der den Teufel
und das Böse verzehrt. Sein Abbild finden wir
später an vielen Türen und Eingängen: Wenn man
durch eine so "geschützte" Tür ein
Haus betritt, frißt dieser Barong das Böse im
Menschen und so sind alle dann im Haus nur noch
gut und rein. Es ist für uns nur zu
verständlich, daß die balinesischen Hindus an
alle möglichen Geister glauben, leben sie doch
auf einer Insel, die nicht nur Wind und Wetter,
sondern auch dem Vulkanismus und schweren
Erdbeben ausgesetzt ist. So sind ihre Masken
nicht nur einfache Schnitzereien, sondern sie
leben, werden in einem Tempel aufbewahrt, ja
selbst der Baum wird in einer Zeremonie gefragt,
ob man ihm ein Stück Holz für eine Maske
abnehmen darf.
Besonders
faszinierend ist der Besuch in einer
Ikat-Weberei. Das Spezielle dieser Weberei liegt
in der Art und Weise, wie diese Muster zustande
kommen: Zunächst werden die Längsfäden in
unterschiedlichen Tönen eingefärbt - dann auch
(im Gegensatz zum normalen Weben) der Querfaden.
Um nun ein bestimmtes Muster zu erhalten, muß an
einer definierten Stelle des Längsfadens immer
genau der passende Querfaden eingeschossen
werden, eine Aufgabe, die in Bali heute noch
keine Maschine bewältigt. Und auch zu sehen, wie
die weltbekannte Batik entsteht, ist einfach
toll: Mit einem kleinen Gerät - ich würde es
als Zwischending von Federhalter und
Wachskännchen bezeichnen - werden mit flüssigem
Wachs zunächst die Muster auf die Seide
gebracht, bevor diese dann koloriert werden. Ganz
andere aber nicht weniger romantische Szenen
bieten sich in den ausgedehnten Reisterassen: Der
einfache Holzpflug wird noch von Wasserbüffeln
gezogen, geerntet wird mit einer Sichel, und
jeder so geerntete Reisbüschel wird von Hand
ausgeschlagen, um die Körner vom Halm zu
trennen.
Ja, und dann ist
da noch das Handeln in Indonesien: Viele Händler
laden einen förmlich dazu ein: "Mein erster
Preis ist 100.000 Rupiah". Für uns ganz
ungewohnt, daß nichts einen festen Preis hat.
50% herauszuhandeln ist das Minimum, manchmal
schafft man es bis 30%. Eine Tuschezeichnung
kostet 30.000 Rupiah - als wir den Laden
verlassen haben wir fünf für 40.000. Gabys
Schnäppchen aber ist ein Halsreif aus Silber und
Gold, "first price" US$ 650 - sie
erhält es schließlich für DM 120,- . Und vor
allem bei den öffentlichen Verkehrsmitteln muß
man sich auskennen: Der Taxifahrer will 45.000
Rupien (unseren Hinweis auf den Taxameter
beantworten die Fahrer mit "Oh Misterrrr, me
bankrott"), während wir im Bus schließlich
1.000 Rupien bezahlen. Ja selbst auf der Bank
wird gehandelt. Die Gebühr zum Abheben von
Bargeld mit der Kreditkarte ist 17.500 Rupiah -
besteht man aber hartnäckig auf einer Quittung,
werden diese Kosten nicht erhoben ...
Hinduistische
Feuerbestattung
Heute hat Made
eine Feuerbestattung für uns ausfindig gemacht.
Wir erwarten etwas wie Beerdigungs-Stimmung, aber
weit gefehlt. Das ganze Dorf ist versammelt
(Teilnahme an dieser Zeremonie ist Pflicht), man
begrüßt uns freundlich und fordert uns auf, nur
nahe genug an alles heranzutreten und zu
fotografieren. Der Verstorbene war seit einem
Jahr begraben, doch solange er nicht verbrannt
wird, kann seine Seele den Körper nicht
verlassen. Also werden die Gebeine ausgegraben
und in einem kleinen Sarg, der kunstvoll und bunt
geschmückt ist, durch das Dorf zum
Verbrennungsplatz getragen. Dabei folgen alle
Einwohner, jeder hat herrlich bunte oder auch
nützliche Geschenke für den Toten: Von der
Fanta-Flasche mit Strohhalm über Zigaretten mit
Streichholz bis hin zu tollen Flechtarbeiten und
Stoffen. Diese äußerst farbenfrohe Prozession
wird von einem Gamelan-Orchester begleitet, und
allenthalben sehen wir nur fröhliche Gesichter -
denn bald wird seine Seele den Körper verlassen
dürfen und im Tempel bei den anderen Ahnen
wohnen können. Am Ort des Geschehens gibt jeder
Teilnehmer sein Geschenk in den Sarg, der
inzwischen in einer kleinen, offenen Bambushütte
steht. Sind alle Geschenke abgegeben, wird der
Kasten mit einem Deckel versehen und alles,
mitsamt der Hütte in Brand gesteckt. Je heftiger
das Feuer knackt, desto fröhlicher die
Anwesenden, denn um so schneller kann sich die
Seele vom Körper lösen! Abends, wenn alles
abgekühlt ist, werden die Knochenreste aus der
Asche gelesen und in einer Kokosnuß in den Fluß
geworfen - damit kann der Körper seiner
endgültigen Bestimmung im Meer entgegen gehen.
Stimmungsvolles
Bild am Borobodur
Ein Abstecher mit
Garuda bringt uns für vier Tage in das
Landesinnere von Java: Yogyakarta (nicht
zu verwechseln mit der Hauptstadt Jakarta) gilt
als das geistliche und kulturelle Zentrum
Indonesiens. Hier wohnt heute noch der Sultan in
seinem Palast im Stadtzentrum. Die großen
Sehenswürdigkeiten liegen doch etwas außerhalb:
Da ist zunächst Prambanan - einer der
größten hinduistischen Tempel der Welt. Im
Freilicht-Theater unter Mondschein erleben wir
das Ramajana-Ballet während im Hintergrund der
unter Flutlicht stehende Prambanan-Tempel eine
faszinierende Kulisse abgibt. Noch
beeindruckender ist Borobodur, der
größte buddistische Tempel. Über mehrere
terassenartige Umläufe erreicht der Pilger nach
einer 5 km langen Wanderung über den Tempel die
oberste Stufe, wo er dem Nirwana - dem Himmel -
am nächsten kommt. Aber auch die Altstadt von
Yogyakarta ist wirklich sehenswert. Alles ist so
eng und verwinkelt, daß wir uns kaum mehr
richtig orientieren können. Batik, Lederwaren,
Puppen für Schattenspiele - alles wird hier in
kleinsten Familienbetrieben hergestellt: Ein
Paradies für Gabys Taschengeld... Und das
Speisen in den kleinen Kneipen, den Warungs, ist
nicht nur schmackhaft sondern wirklich billig:
Ein Abendessen für uns beide mit Getränk
zusammen etwa DM 3.- Also Nasi und Mie Goreng in
allen Variationen bis satt! Vor allem die Details
faszinieren uns immer wieder: Die kleinen Pimpfe
im Hinterhof mit dem neugierigen Ruf "Hello
Misterrrr!", das Huhn, das in der
verkehrsreichen Hauptstraße im Rinnstein
unverdrossen nach Eßbarem pickt, bei jedem Haus
ein kleiner Ziehbrunnen mit Eimer, jede Menge
lärmende tropische Vögel, die in Käfigen
gehalten werden, die Art und Weise, wie jeder
versucht, sich etwas Geld zu verdienen. Da hat
einer eine Fahrradkette und setzt sich damit auf
die Straße, daneben bietet eine Frau saftige
Mangos an, im Hinterzimmer arbeitet eine Familie
an Batik, und immer wieder hören wir die Fragen:
Woher kommt ihr? Wohin geht ihr? Wie viele
Kinder? Wie lange seid ihr schon da? (diese Frage
beantworten wir grundsätzlich mit "Zwei
Monate" - denn dann gesteht man uns etwas
mehr Ortskenntnis zu und wir haben so eine viel
bessere Position beim Verhandeln von Preisen). In
einer kleinen Batik-"Fabrik" haben wir
eben mal wieder die Frage nach dem
"woher?" beantwortet: Germany. Der Mann
strahlt übers ganze Gesicht und erklärt uns
stolz, daß die Farben für seine Batik aus
Deutschland kommen, von Bayer München...
Ein letzter
Ausflug über Bali mit Made bringt uns in den
Osten der Insel. Wir sind überrascht, wie anders
hier alles ist: Sehr wenige Touristen, trotz
interessanter Sehenswürdigkeiten. In Goa Gaja
gibt es einen Tempel, der für Buddisten und
Hindus gemeinsam errichtet wurde, herrliche Wege
führen durch die endlosen Reisterrassen und
schließlich ist Tirtaganga der Höhepunkt: Eine
tolle Anlage mit Teichen und Blumen inmitten
dieser Reisfelder. Stundenlang könnten wir hier
sitzen, schauen, und den balinesischen Kaffee
dazu schlürfen (oder sollte ich besser sagen:
essen - denn ein massiver Kaffeesatz bildet sich
am Boden jeder Tasse).
Ägir ist
jetzt seit mehr als 5 Wochen in Bali. Zeit zum
Aufbruch, bevor die Leinen an der Pier
festwachsen. Und schon hat uns der Alltag wieder.
Einkaufen, Schiff richten, Ausklarieren bei nicht
weniger als fünf Behörden, denn je mehr Stempel
ein Papier hat, desto wichtiger und wertvoller
wird es! Und weiter geht's. Lembongan,
eine kleine Insel nur wenige Meilen vor Benoa
empfängt uns mit kristallklarem Wasser, Fels-
und Sandstrand wechseln sich ab und die bunten
Auslegerboote der Einwohner bieten ein
romantisches Bild am Strand - endlich wieder
allein! Was für ein Kontrast zu den wuseligen
Städten Balis und Javas. Wir sind richtig
fröhlich und froh darüber, wieder unterwegs zu
sein. Während sich in der Ferne der Gunung
Agung, der höchste Berg Balis, über die
Wolkendecke erhebt, pflücken die Einwohner
Seegras, das getrocknet für 100 Rupiah pro Kilo
(etwa 8 Pfennige) an Japaner zur Herstellung
von Kosmetika verkauft wird. Und der
Sternenhimmel ist hier draußen wieder
faszinierend. Direkt neben Spica steht ein
Gestirn, das dort gar nicht hingehört. Ein Blick
in das nautische Jahrbuch löst das Rätsel: Wir
haben zum ersten Mal in unserem Leben den
Planeten Merkur gesehen! Gelb und rot glühende
Lavaströme verbreiten ihren Schein, als wir in
der Nacht an der Ostküste Balis entlang segeln.
Das Touristen-Pflichtprogramm ist absolviert.
Über die Inseln zwischen Jawa und Singapur ist
im Reiseführer nichts mehr zu finden - sie sind
einfach für den Normaltouristen nicht
erreichbar. Also sind wir gespannt, was uns
erwartet.
Nach 4 Tagen auf
See fällt unser Anker nahe dem Dorf Tambak
auf der Insel Bawean. Als wir mit dem
Beiboot an den Strand kommen, empfängt uns eine
ganze Schar johlender Kinder: "Good morning,
Misterrrr!" Unser Bummel gleicht heute also
eher dem Umzug bei einem Kinderfest. Bawean ist
irgendwie typisch indonesisch: Kleine Reisfelder,
die mit Wasserbüffeln bestellt werden, riesige
Palmen wie schon in Ambon säumen die Straße und
vermitteln etwas Urwaldgefühl, mittendrin eine
Drescherei, die den Reis von der Schale löst.
Die Reisbüschel, wie im übrigen alles andere
auch, werden auf dem Kopf balancierend
transportiert. Unzählige Male beantworten wir
geduldig die Fragen woher? wohin? Wie viele
Kinder? Es herrscht Ruhe - nichts von dieser
Hektik Ambons oder Denpasars. Als wir der Straße
entlang gehen, hält der Bus an, der Fahrer
stellt den Motor ab zum Zeichen, daß er Zeit
hat, mit uns zu Plaudern. Seine Fahrgäste
lauschen interessiert, keiner beschwert sich.
Fragt man nach der Abfahrtszeit, ist die Antwort
entweder "jam karet" (Stunde
Gummi) oder "sebentar" (das
bedeutet "gleich" - heißt aber soviel
wie "vielleicht irgendwann in den nächsten
drei Stunden"). Man (und Frau) kaut
Betelnüsse, einen schauderhaft rötlichen Saft
ausspuckend. Betelnüsse wirken betäubend - etwa
wie die Kava in Fiji oder Vanuatu. Mitten im Dorf
wird gerade ein großes Schiff gebaut. Mit der
Axt und anderen, einfachen Werkzeugen werden die
Stämme behauen, und wir können schon erkennen,
was es werden soll. Die Arbeiter freuen sich
riesig, als wir Bilder machen. Wie die dieses
schwere Teil jemals ins Wasser kriegen? Vor einem
Haus sitzen zwei Männer und spielen eine Art
Pool-Billard. Auf einem flachen Tisch aus
poliertem Stein werden Knöpfe - wie wir sie vom
Dame- oder Mühle-Spiel her kennen - mit den
Fingern gegeneinander geschnipst. Die
Geschicklichkeit und Treffsicherheit ist einfach
umwerfend, und fast bei jedem "Schnips"
rutscht der angespielte Stein ins Loch. Gegen
Mittag werden die Straßen leer - es ist
inzwischen richtig heiß, die Sonne steht fast
senkrecht über uns. Das Mittagsschläfchen wird
in kleinen Hütten abgehalten, die keine Wände
haben, sondern nur ein Dach - sozusagen in aller
Öffentlichkeit.
Wiederum ganz
anders zeigt sich die Inselgruppe Karimun Jawa:
Kokospalmen, weißer Sandstrand, davor ein
Korallenriff mit glasklarem, warmem Wasser
(selbst Gaby gibt keinen Juchzer von sich, als
sie ins Wasser steigt!), eine Szenerie wie im
Südpazifik, Schnorcheln ist herrlich, und dazu
ruft der Muezzin - wir sind jetzt schon deutlich
im Einfluß des Islam... Bei unserem Spaziergang
durch das Dorf gleichen wir mal wieder dem
Rattenfänger von Hameln - eine große Schar
Kinder folgt uns, überall bittet man uns, Fotos
zu machen - vor allem von Müttern mit ihren
Babys. Auf dem Dorfplatz werden kleine Fische in
der Sonne getrocknet, und sowie die Marktfrauen
nicht aufmerksam sind, ergattern sich die Enten
am Markt, was sie können! Ganz erstaunlich ist,
daß die Dorfstraße sauber geteert ist, obwohl
es keine Autos gibt. Auch die Häuser sind sauber
gefließt und machen einen wirklich properen
Eindruck. Muhammed tauscht gerne ein paar
Kokosnüsse gegen Schokolade und er ist so stolz,
auf einer Yacht zu sein, daß wir fast
Schwierigkeiten haben, ihn höflich wieder
loszuwerden.
Unberührtes
Indonesien
Mit Hilfe von
einheimischen Fischern finden wir eine nur
5 m breite und 3 m tiefe Einfahrt im
Riff zur Lagune vor der Insel Nyamuk. Dank
der atemberaubenden (nicht kartographierten)
Einfahrt wird diese Insel praktisch nie von
Yachten besucht, schon gar nicht von
Normaltouristen. Wir sind noch nicht richtig
verankert, als bereits eine Meute Einheimischer
unser Boot bestürmt. Wenig später besucht uns
der Leuchtturmwärter mit zwei Kollegen, und wir
praktizieren die wenigen Worte indonesich, die
wir kennen - den Rest übernimmt das Wörterbuch.
Der Kaffee und die vielen Mars waren enak,
die Deutschen bagus, und sie versprechen
uns Kokosnüsse und Fisch für den nächsten Tag
- denn wir müssen unbedingt kommen und ihren
Leuchtturm besichtigen. Und wir werden nicht
enttäuscht. Indonesien ganz anders. Die Menschen
sind wesentlich zurückhaltender und irgendwie
herzlicher. Zum ersten Mal sind die Häuser
vorwiegend aus Bambus, gedeckt mit Palmblättern,
die Wege Natur, und zum ersten Mal in Indonesien
werden wir gebeten, ein Haus von innen zu sehen.
Die Küche ist faszinierend einfach. Auf einer
primitiven Holzmühle werden Kokosmark oder
Tapioka gemahlen. Mit viel Geschick kontrolliert
die Hausfrau das Holzfeuer und mit einer kleinen
Handbewegung wird es von "großer
Flamme" auf "kleine Flamme"
getrimmt. Das Trinkwasser kommt aus 50 m
tiefen Ziehbrunnen - weit unter dem
Meeresspiegel. Hühner, Ziegen, Enten, Tauben und
Kühe teilen sich das Anwesen mit den Menschen.
Und wir dürfen auch eine Moschee von innen
besichtigen. Ein ziemlich kahler Raum, einige
arabische Schriftzüge an den Wänden, lediglich
in zwei kleinen Nischen liegen herrliche
Gebetsteppiche. Und schon um 04:30 Uhr in der
Frühe ruft der Muezzin elektrisch verstärkt
über die ganze Insel... Wenig weiter wohnt eine
Familie am Strand und wir werden eingeladen,
Kokosnußsaft zu trinken. Die Freude, als wir
Bilder machen, ist unbeschreiblich und steigert
sich noch, als Gaby zum Dankeschön zwei T-Shirts
und Shampoo auspackt. Die Frau kriecht förmlich
in Gabys Rucksack, um zu sehen, ob sich sonst
noch etwas Brauchbares darin befindet und erntet
noch mehr Kokosnüsse - die müssen wir
mitnehmen, und die beiden Männer sind gerade
dabei, sich ein Boot zu bauen. Das Ganze liegt
hinter dem Riff an einem herrlichen Sandstrand -
einer der wenigen wirklich herrlichen Plätze
dieser Welt, die der Tourismus noch nicht
erreicht hat. Marjito, der uns über die ganze
Insel geführt hat, lädt uns am nachmittag ein,
zum Volleyball zu kommen - allabendliches
Großereignis im Dorf, zumal mit zwei Weißen.
Die Fischer kommen längseits, schrecken uns erst
mit Seegurken ab, am Ende tauschen wir eine
herrliche Coral Trout und eine handvoll Muscheln
gegen T-Shirt und kurze Hose. Das gibt ein wahres
Festessen - zumal heute der 3. Oktober ist!
Das Wasser ist herrlich warm und so gehen wir
schnorcheln am Riff - Gaby hat bald schon das
halbe Beiboot voll mit Muscheln und Schnecken.
Unser Fisch - T-Shirt Tausch hat sich in
Windeseile herumgesprochen, und wir werden
täglich liebevoll mit Fisch, Hummer und Perlmutt
versorgt - und Gabys
Sommerschlußverkauf-Hamsteraktion in Australien
trägt leckere Früchte. Auf unserem letzten
Spaziergang durch das Dorf verursachen wir
großes Erstaunen, als wir ein Kilo Reis kaufen
und erklären, das reiche uns für die nächsten
4 Wochen - auf Nyamuk reicht diese Menge einer
Person gerade mal für einen Tag. Und zum
Abschied schenkt uns der Leuchtturmwärter noch
einen Armreif aus schwarzer Koralle, den er
selbst gearbeitet hat. Sein Ägir-Racing
T-Shirt verstaut er sofort sorgfältig in seinem
Haus, ehe er uns zurück zum Beiboot begleitet.
Und der Abschied fällt mal wieder schwer... Mit
Tränen in den Augen macht er uns noch ein ebenso
überraschendes wie lieb gemeintes Kompliment:
"Hitler war kein Deutscher, er war
Österreicher - nicht wahr?"
6. Oktober 1994 -
unser Sextant mißt die Sonnenhöhe am Mittag mit
genau 900. Seit 2½ Jahren steht die Sonne zum
ersten Mal wieder im Süden. Nun können wir
endlich auch unsere Backbord-Seite bräunen. Wir
nähern uns dem Äquator und den Doldrums - der
windstillen Zone zwischen Süd- und
Nordhalbkugel. Es ist so schwül und heiß, daß
unser Pumpernickel sogar in der verschweißten
Plastikverpackung schimmelt. Tagsüber tragen wir
nur noch Sonnenbrille und Mütze, nachts noch
weniger... Schwere Gewitter entladen sich aus dem
oft wolkenverhangenen Himmel, manchmal 24 Stunden
lang ohne Unterbrechung. Seit Anfang Juni der
erste Regen! Und schlechte Sicht. Hatten wir auf
See schon oft Besuch von Tölpeln, Schwalben oder
Schmetterlingen - auf dem Weg von Mendanau nach
Lingga ruht sich ein ganz anderes Tier an Bord
aus: Eine kleine Fledermaus. Zwischen den
häutigen Flügeln hat der kleine Körper ein
wirklich kuschelig weiches, braunes Fell. Mit den
Hinterbeinen hängt sie sich an unsere Lifeline,
streckt sich nochmal, gähnt herzhaft (zeigt uns
dabei das kleine, scharfe Gebiß), muckst sich
nicht mehr und läßt sich streicheln. Erst zwei
Tage später, als wir wieder am Anker liegen,
rappelt sie sich am Abend auf, flattert noch eine
Runde ums Boot, und weg ist sie wieder. Wir haben
an uns noch keine Bißwunde am Hals entdeckt.
Die Inselgruppe um
Lingga überrascht uns mit hunderten von
Häusern, die als Pfahlbauten mitten im Wasser
stehen. So müssen die Fischer nicht mühsam in
diesen täglichen Gewittern auf See, sondern
können direkt von ihrem Haus aus arbeiten. Auch
die Häuser des Dorfs auf der winzigen Insel Penoh
stehen alle auf Stelzen - Haus und Bootsanleger
in einem. Ein ganz romantischer Anblick, und so
gehen wir voller Erwartung an Land. Unser Beiboot
liegt noch nicht richtig am Strand, schon sind
wir umringt und beantworten die bekannten Fragen:
Woher, wohin, wie viele Kinder? Deutschland -
Alexander. Wir verstehen nicht richtig, doch
immer wieder erzählt man uns irgend etwas von
Alexander. Ein älterer Mann lädt uns ein, in
sein Haus zu kommen, vor der Tür steht ein
Behälter mit Wasser, um sich die Füße zu
reinigen. Kaum haben wir Platz genommen, bringt
seine Frau das Fotoalbum und damit des Rätsels
Lösung: Alexander aus Berlin hat hier vor zwei
Jahren einige Tage Urlaub verbracht - und das ist
heute noch die Sensation im Dorf. Wir geben ein Ägir-Foto
dazu. Nur wenig später - es ist noch früh am
Morgen - redet unser Gastgeber von makan
("essen") und bedeutet uns einige
Häuser weiter zu gehen. Wir ziehen wieder unsere
Schuhe aus und nehmen im Schneidersitz auf dem
Fußboden des ansonsten kahlen Raums Platz. Immer
mehr Männer gesellen sich zu uns, sie tragen
jetzt alle eine ovale Kopfbedeckung aus schwarzem
Samt. Wir unterhalten uns in unserem besten
Indonesisch. Kommt noch ein weiterer hinzu,
betritt er den Raum und verbeugt sich soweit,
daß seine rechte Hand fast den Fußboden
berührt, eine Geste der Höflichkeit und Achtung
gegenüber den bereits sitzenden Gästen. In
dieser Haltung schleicht er sich an einen noch
freien Platz. Als ein Mann mit seiner Frau dazu
kommt, ist uns sofort klar: Das ist etwas
Besonderes, und in der Tat, es ist der Imam, der
islamische Priester. Frauen servieren das Essen.
Sie bringen es aber nur bis an die Tür, dann
wird es von den Männern im Raum weitergereicht.
Der Imam spricht etwa 15 Minuten lang das
Tischgebet. Alle öffnen dazu die Hände und
drehen dabei die Handflächen nach oben. Ich
verstehe immer wieder mal etwas wie "Allah
il Allah", die etwa 30 anderen Männer
murmeln gedämpft mit. Gegrillter Thunfisch in
einer würzigen Marinade von Tomaten, mit Nelken
und Zimt gekochte Ananasstückchen, Hähnchen mit
Kartoffeln und Kalbfleisch, dazu natürlich Reis,
werden als Hauptspeise serviert. Der Nachtisch
besteht aus grünem Seegraspudding (ganz lecker -
ehrlich), Kuchen und Tee. Man ißt mit der Hand
und wir sind krampfhaft bemüht, unsere linke
Hand aus dem Spiel zu lassen - denn diese ist im
Islam ja bekanntlich unrein. Es ist gar nicht so
einfach, Reis mit einer Hand zu essen. Er wird zu
Klumpen zusammengedrückt, dann geht's schon
besser. Gaby erntet verständnisvolles
Schmunzeln, als sie zu guter letzt doch noch den
(uns einfühlsamer Weise angebotenen) Löffel zu
Hilfe nimmt. Kurz, schon morgens direkt nach dem
Frühstück ein kulinarischer Höhepunkt in
Indonesien, und das auf einer Insel mit nur etwa
300 Einwohnern, die auf keiner Landkarte zu
finden ist. Wir bedanken uns bei unserm Gastgeber
mit einem Kalender, der wunderschöne Aufnahmen
aus Deutschland zeigt. Anschließend wollen wir
eigentlich nur noch einen Verdauungsspaziergang
um die Insel machen, und wie schon so oft, zieht
eine ganze Schar Kinder mit uns. Diese sammeln
für Gaby Muscheln (20fache Ausbeute wie
normal!), und als wir schließlich mit dem
Beiboot zu Ägir zurückfahren, befinden
sich darin noch zwei Thunfische und vier riesige
Kokosnüsse. Diese Insulaner sind wirklich zu
lieb.
Überall
zufriedene und fröhliche Kinder
Nachmittags
besuchen uns zwei Boote voller Kinder. Gabys
"Saarland-Bildband" ist wohl das
Faszinierendste und sie verschlingen jedes Bild
einzeln. Mit der Erinnerung an unsere Erfahrungen
in Ambon geht Gaby mit unserer Wäsche am
nächsten Morgen zum Waschplatz des Dorfes. Dort
werden die Frauen so zutraulich, daß sie es
schließlich wagen, uns zu fragen, ob sie mal an
Bord kommen dürfen - klar: Selamat datang.
Und wenig später haben wir 17 Besucher auf
einmal an Bord. Und sie sind so fasziniert von
all den Details, daß sie gar nicht mehr gehen
wollen. Während man sich im Dorf an einem
gemeinsamen, öffentlichen Waschplatz, dem mandi,
reinigt, finden sie es einfach unglaublich, daß
wir unser eigenes mandi an Bord haben! Und
beim nächsten Landgang erhalten wir die
indonesische Antwort auf unsere Gastfreundschaft:
Schon im ersten Haus werden wir herein gewunken,
nehmen Platz und bekommen Vanilletee und Kekse
angeboten. Es ist kaum zu glauben, aber bei
diesem Spaziergang durchs Dorf geht es gerade so
weiter. Es ist ihnen ein großes Bedürfnis, uns
auch einzuladen - und so ziehen wir diesmal von
Familie zu Familie, von Wohnzimmer zu Wohnzimmer
- mal mit Sofa und Sessel, oft aber nur ein
kahler Raum mit Linoleum-Fußboden. Tee, Kakao,
undefinierbare Getränke, Kekse, getrocknete
Fische, Kretek und vieles andere werden uns
angeboten. Dabei begleitet uns eine Delegation
von mindestens 20 Leuten, und Gaby kann kaum mehr
fotografieren, denn wenn immer sie den Apparat
zückt, stellt sich die ganze Meute auf:
"Foto! Foto!" - und das eigentliche
Motiv ist nicht mehr zu sehen. Wir erklären,
daß wir morgen weitersegeln. Kurz vor Dunkelheit
kommt noch einer unserer Dorfbewohner mit dem
Kanu, und bringt uns als Geschenk eine
geflochtene Abdeckung für Speisen - damit die
Fliegen nicht drankommen. Diese Menschen sind
wirklich so herzlich, und ich denke, wir haben
auch hier mal wieder einiges dazu gelernt.
15. Oktober 1994,
09:30 Uhr - wie überqueren den Äquator und
ankern ganz nahe dabei an der Insel Kentar.
Statt Sonnenstich gibt's zur Feier des Tages
Bienenstich und in das Kokoswasser mischt sich
ausmahmsweise ein Schuß Rum. Von unserem
Ankerplatz aus kann man schwimmend den Äquator
mehrfach kreuzen (man muß halt aufpassen, daß
man sich nicht darin verheddert). Das lassen wir
uns nicht entgehen, zumal es heute - wie immer in
den letzten Tagen - 380 C warm ist.
Die letzten Meilen
in indonesischen Gewässern bringen uns nach Tanjung
Pinang, Hauptstadt der Provinz Riau. Wir sind
fast erschlagen von der Menge der Häuser,
Menschen, Boote und Schmutz und würden am
liebsten gar nicht erst an Land. Doch wir müssen
ausklarieren. Das ist überraschend einfach, um
so schwieriger gestaltet sich das Ausgeben
unserer letzten Rupiah. Vier Wochen von Bali bis
Tanjung Pinang sind ein absoluter Rekordmonat
für uns. Außerhalb der Touristenzentren ist das
Leben in Indonesien so preiswert, daß wir diesen
Monat gerade mal DM 54 ausgegeben haben - und
davon waren DM 45 für Diesel. Da freut sich halt
ein richtiger Schwabe!
Singapur

Nach Indonesien
ist Singapur wirkliches Kontrastprogramm. Die
Stadt ist so groß, daß wir erst mal einen Tag
benötigen, um uns zurecht zu finden. Adressen
werden nicht wie bei uns mit Straßennamen und
Hausnummern, sondern oft nur als
Gebäudebezeichnung angegeben. Also ist die
Einwanderungsbehörde im World-Trade-Center, der
Seekartenhändler im Marina-Building und der
Hafenmeister im Tanjong-Pagar-Complex. Haben wir
endlich das richtige Gebäude erwischt, ist jeder
dieser Wolkenkratzer wiederum so groß, daß man
sich darin verirren kann. Singapur, das heißt
auch: Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert
- Busse und Bahnen sind voll automatisiert,
überall Rolltreppen, Glas und Spiegel, und
natürlich alles voll klimatisiert - kein Wunder,
daß Gaby schon nach zwei Tagen eine Erkältung
spürt. Bei mir dauert es nur einen Tag länger.
Nachdem wir das öffentliche Nahverkehrssystem
durchschaut haben, ist dies aber wirklich
vorbildlich. Extrem gute Verbindungen in dieser
fast 3-Millionenstadt zu günstigen Preisen - man
braucht hier wirklich kein Auto. Die limitierten
Zulassungen für Autos werden nach einem etwas
dubiosen System versteigert. Drei Tage lang sind
wir hinter unserem Papierkram her, und als dann
endlich auch die Visa für Thailand erhalten
haben, können wir uns entspannt diesem Singapur
widmen. Um auf dieser kleinen Insel mit so vielen
Einwohnern Ordnung zu halten, sind es die
Verordnungen, die uns zuerst auffallen. Ein
Hinweis im Seehandbuch zeigt, daß langhaarige
Männer nicht willkommen sind. Sie bekommen doch
tatsächlich einen besonderen Stempel in ihren
Paß: SHIT - Suspected Hippie In Transit.
Die absolute Unverschämtheit! Ein Schild
erklärt, daß in Büros Hippies erst dann
abgefertig werden, wenn alle anderen bedient sind
- also immer an das Ende der Schlange. Und Hippie
ist, wer eines der folgenden drei Kriterien
erfüllt:
die vorderen
Haare können bis an die Augenbrauen gezogen
werden
die Haare
gehen über die Ohren
die Haare
krausen sich im Nacken
und damit würde
auch fast jeder in diese Katergorie fallen!
Kaugummi kauen und Knutschen in der
Öffentlichkeit sind verboten, das Wegwerfen des
Bustickets kostet $ 1000 Strafe, das
Überqueren der Straße neben
Fußgängerüberwegen ebenso, und auf
Drogenbesitz steht gar die Todesstrafe. Diese
Verordnungen werden gleichzeitig jedoch durch
geeignete Maßnahmen unterstützt - so gibt es in
dem Park, vor dem wir gerade ankern, wohl mehr
Abfalleimer als Bäume - mit dem Effekt, daß die
Stadt auf den ersten Blick wirklich klinisch rein
wirkt. Wir benötigen eine ganze Zeit, bis wir
die wenigen liebenswerten Ecken finden, bevor wir
Singapur schon nach nur 7 Tagen enttäuscht
wieder verlassen.
In Singapur sind
mehr als drei Viertel der Einwohner Chinesen -
eine tolle Küche bietet sich da an allen Ecken
und Enden in kleinen Kneipen und Ständen. Die
Minderheiten leben, wie in vielen anderen
Städten auch, in gewissen Vierteln geballt.
China Town ist schon weitgehend der
Stadtsanierung zum Opfer gefallen. Nach unserem
Erkundungsgang im Zentrum, das sehr europäisch
oder amerikanisch wirkt, zieht es uns nach Little
India, denn es ist gerade Deepavali -
ein buntes Lichterfest der indischen Hindus. Und
in diesem Stadtviertel erkennen wir Singapur kaum
wieder. Ein Markt so wuselig und schmuddelig wie
halt ein richtiger asiatischer Markt sein muß,
die Verkäufer aber höflich und zurückhaltend.
Mit den vielen kleinen Läden aller Art in den
Seitenstraßen fühlt sich Gaby hier richtig
wohl. Ohne diese Straßenfeste der Hindus und
Chinesen wäre in Singapur überhaupt nichts
fröhlich-buntes zu erleben. Deshalb machen wir
uns an unserem letzten Tag hier nochmals auf zum fire
walking. Eine Zeremonie der indischen Hindus.
Mehrere hundert Männer beten und tanzen sich
einen ganzen Tag lang in Trance, ziehen dann in
einem kilometerlangen Festzug durch die
verkehrsreichen Straßen Singapurs zu ihrem
Tempel. Dort brennt schon stundenlang ein Feuer,
und einer nach dem anderen geht barfuß etwa
10 m weit durch die glühende Asche - ohne
irgendwelche Schmerzen oder sichtbaren Schaden zu
nehmen. So faszinierend dies ist, so dicht
gedrängt sind natürlich auch die
Menschenmassen. Die Angehörigen der Männer sind
schon seit den frühen Morgenstunden im Tempel,
eine farbenprächtig-wuselige Angelegenheit, und
die Schuhe türmen sich in Bergen vor dem
Eingang.
Malaysia

Wir klarieren in Port
Kelang ein. Der Royal Selangor Yacht Club
heißt uns herzlich willkommen. Swimmingpool
direkt am Dinghianleger, Mooring für Ägir,
ein tolles (malaysisches) Restaurant,
freundliche, zufriedene Menschen - hier ist die
Welt wieder richtig in Ordnung. Unser erster
Ausflug bringt uns nach Kuala Lumpur. Eine
faszinierende Millionenstadt - asiatisch wuselig,
und doch ein Hauch westlicher Zivilisation. Wir
fühlen uns richtig wohl, alles hat wieder einen
festen Preis und im Gegensatz zu Singapur darf
man sich hier wieder wie ein normaler Mensch
benehmen. Die Einwohner sind sehr hilfsbereit und
freundlich, wir betreten den ersten
buddhistischen Tempel und dürfen uns innen in
aller Ruhe überall umschauen. Zuerst steigt uns
der exotische Duft der allgegenwärtigen
Räucherstäbchen in die Nase, dann beeindrucken
uns die bunten Farben der Altäre, an einer Seite
werden allerlei Opfergaben an die Besucher
verkauft, die dann im Tempel Buddha in geeigneter
Form dargeboten werden: Orangen, Kuchen,
Räucherstäbchen, symbolisches Papiergeld und
Rasselstäbchen. Die Gläubigen knien vor der
Statue, schütteln diese Stäbchen bis eines aus
dem Bambusköcher herausfällt - und leiten
daraus ihr Schicksal oder einfach nur die
Lotteriezahlen ab. In der malaysischen
Touristen-Information werden wir beispielhaft
bedient, und schon ist die Dschungel-Tour
gebucht.
Taman Negara
ist der größte Nationalpark Malaysias und mit
130 Millionen Jahren angeblich der älteste Wald
der Welt. Drei Stunden fahren wir mit dem Bus ins
Landesinnere, dann steigen wir in ein flaches
Holzboot mit 40 PS Außenborder um, und
nochmals geht es fast drei Stunden lang den Fluß
hoch - nur so ist dieser Regenwald erreichbar.
Mit sehr viel Erfahrung steuern die Einheimischen
dieses Kanu durch die Stromschnellen, doch als
erfahrener Skipper muß ich manchmal ein bißchen
die Luft anhalten, wenn in reißender Strömung
nur eine handbreit Platz zwischen Boot und Fels
bleibt.
Orang Asli
mit Blasrohr
Hier gibt es noch
wilde Tiger, Kobras und Elefanten, doch dieses
Großwild ist sehr scheu und man braucht sehr
viel Zeit, noch mehr Geduld und schon ein ganzes
Quantum Glück, um es zu Gesicht zu bekommen.
Dagegen sind Insekten aller Art, Skopione,
Vögel, Affen oder Tapire schon leichter zu
finden. Bereits auf der Fahrt den Fluß hoch
sehen wir zahlreiche Eisvögel, und der Wald
scheint einfach undurchdringlich. Die Wanderwege
von unserer Unterkunft aus sind gut erkennbar,
und das Besondere auf unserer ersten Tour ist
kein Tier, sondern wir treffen auf einen orang
asli, einen der Ureinwohner dieses Gebiets
vom Stamm der negrito. Er trägt nur ein
Messer und ein etwa zwei Meter langes Blasrohr
aus Bambus, mit dem er Affen jagt. Später, in
seinem Dorf, erfahren wir mehr über das Leben
dieser Nomaden. Eine Woche Arbeit steckt in so
einem Blasrohr, denn die natürlichen Kammern des
Bambus müssen sauber weggearbeitet werden, so
daß letztendlich dieses Rohr innen so glatt und
gerade ist, wie der Lauf eines Gewehrs. In dieses
lange Bambusrohr kommt man nur mit einem
weiteren, dünneren Bambusstock - eine wahre
Fleißaufgabe, und das Ergebnis ist wirklich
perfekt. Die Pfeile sind aus Palmholz geschnitzt
und normalerweise nicht vergiftet. Er zeigt uns,
wie er auf bis zu 30 m Höhe ein etwa
handflächengroßes Stück Papier trifft -
einfach unglaublich. Die Frauen schnitzen
Haarkämme aus Bambus, und ansonsten führen sie
ein sehr einfaches Leben, noch wie zu Urzeiten.
Interessant ist, daß wir schon zweijährige
Kinder rauchen sehen. Man erklärt uns, daß dies
einmal eine gute Methode ist, Stechmücken fern
zu halten, zum anderen werden so die kleinen
Kinder ruhig gehalten, denn bei der Jagd auf
Affen mit so einfachen Mitteln ist jegliches
Geräusch zu vermeiden. Ihre Hütten ähneln
denen in Vanuatu, nur daß die Wände aus
Baumrinden gemacht sind - Bahnen fast einen Meter
breit!
Der Höhepunkt in
diesem Dschungel ist für uns eine Nachtwanderung
(keine Angst, natürlich mit Führer). Ohne daß
wir etwas sehen - allein die vereinten Geräusche
der Tiere, die wir aus allen Richtungen hören,
sind schon eine Faszination für sich: Grillen,
Zikaden, Vögel und bellende Hirsche. Eine
Grillenart gibt einen Ton von sich wie eine
Kreissäge. Im Schein der Taschenlampen sehen wir
etwas, das wie kleine Katzenaugen strahlt: Die
Augen von Spinnen und Schmetterlingen in
neongrün, blau und orange. Ein Pilz ist durch
den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht
richtig am dampfen, und wir treffen auf andere
Pilze, die fluoreszieren - mitten im Wald, in
absolut stockfinsterer Nacht schimmert ein von
Pilzen befallener Baumstamm gespenstisch-milchig
weiß. Es gibt etwa 2000 Arten von
Stabheuschrecken. Sie sind nachtaktiv und sehr
unscheinbar. Sehen aus wie ein Stückchen Holz.
Und sie werden bis zu 30 cm lang und
fingerdick.
Die Gefahren des
Urwalds sind nicht etwa Tiger oder Kobra. Viel
lästiger und aufdringlicher sind die Schnaken
allüberall, Blutegel, Wanzen im Bett und beim
Frühstück (!) verknackse ich mir doch
tatsächlich den Knöchel. Voll mit neuen
Eindrücken kehren wir nach vier anstrengenden
aber erlebnisreichen Tagen zu Ägir
zurück - und das Gefährlichste war das
Frühstück!
Auch an der Küste
ist es um diese Jahreszeit schwül, feucht und
heiß. Wir gewöhnen uns an die täglichen,
schweren Gewitter. Die damit verbundenen Schauer
sind so heftig, daß wir mit unserem 2 m2
großen Regendach in nur 15 Minuten bereits
40 l Wasser auffangen.
Über Pankor und
Pulau Rimau segeln (ja, seit vier Wochen
haben wir mal wieder etwas Wind!) wir nach Penang.
Dabei passieren wir die drittlängste Brücke der
Welt. Immerhin 13,5 km lang. Diese kleine
Stadt gefällt uns von allen asiatischen Städten
bisher am Besten:
Farben und Gerüche am Tempel
Was sich gestern
abend bei einem kurzen Spaziergang andeutete,
bestätigt sich heute: Georgetown ist eine ganz
besonders faszinierende Stadt, die asisatischen
Charme und Trubel mit westlichen Hygienestandards
zu kombinieren weiß. Den Löwenanteil der
Bevölkerung stellen die Chinesen, gefolgt von
Malayen und Indern. Und so schaffen sie eine
friedvolle Koexistenz der größten
Weltreligionen Buddhismus, Islam, Hinduismus und
Christentum. Eine Mischung auch, die den
einzelnen Stadtvierteln ihre liebenswerten
Besonderheiten beschert. In den engen Gassen, von
Chinesen bewohnt, schweift unser Blick immer
wieder durch weit geöffnete Türen in Wohnungen,
deren Hausaltäre einen zentralen Punkt im
Wohnraum bilden. Händler gehen auf den Gehwegen
ihrem Gewerbe nach, zerhacken Schildkrötenpanzer
für die nach Potenzmitteln so gierigen Chinesen,
erledigen Post für Schreibunkundige oder bemalen
verstaubte Holzfiguren mit grellen Acrylfarben.
Stundenlang könnten wir so durch die Gegend
schlendern, uns ziellos und doch magisch von
dieser für uns so fremden Welt anziehen lassen.
Das Clanhaus der
chinesischen Familie Khoo soll das
prunkvollste im südasiatischen Raum sein, und
das, obwohl der erste Bau abbrannte, die jetzige
Variante viel einfacher in der Ausführung
ausgefallen ist. Wir sind also ganz schön
vorgespannt, als wir uns voller Erwartung der
letzten Wegbiegung nähern. Aber nichts hat uns
auf einen derart prächtigen Anblick vorbereitet.
Das rote Dach, verziert mit zahlreichen goldenen
Drachen und Schnitzereien wetteifert mit dem
prächtigen, von riesigen steineren Wächtern
gesäumten Treppenaufgang um die Bewunderung des
Betrachters. Dazu riesige bunte Lampions, die
filigranen Wandfiguren, die äußerst dekorativ
schnöde Fenstervergitterungen ersetzen ... wir
betreten den mittleren Raum, in dem sich ein
großer Altar befindet. Opfergaben, dazu Reiswein
und Tee in kleinsten Tassen, riesige
Kupferbehälter mit Räucherstäbchen, Öllampen.
Dazu die geschnitzten Deckenbalken, riesige
Wandmalereien, mit Intarsien aus Perlmutt
verzierte Stühle und Tische. Die beiden
seitlichen Zimmer mit ihren kleinen Altären sind
mit Namenstafeln des weltweit verstreuten
Familienclans bedeckt. Ausschließlich
Akademiker, die, ob in London, Paris oder L.A.
wohnhaft, hier in Penang das Zentrum ihrer
Familie sehen.
Nur wenige
Straßenzüge weiter, betreten wir den nächsten
Tempel. Schon im Vorhof empfangen uns wahre
Rauchschwaden, denn hier werden die Geldscheine
verbrannt und auch die überschüssigen
Räucherstäbchen den Flammen übergeben. In den
einzelnen Tempelräumen wimmelt es nur so von
Gläubigen, die alle mit ihren Räucherstäbchen
in der Hand Verbeugungen ausführen, nur um sich
anschließend die tränenden Augen zu wischen.
Die chinesische
Küche Penangs ist zu Recht als vorzüglich
klassifiziert. Zwar können wir der Speisekarte
kaum entnehmen, was wir so richtig bestellen,
aber es schmeckt einfach toll: Frühlingsrollen,
Hähnchen am Spieß mit Erdnußsauce und eine
knackige, süß-sauere Kombination aus
Tintenfisch und Gemüse.
Gaby ersteht noch
ein unglaublich schönes chinesisches Schreibset
eigener Komposition: Zwei Bambuspinsel, eine Dose
mit kreisrundem Tintenstein sowie dem dazu
benötigten Mischstein und ein chinesisches
Schulschreibheft. Natürlich ist für unsere
Auffassung die Rückseite beschriftet und die
Blätter sind keineswegs liniert, sondern haben
"Hilfskästchen" für die chinesischen
Schriftzeichen von hinten nach vorne und von oben
nach unten. Und unsere Souvenirsammlung wird um
ganz niedliche Einzelteile erweitert:
Porzellanbänkchen zur Ablage der Eßstäbchen,
sowie die für Schwimmleuchten notwendigen
Einzelteile wie Korkschwimmer und Dochte.
So ab und an
braucht der Mensch einfach ein wenig Luxus, haben
wir uns gesagt, als wir das Restaurant für unser
Mittagessen auswählten. Aber vor das Vergnügen
hat der Herr die Arbeit gesetzt und so widmen wir
uns zunächst der Reparatur des Türschlosses. Es
ist einfach unglaublich, wie verstaubt und
unorganisiert der lokale Schlüsseldienst
aussieht - kein Vergleich zu Mister Mint. Dafür
aber wird die gebrochene Feder durch eine von
Hand maßgefertigte ersetzt, und wir dürfen uns
die Wartezeit bei einem Kaffee vertreiben.
Schließlich ist unser Schloß so gut wie neu (in
Australien galt es als nicht reparabel), und das
Ganze dauert gerade mal 5 Minuten.
Das Restaurant im
Nobelhotel Shangri La wirbt mit seiner
Speisekarte, die über 45 verschiedene Arten von dim
sims aufweist. Zum Glück für uns, auch in
englischer Sprache und so stellen wir uns voller
Vorfreude unser Menü zusammen: Frittierte dim
sims mit Shrimps, dim sims mit Speck und eine
Variante mit gehackten Krabben und Fleisch. Dazu
natürlich einen chinesischen Tee. Wir sind
mittlerweile ganz geschickt im Umgang mit den
Stäbchen und so tauchen wir unsere Leckerbissen
richtig galant in die unterschiedlichen Sößchen
- von einer Art Majonnaise über Chilli-,
Pflaumen- und diversen Sojasaucen. Einfach
köstlich. Der zweite Gang besteht dann aus Spare
Ribs, dim sims mit .... und nun läßt mich mein
Erinnerungsvermögen im Stich. Uns schmeckt es
jedenfalls so gut, daß wir noch eine dritte
Bestellung aufgeben. Es geht uns halt doch nicht
sooo schlecht.
Ein letzter
Ausflug in Penang bringt uns zum cultural
center. Dort werden traditionelle,
malaysische Tänze geboten. Die Kostüme sind
farbenprächtig wie überall in Südostasien. Der
"Bauerntanz" erinnert uns ein wenig an
griechische Rythmen und Bewegungen.
Publikumsliebling ist der "Pfau", ein
graziler Tänzer, mit Pfauenfedern geschmückt.
Beim Neckermann-Finale (das Publikum mischt sich
unter die Tänzer und versucht sich selbst),
verlassen wir das Gelände und sind erstaunt,
über die malaysische Höflichkeit: Da es noch
etwa 30 Minuten dauern wird, bis der Bus
zurückfährt, bestellt und bezahlt (!) uns der
Veranstalter ein Taxi, damit wir nicht so lange
warten müssen - einfach unglaublich.
Unser letzter Stop
in Malaysia ist die Insel Langkawi. Die
schroffen Klippen sind schon von weitem
auszumachen, und hinter unserem Ankerplatz liegt
ein kleiner Süßwassersee - richtige
Mummelsee-Atmosphäre überkommt uns. Das Dorf
ist wuselig und nichts besonderes, wir klarieren
aus und verankern uns nochmals vor einem
herrlichen Sandstrand. Am nächsten Tag streichen
wir die malaysische Gastflagge und setzen dafür
die thailändische:
Thailand

Die erste
Begegnung mit den thailändischen Geistern
erfolgt bereits auf See. Während die guten
Geister an Bord wohnen, zieht jedes Schiff seine
bösen Geister im Kielwasser hinter sich her. Das
erklärt, weshalb die Thai-Fischer immer
versuchen, ganz knapp vor unserem Bug
durchzufahren, denn dann bleiben die bösen
Geister bei uns hängen... Im Haus wohnen die
bösen Geister in der Türschwelle, und sie
machen sich über das Haus und seine Bewohner
her, sobald man auf sie tritt. Also immer einen
großen Schritt über die Schwelle! Auf der
ersten kleinen Insel Ko Lipe finden wir
Bäume, denen man eine Schärpe umgebunden hat -
heilige Bäume. Und wir werden eingeladen, unser
erstes Original-Thai Fishcurry zu probieren:
Teuflisch scharf und doch wirklich lecker. Das
Dorf bietet etwa 1000 Menschen Platz, doch wir
sehen nur wenige. Es sind Nomaden der See, die in
ihren Booten von Insel zu Insel fahren, ihren
Fang in Malaysia verkaufen, und nur gelegentlich
in ihr Dorf zurückkehren. Die Sprache ist für
uns äußerst schwierig, denn ein Wort kann -
abhängig vom Tonfall - verschiedene Bedeutungen
haben. Ma heißt "Pferd",
"Hund" oder "komm her" und so
muß man höllisch aufpassen, wenn man jemanden
herbei ruft. Auf Ko Lipe, unserer ersten
Begegnung mit den Thais, empfinden wir sie als
sehr zurückhaltend, extrem freundlich und
grundehrlich. Thailand - Land des Lächelns. Und
das paßt wirklich gut zu dieser Inselgruppe,
denn die Strände sind einfach paradiesisch,
unberührt, und nach dem trüben Wasser in
Singapur und Malaysia müssen wir uns erst wieder
daran gewöhnen, daß wir beim Ankern den Grund
deutlich sehen können.
Und so hüpfen wir
von Insel zu Insel, eine beeindruckender als die
andere. Mit Ko Phiphi Don erreichen wir
die wohl schönste (Touristen-) Insel unserer
bisherigen Reise: Steile Kliffs, feine
Sandstrände, Korallen im klaren Wasser - einfach
traumhaft. Trotz des heftigen Tourismus hat
dieses Dorf seinen Charme noch weitgehend
erhalten. Mitten zwischen den Boutiquen befinden
sich die einfachen Hütten der Einwohner, man
schöpft Wasser aus Brunnen, eine Frau führt
ihre Ziege an einem Strick durchs Dorf. Schon
beim ersten Rundgang versuchen wir ein
siamesisches Frühstück: Mandarinensaft,
Nudelsuppe mit Krabben und Kaffee. Ich staune
nicht schlecht, werden mir doch Stäbchen als
Besteck zur Suppe gedeckt! Also erst das Dicke
rausessen und dann aus der Schüssel schlürfen.
Thailändisches Essen ist vom schärfsten, was
wir je hatten - besonders zu empfehlen die Tom
Yam Suppe. Während Gaby einen Tag lang in
einer Batik Werkstatt mitarbeitet und sich drei
tolle Tücher fabriziert, bin ich beim Tauchen.
Die Vielfalt der Fische ist einfach
überwältigend, das Wasser selbst in 20 m
Tiefe noch 280C warm - es ist superklasse hier!
Es fällt uns schwer, weiter zu segeln. Doch
unser Ausflug ins Landesinnere verspricht auch
ganz interessant zu werden.
Also machen wir
uns auf in die nagelneue Marina in Phuket
und kommen gerade rechtzeitig zu den
Einweihungsfeierlichkeiten. Bei siamesischen
Tänzen und Freibier treffen wir doch
tatsächlich einen Segler aus Bodman, der hier
anläßlich Bhumibols Geburtstag an der Kings
Cup Regatta teilnimmt. Mit dem tuk-tuk
(diese Taxis heißen zurecht so) geht's nach
Phuket - und schon ist der erste Teil unserer
Thailandrundreise gebucht.
Chiang Mai,
ganz im Norden Thailands, ist der Ausgangspunkt
zu Touren in das Grenzgebiet zu Burma und Laos -
dem Goldenen Dreieck, bekannt und
"golden" wegen des reichlichen Mohn-
(Opium) und Marihuana-Anbaus. Wir wohnen bei
Thedda in Linda's Guesthouse, einer Deutschen,
die mit einem Thai verheiratet ist und seit
vielen Jahren diese Herberge betreibt. Sie
organisiert alle Touren für uns, inklusive
Schlafsack und Führer. Durch ihre Erzählungen
bekommen wir auch einen sehr intensiven Einblick
in die Mentalität der Thais, die wir später
immer wieder am eigenen Leib bestätigt bekommen.
Zunächst geht es aber in die Stadt, von einem
Tempel zum anderen (Thailand hat etwa 31.000
Stück davon), einer prächtiger als der andere.
Blattgold ziert die Kuppeln und Buddhas, kleine
Spiegel in weiß, grün, rot und blau an den
Säulen, Wänden und Dächern sorgen für tolle
Effekte, und immer wieder finden wir Malereien
der thailändischen Version des indischen Ramajana
an den Wänden. Klar, daß auf den Altären immer
unzählige Buddhas aller Größen liegen, sitzen
oder stehen. Die Pracht in diesen Tempeln - die
übrigens gar nicht so alt sind - ist einfach
unbeschreiblich.
Bauern im "Goldenen
Dreieck"
Genug der
Großstadt. Für drei Tage geht unsere Wanderung
in das Bergland nahe der burmesischen Grenze.
Diese Berge sind die südlichsten Ausläufer des
Himalaya, wir übernachten in den einfachen
Bambushütten der Bergstämme, und trotz
Faserpelzjacke, Schlafsack und zwei Decken
frieren wir nachts zum ersten Mal seit Jahren...
Die hill tribes sind keine Thais, sondern
kommen ursprünglich aus Burma und sind ganz
liebenswerte Menschen. Sie kleiden sich in fein
bestickten Trachten, verziert mit Münzen,
Metallkugeln und Früchten. Es erinnert uns ein
bißchen an Rußland oder Jugoslawien. Unsere
Polaroid-Kamera (Singapur Erwerb) ist die
Sensation, alle stellen sich der Reihe nach auf,
jeder will ein Bild von sich - dafür füllt sich
Gaby's Souvenier-Rucksack mit Bauchringen,
Armreifen, Armbändern, einem Kopfschmuck,
Jagdmesser, Buschmesser ... Höhepunkt für uns
ist der Ritt auf einem Elefanten. Für zwei
Stunden durch den Urwald. Es ist ganz
erstaunlich, wie trittsicher diese 3- bis
4-Tonnen Kolosse selbst glitschige Steilhänge
bewältigen. Dabei gehen sie so ruhig, daß man,
ohne sich festzuhalten, einfach auf dem Kopf
sitzen kann. Klar füttern wir ihn anschließend
mit einer riesigen Menge Bananen, die er mühelos
verdrückt. Trotz ihrer Größe sind Elefanten
wirklich ganz liebe und intelligente Tiere. Als
uns ein Baumstamm im Weg liegt, gibt der mahut
- sein Führer und damit die einzige vom
Elefanten anerkannte Person - nur ein kurzes
Kommando, der Elefant schiebt seinen Rüssel
drunter, und schon liegt dieser Baumstamm neben
dem Weg. Scheinbar ganz mühelos. Im zweiten Dorf
erleben wir das Opium hautnah: Männer, Frauen
und Kinder rauchen, ganz selbstverständlich, bis
zu 10 Pfeifen am Tag. Die Pfeifen für die Frauen
sind sehr zierlich, die bongs für die
Männer aus ziemlich dickem Bambus - daß auch
was rein paßt. Interessant für uns war, daß
die Menschen dadurch sehr lustig wurden,
kicherten, aber keinerlei Anzeichen wie
Übelkeit, Torkeln oder Trunkenheit wie von
Alkohol zeigten. Insofern war es auch für uns -
ohne das Zeug zu probieren - ein ganz lustiger
Abend. Am Lagerfeuer aus Maiskolben singen die
Kinder für uns, eine wirklich romantische
Stimmung. Am letzten Tag geht's dann auf einem
Bambusfloß den Fluß abwärts. Nichts
weltbewegendes, aber wir bekommen doch einen
Eindruck, wie man die bis vor kurzem
unzugängliche Gegend befahren hat.
Nach dieser Tour
in die Abgeschiedenheit trifft uns der
touristische Handel in Chiang Mai wie ein
Schock. Überhöhte Preise, unermeßlicher
Ramsch. Bei einem Juwelier - der Sohn von König
Bhumibol und Königin Sirikit ist Teilhaber -
erstehen wir noch zwei Ringe mit heimischen
Edelsteinen: Saphir für mich und eine
Rubin-Saphir-Smaragd Kombination für Gaby. Ja
ihr beiden Muttis, das wäre ein Paradies für
Euch beide... Wieder einmal haben wir richtig
Glück, denn für drei Tage ist in Chiang Mai
ein thailändisches food festival
angesagt. Zunächst das Auge: Die hübschen
Thai-Mädels verstehen es, Früchte zu wahren
Kunstwerken zu schnitzen. Aus einem Rettich wird
ein Pfau, die Melone in Form einer Lotosblüte,
Papayas und vieles andere ist wirklich zu schade
zum anknabbern. Dennoch lassen wir es uns in
diesem Jahrmarkt der kulinarischen Genüsse mal
wieder nicht soooo schlecht gehen.
Ein Muß: Der Ritt auf dem Elefanten
Ayuthaya
ist die alte Hauptstadt von Siam. Die Tempel sind
hier wirklich alt - etwa aus dem 11. Jahrhundert,
bestehen aber fast nur noch aus rohem Gemäuer
und Hügeln aus Ziegelstein. Die geborgenen
Schätze besichtigen wir dann im dazugehörigen
Museum und hier finden wir den kleinsten Buddha
unserer Reise: Er ist etwa ein Drittel so groß
wie ein Reiskorn. Wie schon in Chiang Mai
ist uns auch hier das Glück hold: Cultural
Heritage - Annual Celebration. Für uns
heißt das, daß wir die ganzen alten,
traditionellen Handwerker bei der Arbeit
beobachten können. Vom Töpfer zum
Schwertschmied, Drachenbauer, Maler, die mit
filigranen Mustern kleine Vasen und Töpfe
dekorieren. Besonders beeindruckend ist die Art
und Weise, wie mit Perlmutt eingelegte Tische
oder Vasen entstehen: Die Muschel wird in kleine
Stücke gebrochen, diese werden dann von Hand -
Stückchen für Stückchen in die gewünschte
Form geschliffen, wie im Puzzle dann auf dem
Objekt aufgeklebt. Die freigebliebenen Flächen
werden dann mit schwarzem Lack gefüllt und das
Ganze poliert. Eine wochenlange Pfriemelarbeit
mehrerer Menschen an einem einzigen Stück!
Unbeschreiblicher Prunk
Bangkok.
Motto: "Rein in die Paläste und Tempel -
und nix wie raus aus Bangkok." Eigentlich
hatten wir vier Tage geplant, am zweiten saßen
wir bereits wieder im Zug. Es ist heiß, staubig,
stickig und der Verkehr ist unbeschreiblich.
Jedesmal, wenn eine Ampel auf "grün"
springt, geht es zu wie beim Start zum WM-Lauf in
Hockenheim. Und obwohl wir im Royal Hotel
für 1300 Baht die Nacht untergebracht waren,
bedient sich halt der Zimmerservice mit allem,
was ihm brauchbar erscheint. Kommentar der
Rezeption: Da drüben ist ein Laden, kaufen sie
sich halt ein Neues...
Intarsien als Sohlen des Buddah
Dennoch, der Wat
Pra Keo ist der Tempel nahe des königlichen
Palastes und damit Gebetsstätte von Bhumibol und
Sirikit. Es ist einfach unglaublich, in
welcher Pracht dieser Tempel erstrahlt. Das
gleißende Sonnenlicht auf den mit Blattgold
belegten Dächern, reflektiert in den
unzählbaren Spiegeln. Der Boden der Bibliothek
aus Silber. Und ein sitzender Buddah aus Jade,
der heiligste in Thailand. Die Wände geschmückt
mit filigranen Fresken. Kodak macht Millionen
allein an diesem Platz! Etwas weiter im Wat Po
finden wir mit 46 m den größten liegenden
Buddah, dessen Fußsohlen (Perlmutt Intarsien)
für sich allein schon ein richtiges Kunstwerk
sind. Ja, und wer hat denn schon mal einen
Elefanten in einer Großstadt gesehen, wie er
über den Markt schlendert und bei jeder
Gemüsefrau die Reste einsammelt? Das
Chinesenviertel ist auch in Bangkok - wie wohl
überall auf der Welt - sehenswert. In engen
Gassen, wo wir uns kaum drehen können, wuselt es
wie im Ameisenhaufen.
Intarsien im Detail
Nur etwa
130 km sind es bis an den River Kwai.
Eine Eisenbahnbrücke wie viele tausend andere
auch, wäre da nicht ihre Entstehungsgeschichte.
Im 2. Weltkrieg wurde von den Japanern die
"strategisch" wichtige Bahnlinie
Burma-Thailand mit Hilfe von 200.000
Kriegsgefangen gebaut, von denen etwa 90.000 dort
ihr Leben lassen mußten. Ein Mahnmal an die
Sinnlosigkeit des Krieges, denn die Brücke wurde
kurz nach Fertigstellung durch Bomben wieder
zerstört. Wir sind tief gerührt, als wir auf
dem Soldatenfriedhof stehen: Alles junge Männer.
So schön wie wir diese Welt erleben dürfen, so
sehr denken wir im Moment mit Schiller: "Der
Schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch
in seinem Wahn."
So, und nun sind
wir wieder zurück bei Ägir und die
Vorbereitungen für den nächsten Schlag nach Sri
Lanka werden mit Einkaufen, Segel nähen, Motor
Wartung uvam deutlich. Und es weihnachtet sehr,
denn auf dem Postamt finden wir einen ganzen
Stapel Briefe und Karten, der Hafenmeister hat
Faxe für uns - gut daß der Kühlschrank kalt
ist, denn dem Champagner macht es wohl nix, wenn
er schon ein paar Tage vor Silvester blubbert....
Handarbeiten aller Art
Für eventuelle
Thailand Reisende noch ein Hinweis zur
Mentalität der Thais. Ein Thai macht nur, was sanuk
ist - also was Spaß macht. Alles andere umgeht
er mit einem Lächeln. Er wird also nie zornig
oder streiten, er tut lieber gar nichts. Die
Konsequenz? Nun, in unserem Nobelhotel in Bangkok
schläft ein Betrunkener in der Lobby seinen
Rausch aus (bei uns undenkbar), aber ihn zu
wecken und ihn des Hauses zu verweisen ist
einfach nicht sanuk. Als wir eine
Zugfahrkarte lösen wollen: Es gibt keinen Platz,
erst wieder in 90 Tagen - wir lächeln
freundlich, fragen nochmals, erst in
2 Tagen, also lächeln wir noch freundlicher
und schon haben wir unsere Platzkarte. Wir
würden sagen, daß, wenn ein Thai den Mund
aufmacht, dann lügt er. Das hört sich sehr hart
an, trifft aber ziemlich genau ins Schwarze. Ihre
Art, jeglicher Konfrontation oder auch Arbeit aus
dem Weg zu gehen ist schon einmalig und wenn mal
was nicht klappt (wie sehr oft), dann haben sie
sehr elegante Ausreden und Entschuldigungen zur
Hand. Selbst die so bekannten Thai-Mädels sind
nur solange zu allem bereit, bis sie ihr Opfer
richtig am Wickel haben - und dann verstehen sie
es sehr geschickt, die Männer aufs heftigste
auszunehmen. Und so erklärt sich auch, daß
Thai-Boxen und Hahnenkampf wichtiger sind, als
Arbeit. Die "Masseusen" am Strand von
Phuket arbeiten nur ein paar Stunden, dann ziehen
sie sich zurück, um Karten zu spielen - und nur
diejenigen, die verloren haben, sieht man
nachmittags am Strand wieder....Es soll
tatsächlich in Chiang Mai ein Restaurant geben,
wo man immer genau das serviert bekommt, was man
bestellt hat. Ganz ungewöhnlich für Thailand.
Also, komme da was da wolle: Immer nur
lächeln...
Weihnachten 1994 -
das Zeitfenster, um den Indischen Ozean zu
überqueren ist mit drei Monaten sehr kurz.
Alles, was auf dieser Route ist, sammelt sich in
Phuket, um auf das Einsetzen des Nord-Ost-Passats
zu warten. D. h., hier tummeln sich z. Zt.
mindestens 200 Yachten. Um den unausweichlichen
Parties und Potlucks auszuweichen, verziehen wir
uns mit Ägir in eine kleine, romantische
Bucht nur zehn Meilen weiter südlich. Herrlich
weißer Sandstrand umrahmt von steilen Klippen,
klares Wasser, dazu die Kassette des Onnen-Chors:
"I am dreaming of a white
Christmas....". Wir verbringen fast den
ganzen Weihnachtstag im Wasser, denn außerhalb
ist es einfach zu heiß.
Am ersten
Arbeitstag danach wird ausklariert, eingekauft,
wir verabschieden uns von einigen Freunden, die
von hier aus eine andere Route einschlagen
wollen, Gaby blättert schon eifrig im
Reiseführer Sri Lanka, und los geht's.
Nicht ohne einen Zwischenstop auf den Similan
Islands, die unser Tauchführer als das
schönste Tauchrevier Thailands beschreibt. Die
Inseln wirken durch riesige Felsbrocken am Ufer
unwirtlich und wuchtig. Direkt vom Boot aus gehen
wir schnorcheln und tauchen. Wenig Koralle, aber
die Anzahl und die Vielfalt der Fische ist
wirklich beeindruckend, und wir sind uns nicht
sicher, ob wir dieses herrliche Fleckchen Erde
schon morgen wieder verlassen sollten, oder
einfach noch ein paar Tage hier bleiben.
Aber man glaubt es
kaum, der Massentourismus hat nun auch schon die
Weltumsegler erschlossen, und eine Flotte
sogenannter "Europayachten", von einem
Engländer organisiert, machen uns das Leben
nicht einfacher - also müssen wir unsere
Reisetermine so planen, daß wir dieser Gruppe
möglichst gut aus dem Weg gehen. Denn wo auch
immer diese Flotte auftaucht, gibt es keine
Liegeplätze mehr, die Preise sind verdorben und
auch ihr Benehmen ist alles andere als
vorbildlich, und so bildet sich schnell ein
gewisses Image. Also gehen wir am 1. Januar
Anker auf und setzten Segel Richtung Sri Lanka.
|