Von Indonesien
nach Thailand.


Indonesien, Singapur, Malaysia und Thailand.

Indonesien

   Start zum Darwin-Ambon Race

23. Juli 1994, 11:00 Uhr - der Startschuß zum zweitgrößten segelsportlichen Ereignis Australiens fällt und nur wenig später zieht Ägir zusammen mit 77 weiteren Yachten unter Spinnaker in herrlichem Wetter Richtung Ambon. So bietet diese Flotte auch für Nichtsegler schon ein beeindruckendes Bild und unsere Crew ist ganz euphorisch, zumal wir einen wirklich guten Start hingekriegt haben. Meeresleuchten, klarer Sternhimmel und Delphine sind Barbaras größte Freude, Rudi bewährt sich als Navigator und schon 4 Tage später kommt Ambon direkt voraus in Sicht. In einem dramatischen Finish behaupten wir unsere Position vor einer neuseeländischen Yacht - auch wenn dabei der Sauerbraten mit Spätzle UFO-artigen Beschleunigungen ausgesetzt wird. Nach 568 sm gehen wir als schnellste deutsche Yacht über die Ziellinie.

Der Empfang in Indonesien ist einfach grandios. Die Beamten beim Einklarieren sind zuvorkommend, der Papierkram ist schnell erledigt, und schon genießen wir den Blick auf das tropisch-saftige Grün der Insel und die exotischen Düfte von Ambon, dem Zentrum der Gerwürzinseln. Ein süßlicher Duft liegt in der Luft, Kretek - Zigaretten mit Nelken gewürzt, sind nur eine der Ursachen. Wir ankern direkt am Ufer mit Buganker und Heckleine um eine Palme. Beim Abendessen zeigen unsere indonesischen Sprachversuche große Erfolge (man spricht fast kein englisch) und nach einem kami masih lagi lapar ("wir mehr Hunger") bringt die Bedienung unter dem schallenden Gelächter ihrer Kolleginnen zum zweiten Mal die Speisekarte (sie können sich halt nicht vorstellen, daß ein Teil unserer Crew notgedrungen tagelang nur von Knäckebrot gelebt hat...).

   Fröhlicher Empfang in Ambon

Die offizielle Begrüßung der Regatta-Teilnehmer versetzt uns dann entgültig in indonesische Stimmung: Erst ist die Ansprache des Bürgermeisters in indonesisch (was sonst!). Ein Orchester von Muschelbläsern sorgt für ganz außergewöhnliche Musik. Nicht weniger fremd klingt in unseren Ohren die Gamelan-Musik: Eine Art Free-Jazz aus Blechtrommeln und verschiedenen Gongs. Und zum Abschluß ein indonesisches Buffet - nein, also so was haben wir noch nie gesehen, die Vielfalt, die Düfte und die Farbenpracht ist einfach unbeschreiblich, die Menschen, die uns bedienen haben ein so herzliches Lächeln im Gesicht - wir sind so beeindruckt, daß wir heute nur noch auf das Schiff zurück und diese Eindrücke in Ruhe auf uns wirken lassen wollen. Die Darbietungen unserer Gastgeber dauern vier Tage lang und erreichen ihren Höhepunkt mit dem "Crazy Bamboo Dance", bei dem mit Hilfe von etwas Mystik und Magie ein schwerer Bambusstamm zum Fliegen gebracht wird.

   Die Gewürzinseln ...

Zwischendurch unternehmen wir zusammen mit Traudel und Horst von La Donnee eine Wanderung quer durch den südlichen Teil der Insel Ambon. Eine ungeheure Vegetation überrascht uns, turmhohe Sagopalmen, dazwischen immer wieder die Pflanzen, die diesen Teil der Welt berühmt und begehrt gemacht haben: Gewürznelken, Muskatnüsse, aber auch den Baum der Durian – der Stinkfrucht - sehen wir. Die Durian riecht wirklich ziemlich penetrant nach Schweinestall, ihr Genuß soll aber der Männlichkeit gewaltig auf die Sprünge helfen: "Wenn man(n) die Durian ißt, hebt sich der Sarong"... Dazwischen riesige Schmetterlinge, und immer wieder lächelnde Menschen, die sich danach erkundigen, woher, wohin, und wie viele Kinder wir haben. Die indonesische Höflichkeit lernen wir kennen, als wir den heiligen Platz des Dorfchefs besichtigen: Unser Führer erklärt uns, daß wir gerne fotografieren dürfen, aber daß Film und Kamera nach einer Aufnahme dieser heiligen Stätte nicht mehr funktionieren würden. Also verzichten wir rücksichtsvoll darauf... Wir probieren Sopi - einen Palmschnaps - und das Gelächter der Einheimischen ist groß, als wir unsere Gesichter unter dem Geschmack dieses Getränks verziehen.

Mit der Siegerehrung geht der offizielle Teil des Darwin-Ambon-Race zu Ende und schon zwei Tage später sind wir wieder auf See Richtung Flores. Barbara sind richtige Seebeine gewachsen und schon früh morgens entlockt sie ihrer Mundharmonika die ersten Töne. Delphine, kleine Gritwale, ein Tölpel - der mal wieder einen Bordlandeversuch unternimmt - sorgen für Abwechslung. Die Winde sind jetzt sehr schwach und wir müssen viel motoren, doch nach nur 5 Tagen fällt unser Anker vor Labuan Bajo am westlichen Ende von Flores. Totaler Kontrast - keine Spur von Regenwald mehr, die eher steppenartige Dürre unterstreicht, daß hier jetzt gerade Trockenzeit herrscht. Labuan Bajo ist so ein richtiges asiatisches Fischerstädtchen. Ungewöhnliche, riesige Auslegerboote knattern mit ihren Einzylinder-Glühkerzenmotoren vorbei, und tragen dazu ein kleines Segel, das uns stark an Bettücher erinnert. Wieder haben die Menschen ein ständiges Lächeln im Gesicht, das aber die Marktfrau nicht daran hindert, uns zwei faulige Ananas zu verkaufen - und als ich zurückgehe, um diese umzutauschen, packt sie mir mit dem selben freundlichen Lächeln zwei andere in eine Plastiktüte - von der natürlich eine wiederum faulig ist. Wir lernen langsam aber sicher, mit diesem indonesischen Lächeln umzugehen.

   Komodo Waran

Ein kurzer Trip bringt uns nach Komodo. Hier leben die "berühmten" Dragons - riesige Warane. Morgens um 07:00 Uhr sind wir mit einem Führer bereits auf dem Weg. Den Ersten hätten wir ohne unseren Führer glatt übersehen, so regungslos und gut getarnt wie er in der Sonne lag und sich wärmte. Dagegen war der Zweite nicht zu übersehen, denn dieser saß aufgerichtet mitten im Weg. Bis vor kurzem wurden die Warane angefüttert, doch dieses blutige Spektakel wurde letzte Woche eingestellt und die Tiere sind hungrig. Immerhin können sie einen ganzen Hirsch oder eine ganze Ziege mitsamt den Hörnern verspeisen. Deshalb hält unser Führer respektvoll das Tier mit einer gegabelten Holzstange in Schach, daß wir unseren Weg (unverspeist) fortsetzten können. Baden, schnorcheln, Barbara und Gaby genießen es, den Strand nach Sammelbarem abzugrasen - es ist mal wieder richtig Urlaub.

Als wir auf unserer Fahrt nach Bali die Insel Lombok passieren, erleben wir auf See aus sicherer Entfernung zwei Ausbrüche des dortigen Vulkans. Indonesien ist voll davon, und oft erhebt sich ein 2500 m hoher Kegel als Insel einfach so aus dem Wasser. Der Vulkan auf Lombok ist fast 4000 m hoch! War Ambon noch zur Hälfte von Christen bewohnt, überwogen auf Flores die Mohammedaner, und hier in Bali ist die Hochburg der Hindus.

Dem Obermieter meiner Mutter verdanken wir einen kurzen Abstecher nach Deutschland. Die wenigen Tage vergehen wie im Fluge und nach unserer Rückkehr zu Ägir sind wir uns einig: Die spinnen, die Deutschen! Das Schärftse ist die Tatsache, daß die Umweltschutz-Maßnahmen greifen, damit z.B. das Algenwachstum im Bodensee zurückgeht, und schon beschweren sich die Bodenseefischer über rückläufige Fangquoten an Felchen! Jeder ist sich selbst der Nächste, wenig Toleranz, jeder geht grimmig dreinschauend für sich durch die Straßen. Das Preisniveau hat sich drastisch verändert, eine Hektik unter den Menschen, das Fahren auf der Autobahn ist einfach erschreckend (jedes Jahr Tausende von Toten - sag noch einmal einer, was wir hier tun sei gefährlich), man redet von Autobahngebühren und Maut auf Stuttgarts Straßen, für eine traditionelle Seebestattung benötigt man jetzt die Genehmigung der Umweltbehörde, und die Bürokratie ist schlimmer als in den Ländern der sogenannten Dritten Welt: Da wir beim Rückflug nach Bali kein Rückflugticket aus Indonesien vorweisen können, will uns die junge Dame beim Einchecken in Frankfurt gar nicht erst mitfliegen lassen...

So schön es war, mal wieder in der Heimat zu sein, so froh sind wir, als wir zurück an Bord sind. Und als wir uns anläßlich Anjas Geburtstags in das abendlich-asiatische Gewühl Denpasars stürzen, fühlen wir uns wieder richtig wohl und zu Hause. Unsere Erfahrungen mit dem Hinduismus sind ganz interessant: Neben ihren normalen Tempeln hat jedes Haus noch einen kleinen Haustempel, in der Markthalle gar jeder Stand, und so erzählt man uns, daß es auf Bali letztendlich mehr Tempel als Häuser gibt. Der Hindu glaubt an das immer wieder Vergängliche, das sich stets erneuert. Die guten Menschen werden nach der Reinkarnation in eine höhere Kaste wiedergeboren, die böseren in einer niedrigeren Kaste, und die es im Leben ganz schlimm getrieben haben, kommen in ihrem nächsten Leben gar als Tier auf die Welt. Es gibt keine Schöpfung und keinen Jüngsten Tag. Damit kommt der Hinduismus der Physik unseres Universums wohl am nächsten. Im Gegensatz Religionen wie Islam oder auch den Christen, kennt der Hindu keine Hierarchien wie Priester - Bischof - Kardinal und Papst. Bei ihren Zeremonien im Tempel gibt es keinen Prediger oder Vorbeter, jeder ist einfach für sich selbst Hindu und lebt seine Religion für sich. So wird es auch verständlich, daß ihre Tempel sehr nüchtern und fast karg aussehen - ohne großen Prunk oder gar Gold und Edelsteinen, denn man muß dort keinem Gott gefallen, sondern man trifft sich dort lediglich mit seinen Ahnen, die noch auf die Wiedergeburt warten. Man kann auch nicht zum Hindu-Glauben übertreten, man wird als Hindu geboren. Ein Hindu wird deshalb auch niemals versuchen, einen Andersgläubigen zu bekehren und deshalb gar einen Krieg beginnen. Wirklich eine faszinierende Einstellung!

Dank Barbara und Rudi haben wir einen tollen Fahrer und Führer über Bali. Made (so heißt der junge Mann) fährt uns zu jedem Ort, den wir uns ausgesucht haben und ergänzt die Route durch eigene Empfehlungen. Seine Erzählungen geben uns einen wirklichen Einblick in das Leben und den Glauben der Balinesen. Neben Hinduismus und den wirklich unzähligen Tempeln (Balis bedeutendster Tempel ist Besakih, der herrlich an den Hängen des Gunung Agung angelegt ist) besuchen wir die Gold- und Silberschmiede, Maler, Holzschnitzer, baden in heißen Quellen, treffen unsere ersten freilebenden Affen im Wald. Die von Touristen selten besuchten Märkte in den abseits gelegenen Orten hoch in den Bergen Balis sind extrem preiswert und für Gaby sehr ergiebig: Alles von Gewürznelken (1 kg (!!) für ca. DM 4,-) und Vanille bis hin zu allerlei Körbchen lagert jetzt auf Ägir. Der Barong- und Kris-Tanz war wirklich beeindruckend: In unbeschreiblich farbenprächtigen Kostümen werden mit asiatischer Eleganz Szenen aus ihrer Mythologie gespielt. Barong ist der Geist, der den Teufel und das Böse verzehrt. Sein Abbild finden wir später an vielen Türen und Eingängen: Wenn man durch eine so "geschützte" Tür ein Haus betritt, frißt dieser Barong das Böse im Menschen und so sind alle dann im Haus nur noch gut und rein. Es ist für uns nur zu verständlich, daß die balinesischen Hindus an alle möglichen Geister glauben, leben sie doch auf einer Insel, die nicht nur Wind und Wetter, sondern auch dem Vulkanismus und schweren Erdbeben ausgesetzt ist. So sind ihre Masken nicht nur einfache Schnitzereien, sondern sie leben, werden in einem Tempel aufbewahrt, ja selbst der Baum wird in einer Zeremonie gefragt, ob man ihm ein Stück Holz für eine Maske abnehmen darf.

Besonders faszinierend ist der Besuch in einer Ikat-Weberei. Das Spezielle dieser Weberei liegt in der Art und Weise, wie diese Muster zustande kommen: Zunächst werden die Längsfäden in unterschiedlichen Tönen eingefärbt - dann auch (im Gegensatz zum normalen Weben) der Querfaden. Um nun ein bestimmtes Muster zu erhalten, muß an einer definierten Stelle des Längsfadens immer genau der passende Querfaden eingeschossen werden, eine Aufgabe, die in Bali heute noch keine Maschine bewältigt. Und auch zu sehen, wie die weltbekannte Batik entsteht, ist einfach toll: Mit einem kleinen Gerät - ich würde es als Zwischending von Federhalter und Wachskännchen bezeichnen - werden mit flüssigem Wachs zunächst die Muster auf die Seide gebracht, bevor diese dann koloriert werden. Ganz andere aber nicht weniger romantische Szenen bieten sich in den ausgedehnten Reisterassen: Der einfache Holzpflug wird noch von Wasserbüffeln gezogen, geerntet wird mit einer Sichel, und jeder so geerntete Reisbüschel wird von Hand ausgeschlagen, um die Körner vom Halm zu trennen.

Ja, und dann ist da noch das Handeln in Indonesien: Viele Händler laden einen förmlich dazu ein: "Mein erster Preis ist 100.000 Rupiah". Für uns ganz ungewohnt, daß nichts einen festen Preis hat. 50% herauszuhandeln ist das Minimum, manchmal schafft man es bis 30%. Eine Tuschezeichnung kostet 30.000 Rupiah - als wir den Laden verlassen haben wir fünf für 40.000. Gabys Schnäppchen aber ist ein Halsreif aus Silber und Gold, "first price" US$ 650 - sie erhält es schließlich für DM 120,- . Und vor allem bei den öffentlichen Verkehrsmitteln muß man sich auskennen: Der Taxifahrer will 45.000 Rupien (unseren Hinweis auf den Taxameter beantworten die Fahrer mit "Oh Misterrrr, me bankrott"), während wir im Bus schließlich 1.000 Rupien bezahlen. Ja selbst auf der Bank wird gehandelt. Die Gebühr zum Abheben von Bargeld mit der Kreditkarte ist 17.500 Rupiah - besteht man aber hartnäckig auf einer Quittung, werden diese Kosten nicht erhoben ...

   Hinduistische Feuerbestattung

Heute hat Made eine Feuerbestattung für uns ausfindig gemacht. Wir erwarten etwas wie Beerdigungs-Stimmung, aber weit gefehlt. Das ganze Dorf ist versammelt (Teilnahme an dieser Zeremonie ist Pflicht), man begrüßt uns freundlich und fordert uns auf, nur nahe genug an alles heranzutreten und zu fotografieren. Der Verstorbene war seit einem Jahr begraben, doch solange er nicht verbrannt wird, kann seine Seele den Körper nicht verlassen. Also werden die Gebeine ausgegraben und in einem kleinen Sarg, der kunstvoll und bunt geschmückt ist, durch das Dorf zum Verbrennungsplatz getragen. Dabei folgen alle Einwohner, jeder hat herrlich bunte oder auch nützliche Geschenke für den Toten: Von der Fanta-Flasche mit Strohhalm über Zigaretten mit Streichholz bis hin zu tollen Flechtarbeiten und Stoffen. Diese äußerst farbenfrohe Prozession wird von einem Gamelan-Orchester begleitet, und allenthalben sehen wir nur fröhliche Gesichter - denn bald wird seine Seele den Körper verlassen dürfen und im Tempel bei den anderen Ahnen wohnen können. Am Ort des Geschehens gibt jeder Teilnehmer sein Geschenk in den Sarg, der inzwischen in einer kleinen, offenen Bambushütte steht. Sind alle Geschenke abgegeben, wird der Kasten mit einem Deckel versehen und alles, mitsamt der Hütte in Brand gesteckt. Je heftiger das Feuer knackt, desto fröhlicher die Anwesenden, denn um so schneller kann sich die Seele vom Körper lösen! Abends, wenn alles abgekühlt ist, werden die Knochenreste aus der Asche gelesen und in einer Kokosnuß in den Fluß geworfen - damit kann der Körper seiner endgültigen Bestimmung im Meer entgegen gehen.

   Stimmungsvolles Bild am Borobodur

Ein Abstecher mit Garuda bringt uns für vier Tage in das Landesinnere von Java: Yogyakarta (nicht zu verwechseln mit der Hauptstadt Jakarta) gilt als das geistliche und kulturelle Zentrum Indonesiens. Hier wohnt heute noch der Sultan in seinem Palast im Stadtzentrum. Die großen Sehenswürdigkeiten liegen doch etwas außerhalb: Da ist zunächst Prambanan - einer der größten hinduistischen Tempel der Welt. Im Freilicht-Theater unter Mondschein erleben wir das Ramajana-Ballet während im Hintergrund der unter Flutlicht stehende Prambanan-Tempel eine faszinierende Kulisse abgibt. Noch beeindruckender ist Borobodur, der größte buddistische Tempel. Über mehrere terassenartige Umläufe erreicht der Pilger nach einer 5 km langen Wanderung über den Tempel die oberste Stufe, wo er dem Nirwana - dem Himmel - am nächsten kommt. Aber auch die Altstadt von Yogyakarta ist wirklich sehenswert. Alles ist so eng und verwinkelt, daß wir uns kaum mehr richtig orientieren können. Batik, Lederwaren, Puppen für Schattenspiele - alles wird hier in kleinsten Familienbetrieben hergestellt: Ein Paradies für Gabys Taschengeld... Und das Speisen in den kleinen Kneipen, den Warungs, ist nicht nur schmackhaft sondern wirklich billig: Ein Abendessen für uns beide mit Getränk zusammen etwa DM 3.- Also Nasi und Mie Goreng in allen Variationen bis satt! Vor allem die Details faszinieren uns immer wieder: Die kleinen Pimpfe im Hinterhof mit dem neugierigen Ruf "Hello Misterrrr!", das Huhn, das in der verkehrsreichen Hauptstraße im Rinnstein unverdrossen nach Eßbarem pickt, bei jedem Haus ein kleiner Ziehbrunnen mit Eimer, jede Menge lärmende tropische Vögel, die in Käfigen gehalten werden, die Art und Weise, wie jeder versucht, sich etwas Geld zu verdienen. Da hat einer eine Fahrradkette und setzt sich damit auf die Straße, daneben bietet eine Frau saftige Mangos an, im Hinterzimmer arbeitet eine Familie an Batik, und immer wieder hören wir die Fragen: Woher kommt ihr? Wohin geht ihr? Wie viele Kinder? Wie lange seid ihr schon da? (diese Frage beantworten wir grundsätzlich mit "Zwei Monate" - denn dann gesteht man uns etwas mehr Ortskenntnis zu und wir haben so eine viel bessere Position beim Verhandeln von Preisen). In einer kleinen Batik-"Fabrik" haben wir eben mal wieder die Frage nach dem "woher?" beantwortet: Germany. Der Mann strahlt übers ganze Gesicht und erklärt uns stolz, daß die Farben für seine Batik aus Deutschland kommen, von Bayer München...

Ein letzter Ausflug über Bali mit Made bringt uns in den Osten der Insel. Wir sind überrascht, wie anders hier alles ist: Sehr wenige Touristen, trotz interessanter Sehenswürdigkeiten. In Goa Gaja gibt es einen Tempel, der für Buddisten und Hindus gemeinsam errichtet wurde, herrliche Wege führen durch die endlosen Reisterrassen und schließlich ist Tirtaganga der Höhepunkt: Eine tolle Anlage mit Teichen und Blumen inmitten dieser Reisfelder. Stundenlang könnten wir hier sitzen, schauen, und den balinesischen Kaffee dazu schlürfen (oder sollte ich besser sagen: essen - denn ein massiver Kaffeesatz bildet sich am Boden jeder Tasse).

 

Ägir ist jetzt seit mehr als 5 Wochen in Bali. Zeit zum Aufbruch, bevor die Leinen an der Pier festwachsen. Und schon hat uns der Alltag wieder. Einkaufen, Schiff richten, Ausklarieren bei nicht weniger als fünf Behörden, denn je mehr Stempel ein Papier hat, desto wichtiger und wertvoller wird es! Und weiter geht's. Lembongan, eine kleine Insel nur wenige Meilen vor Benoa empfängt uns mit kristallklarem Wasser, Fels- und Sandstrand wechseln sich ab und die bunten Auslegerboote der Einwohner bieten ein romantisches Bild am Strand - endlich wieder allein! Was für ein Kontrast zu den wuseligen Städten Balis und Javas. Wir sind richtig fröhlich und froh darüber, wieder unterwegs zu sein. Während sich in der Ferne der Gunung Agung, der höchste Berg Balis, über die Wolkendecke erhebt, pflücken die Einwohner Seegras, das getrocknet für 100 Rupiah pro Kilo (etwa 8 Pfennige) an Japaner zur Herstellung von Kosmetika verkauft wird. Und der Sternenhimmel ist hier draußen wieder faszinierend. Direkt neben Spica steht ein Gestirn, das dort gar nicht hingehört. Ein Blick in das nautische Jahrbuch löst das Rätsel: Wir haben zum ersten Mal in unserem Leben den Planeten Merkur gesehen! Gelb und rot glühende Lavaströme verbreiten ihren Schein, als wir in der Nacht an der Ostküste Balis entlang segeln. Das Touristen-Pflichtprogramm ist absolviert. Über die Inseln zwischen Jawa und Singapur ist im Reiseführer nichts mehr zu finden - sie sind einfach für den Normaltouristen nicht erreichbar. Also sind wir gespannt, was uns erwartet.

Nach 4 Tagen auf See fällt unser Anker nahe dem Dorf Tambak auf der Insel Bawean. Als wir mit dem Beiboot an den Strand kommen, empfängt uns eine ganze Schar johlender Kinder: "Good morning, Misterrrr!" Unser Bummel gleicht heute also eher dem Umzug bei einem Kinderfest. Bawean ist irgendwie typisch indonesisch: Kleine Reisfelder, die mit Wasserbüffeln bestellt werden, riesige Palmen wie schon in Ambon säumen die Straße und vermitteln etwas Urwaldgefühl, mittendrin eine Drescherei, die den Reis von der Schale löst. Die Reisbüschel, wie im übrigen alles andere auch, werden auf dem Kopf balancierend transportiert. Unzählige Male beantworten wir geduldig die Fragen woher? wohin? Wie viele Kinder? Es herrscht Ruhe - nichts von dieser Hektik Ambons oder Denpasars. Als wir der Straße entlang gehen, hält der Bus an, der Fahrer stellt den Motor ab zum Zeichen, daß er Zeit hat, mit uns zu Plaudern. Seine Fahrgäste lauschen interessiert, keiner beschwert sich. Fragt man nach der Abfahrtszeit, ist die Antwort entweder "jam karet" (Stunde Gummi) oder "sebentar" (das bedeutet "gleich" - heißt aber soviel wie "vielleicht irgendwann in den nächsten drei Stunden"). Man (und Frau) kaut Betelnüsse, einen schauderhaft rötlichen Saft ausspuckend. Betelnüsse wirken betäubend - etwa wie die Kava in Fiji oder Vanuatu. Mitten im Dorf wird gerade ein großes Schiff gebaut. Mit der Axt und anderen, einfachen Werkzeugen werden die Stämme behauen, und wir können schon erkennen, was es werden soll. Die Arbeiter freuen sich riesig, als wir Bilder machen. Wie die dieses schwere Teil jemals ins Wasser kriegen? Vor einem Haus sitzen zwei Männer und spielen eine Art Pool-Billard. Auf einem flachen Tisch aus poliertem Stein werden Knöpfe - wie wir sie vom Dame- oder Mühle-Spiel her kennen - mit den Fingern gegeneinander geschnipst. Die Geschicklichkeit und Treffsicherheit ist einfach umwerfend, und fast bei jedem "Schnips" rutscht der angespielte Stein ins Loch. Gegen Mittag werden die Straßen leer - es ist inzwischen richtig heiß, die Sonne steht fast senkrecht über uns. Das Mittagsschläfchen wird in kleinen Hütten abgehalten, die keine Wände haben, sondern nur ein Dach - sozusagen in aller Öffentlichkeit.

Wiederum ganz anders zeigt sich die Inselgruppe Karimun Jawa: Kokospalmen, weißer Sandstrand, davor ein Korallenriff mit glasklarem, warmem Wasser (selbst Gaby gibt keinen Juchzer von sich, als sie ins Wasser steigt!), eine Szenerie wie im Südpazifik, Schnorcheln ist herrlich, und dazu ruft der Muezzin - wir sind jetzt schon deutlich im Einfluß des Islam... Bei unserem Spaziergang durch das Dorf gleichen wir mal wieder dem Rattenfänger von Hameln - eine große Schar Kinder folgt uns, überall bittet man uns, Fotos zu machen - vor allem von Müttern mit ihren Babys. Auf dem Dorfplatz werden kleine Fische in der Sonne getrocknet, und sowie die Marktfrauen nicht aufmerksam sind, ergattern sich die Enten am Markt, was sie können! Ganz erstaunlich ist, daß die Dorfstraße sauber geteert ist, obwohl es keine Autos gibt. Auch die Häuser sind sauber gefließt und machen einen wirklich properen Eindruck. Muhammed tauscht gerne ein paar Kokosnüsse gegen Schokolade und er ist so stolz, auf einer Yacht zu sein, daß wir fast Schwierigkeiten haben, ihn höflich wieder loszuwerden.

   Unberührtes Indonesien

Mit Hilfe von einheimischen Fischern finden wir eine nur 5 m breite und 3 m tiefe Einfahrt im Riff zur Lagune vor der Insel Nyamuk. Dank der atemberaubenden (nicht kartographierten) Einfahrt wird diese Insel praktisch nie von Yachten besucht, schon gar nicht von Normaltouristen. Wir sind noch nicht richtig verankert, als bereits eine Meute Einheimischer unser Boot bestürmt. Wenig später besucht uns der Leuchtturmwärter mit zwei Kollegen, und wir praktizieren die wenigen Worte indonesich, die wir kennen - den Rest übernimmt das Wörterbuch. Der Kaffee und die vielen Mars waren enak, die Deutschen bagus, und sie versprechen uns Kokosnüsse und Fisch für den nächsten Tag - denn wir müssen unbedingt kommen und ihren Leuchtturm besichtigen. Und wir werden nicht enttäuscht. Indonesien ganz anders. Die Menschen sind wesentlich zurückhaltender und irgendwie herzlicher. Zum ersten Mal sind die Häuser vorwiegend aus Bambus, gedeckt mit Palmblättern, die Wege Natur, und zum ersten Mal in Indonesien werden wir gebeten, ein Haus von innen zu sehen. Die Küche ist faszinierend einfach. Auf einer primitiven Holzmühle werden Kokosmark oder Tapioka gemahlen. Mit viel Geschick kontrolliert die Hausfrau das Holzfeuer und mit einer kleinen Handbewegung wird es von "großer Flamme" auf "kleine Flamme" getrimmt. Das Trinkwasser kommt aus 50 m tiefen Ziehbrunnen - weit unter dem Meeresspiegel. Hühner, Ziegen, Enten, Tauben und Kühe teilen sich das Anwesen mit den Menschen. Und wir dürfen auch eine Moschee von innen besichtigen. Ein ziemlich kahler Raum, einige arabische Schriftzüge an den Wänden, lediglich in zwei kleinen Nischen liegen herrliche Gebetsteppiche. Und schon um 04:30 Uhr in der Frühe ruft der Muezzin elektrisch verstärkt über die ganze Insel... Wenig weiter wohnt eine Familie am Strand und wir werden eingeladen, Kokosnußsaft zu trinken. Die Freude, als wir Bilder machen, ist unbeschreiblich und steigert sich noch, als Gaby zum Dankeschön zwei T-Shirts und Shampoo auspackt. Die Frau kriecht förmlich in Gabys Rucksack, um zu sehen, ob sich sonst noch etwas Brauchbares darin befindet und erntet noch mehr Kokosnüsse - die müssen wir mitnehmen, und die beiden Männer sind gerade dabei, sich ein Boot zu bauen. Das Ganze liegt hinter dem Riff an einem herrlichen Sandstrand - einer der wenigen wirklich herrlichen Plätze dieser Welt, die der Tourismus noch nicht erreicht hat. Marjito, der uns über die ganze Insel geführt hat, lädt uns am nachmittag ein, zum Volleyball zu kommen - allabendliches Großereignis im Dorf, zumal mit zwei Weißen. Die Fischer kommen längseits, schrecken uns erst mit Seegurken ab, am Ende tauschen wir eine herrliche Coral Trout und eine handvoll Muscheln gegen T-Shirt und kurze Hose. Das gibt ein wahres Festessen - zumal heute der 3. Oktober ist! Das Wasser ist herrlich warm und so gehen wir schnorcheln am Riff - Gaby hat bald schon das halbe Beiboot voll mit Muscheln und Schnecken. Unser Fisch - T-Shirt Tausch hat sich in Windeseile herumgesprochen, und wir werden täglich liebevoll mit Fisch, Hummer und Perlmutt versorgt - und Gabys Sommerschlußverkauf-Hamsteraktion in Australien trägt leckere Früchte. Auf unserem letzten Spaziergang durch das Dorf verursachen wir großes Erstaunen, als wir ein Kilo Reis kaufen und erklären, das reiche uns für die nächsten 4 Wochen - auf Nyamuk reicht diese Menge einer Person gerade mal für einen Tag. Und zum Abschied schenkt uns der Leuchtturmwärter noch einen Armreif aus schwarzer Koralle, den er selbst gearbeitet hat. Sein Ägir-Racing T-Shirt verstaut er sofort sorgfältig in seinem Haus, ehe er uns zurück zum Beiboot begleitet. Und der Abschied fällt mal wieder schwer... Mit Tränen in den Augen macht er uns noch ein ebenso überraschendes wie lieb gemeintes Kompliment: "Hitler war kein Deutscher, er war Österreicher - nicht wahr?"

6. Oktober 1994 - unser Sextant mißt die Sonnenhöhe am Mittag mit genau 900. Seit 2½ Jahren steht die Sonne zum ersten Mal wieder im Süden. Nun können wir endlich auch unsere Backbord-Seite bräunen. Wir nähern uns dem Äquator und den Doldrums - der windstillen Zone zwischen Süd- und Nordhalbkugel. Es ist so schwül und heiß, daß unser Pumpernickel sogar in der verschweißten Plastikverpackung schimmelt. Tagsüber tragen wir nur noch Sonnenbrille und Mütze, nachts noch weniger... Schwere Gewitter entladen sich aus dem oft wolkenverhangenen Himmel, manchmal 24 Stunden lang ohne Unterbrechung. Seit Anfang Juni der erste Regen! Und schlechte Sicht. Hatten wir auf See schon oft Besuch von Tölpeln, Schwalben oder Schmetterlingen - auf dem Weg von Mendanau nach Lingga ruht sich ein ganz anderes Tier an Bord aus: Eine kleine Fledermaus. Zwischen den häutigen Flügeln hat der kleine Körper ein wirklich kuschelig weiches, braunes Fell. Mit den Hinterbeinen hängt sie sich an unsere Lifeline, streckt sich nochmal, gähnt herzhaft (zeigt uns dabei das kleine, scharfe Gebiß), muckst sich nicht mehr und läßt sich streicheln. Erst zwei Tage später, als wir wieder am Anker liegen, rappelt sie sich am Abend auf, flattert noch eine Runde ums Boot, und weg ist sie wieder. Wir haben an uns noch keine Bißwunde am Hals entdeckt.

Die Inselgruppe um Lingga überrascht uns mit hunderten von Häusern, die als Pfahlbauten mitten im Wasser stehen. So müssen die Fischer nicht mühsam in diesen täglichen Gewittern auf See, sondern können direkt von ihrem Haus aus arbeiten. Auch die Häuser des Dorfs auf der winzigen Insel Penoh stehen alle auf Stelzen - Haus und Bootsanleger in einem. Ein ganz romantischer Anblick, und so gehen wir voller Erwartung an Land. Unser Beiboot liegt noch nicht richtig am Strand, schon sind wir umringt und beantworten die bekannten Fragen: Woher, wohin, wie viele Kinder? Deutschland - Alexander. Wir verstehen nicht richtig, doch immer wieder erzählt man uns irgend etwas von Alexander. Ein älterer Mann lädt uns ein, in sein Haus zu kommen, vor der Tür steht ein Behälter mit Wasser, um sich die Füße zu reinigen. Kaum haben wir Platz genommen, bringt seine Frau das Fotoalbum und damit des Rätsels Lösung: Alexander aus Berlin hat hier vor zwei Jahren einige Tage Urlaub verbracht - und das ist heute noch die Sensation im Dorf. Wir geben ein Ägir-Foto dazu. Nur wenig später - es ist noch früh am Morgen - redet unser Gastgeber von makan ("essen") und bedeutet uns einige Häuser weiter zu gehen. Wir ziehen wieder unsere Schuhe aus und nehmen im Schneidersitz auf dem Fußboden des ansonsten kahlen Raums Platz. Immer mehr Männer gesellen sich zu uns, sie tragen jetzt alle eine ovale Kopfbedeckung aus schwarzem Samt. Wir unterhalten uns in unserem besten Indonesisch. Kommt noch ein weiterer hinzu, betritt er den Raum und verbeugt sich soweit, daß seine rechte Hand fast den Fußboden berührt, eine Geste der Höflichkeit und Achtung gegenüber den bereits sitzenden Gästen. In dieser Haltung schleicht er sich an einen noch freien Platz. Als ein Mann mit seiner Frau dazu kommt, ist uns sofort klar: Das ist etwas Besonderes, und in der Tat, es ist der Imam, der islamische Priester. Frauen servieren das Essen. Sie bringen es aber nur bis an die Tür, dann wird es von den Männern im Raum weitergereicht. Der Imam spricht etwa 15 Minuten lang das Tischgebet. Alle öffnen dazu die Hände und drehen dabei die Handflächen nach oben. Ich verstehe immer wieder mal etwas wie "Allah il Allah", die etwa 30 anderen Männer murmeln gedämpft mit. Gegrillter Thunfisch in einer würzigen Marinade von Tomaten, mit Nelken und Zimt gekochte Ananasstückchen, Hähnchen mit Kartoffeln und Kalbfleisch, dazu natürlich Reis, werden als Hauptspeise serviert. Der Nachtisch besteht aus grünem Seegraspudding (ganz lecker - ehrlich), Kuchen und Tee. Man ißt mit der Hand und wir sind krampfhaft bemüht, unsere linke Hand aus dem Spiel zu lassen - denn diese ist im Islam ja bekanntlich unrein. Es ist gar nicht so einfach, Reis mit einer Hand zu essen. Er wird zu Klumpen zusammengedrückt, dann geht's schon besser. Gaby erntet verständnisvolles Schmunzeln, als sie zu guter letzt doch noch den (uns einfühlsamer Weise angebotenen) Löffel zu Hilfe nimmt. Kurz, schon morgens direkt nach dem Frühstück ein kulinarischer Höhepunkt in Indonesien, und das auf einer Insel mit nur etwa 300 Einwohnern, die auf keiner Landkarte zu finden ist. Wir bedanken uns bei unserm Gastgeber mit einem Kalender, der wunderschöne Aufnahmen aus Deutschland zeigt. Anschließend wollen wir eigentlich nur noch einen Verdauungsspaziergang um die Insel machen, und wie schon so oft, zieht eine ganze Schar Kinder mit uns. Diese sammeln für Gaby Muscheln (20fache Ausbeute wie normal!), und als wir schließlich mit dem Beiboot zu Ägir zurückfahren, befinden sich darin noch zwei Thunfische und vier riesige Kokosnüsse. Diese Insulaner sind wirklich zu lieb.

   Überall zufriedene und fröhliche Kinder

Nachmittags besuchen uns zwei Boote voller Kinder. Gabys "Saarland-Bildband" ist wohl das Faszinierendste und sie verschlingen jedes Bild einzeln. Mit der Erinnerung an unsere Erfahrungen in Ambon geht Gaby mit unserer Wäsche am nächsten Morgen zum Waschplatz des Dorfes. Dort werden die Frauen so zutraulich, daß sie es schließlich wagen, uns zu fragen, ob sie mal an Bord kommen dürfen - klar: Selamat datang. Und wenig später haben wir 17 Besucher auf einmal an Bord. Und sie sind so fasziniert von all den Details, daß sie gar nicht mehr gehen wollen. Während man sich im Dorf an einem gemeinsamen, öffentlichen Waschplatz, dem mandi, reinigt, finden sie es einfach unglaublich, daß wir unser eigenes mandi an Bord haben! Und beim nächsten Landgang erhalten wir die indonesische Antwort auf unsere Gastfreundschaft: Schon im ersten Haus werden wir herein gewunken, nehmen Platz und bekommen Vanilletee und Kekse angeboten. Es ist kaum zu glauben, aber bei diesem Spaziergang durchs Dorf geht es gerade so weiter. Es ist ihnen ein großes Bedürfnis, uns auch einzuladen - und so ziehen wir diesmal von Familie zu Familie, von Wohnzimmer zu Wohnzimmer - mal mit Sofa und Sessel, oft aber nur ein kahler Raum mit Linoleum-Fußboden. Tee, Kakao, undefinierbare Getränke, Kekse, getrocknete Fische, Kretek und vieles andere werden uns angeboten. Dabei begleitet uns eine Delegation von mindestens 20 Leuten, und Gaby kann kaum mehr fotografieren, denn wenn immer sie den Apparat zückt, stellt sich die ganze Meute auf: "Foto! Foto!" - und das eigentliche Motiv ist nicht mehr zu sehen. Wir erklären, daß wir morgen weitersegeln. Kurz vor Dunkelheit kommt noch einer unserer Dorfbewohner mit dem Kanu, und bringt uns als Geschenk eine geflochtene Abdeckung für Speisen - damit die Fliegen nicht drankommen. Diese Menschen sind wirklich so herzlich, und ich denke, wir haben auch hier mal wieder einiges dazu gelernt.

15. Oktober 1994, 09:30 Uhr - wie überqueren den Äquator und ankern ganz nahe dabei an der Insel Kentar. Statt Sonnenstich gibt's zur Feier des Tages Bienenstich und in das Kokoswasser mischt sich ausmahmsweise ein Schuß Rum. Von unserem Ankerplatz aus kann man schwimmend den Äquator mehrfach kreuzen (man muß halt aufpassen, daß man sich nicht darin verheddert). Das lassen wir uns nicht entgehen, zumal es heute - wie immer in den letzten Tagen - 380 C warm ist.

Die letzten Meilen in indonesischen Gewässern bringen uns nach Tanjung Pinang, Hauptstadt der Provinz Riau. Wir sind fast erschlagen von der Menge der Häuser, Menschen, Boote und Schmutz und würden am liebsten gar nicht erst an Land. Doch wir müssen ausklarieren. Das ist überraschend einfach, um so schwieriger gestaltet sich das Ausgeben unserer letzten Rupiah. Vier Wochen von Bali bis Tanjung Pinang sind ein absoluter Rekordmonat für uns. Außerhalb der Touristenzentren ist das Leben in Indonesien so preiswert, daß wir diesen Monat gerade mal DM 54 ausgegeben haben - und davon waren DM 45 für Diesel. Da freut sich halt ein richtiger Schwabe!

Singapur

Nach Indonesien ist Singapur wirkliches Kontrastprogramm. Die Stadt ist so groß, daß wir erst mal einen Tag benötigen, um uns zurecht zu finden. Adressen werden nicht wie bei uns mit Straßennamen und Hausnummern, sondern oft nur als Gebäudebezeichnung angegeben. Also ist die Einwanderungsbehörde im World-Trade-Center, der Seekartenhändler im Marina-Building und der Hafenmeister im Tanjong-Pagar-Complex. Haben wir endlich das richtige Gebäude erwischt, ist jeder dieser Wolkenkratzer wiederum so groß, daß man sich darin verirren kann. Singapur, das heißt auch: Herzlich willkommen im 21. Jahrhundert - Busse und Bahnen sind voll automatisiert, überall Rolltreppen, Glas und Spiegel, und natürlich alles voll klimatisiert - kein Wunder, daß Gaby schon nach zwei Tagen eine Erkältung spürt. Bei mir dauert es nur einen Tag länger. Nachdem wir das öffentliche Nahverkehrssystem durchschaut haben, ist dies aber wirklich vorbildlich. Extrem gute Verbindungen in dieser fast 3-Millionenstadt zu günstigen Preisen - man braucht hier wirklich kein Auto. Die limitierten Zulassungen für Autos werden nach einem etwas dubiosen System versteigert. Drei Tage lang sind wir hinter unserem Papierkram her, und als dann endlich auch die Visa für Thailand erhalten haben, können wir uns entspannt diesem Singapur widmen. Um auf dieser kleinen Insel mit so vielen Einwohnern Ordnung zu halten, sind es die Verordnungen, die uns zuerst auffallen. Ein Hinweis im Seehandbuch zeigt, daß langhaarige Männer nicht willkommen sind. Sie bekommen doch tatsächlich einen besonderen Stempel in ihren Paß: SHIT - Suspected Hippie In Transit. Die absolute Unverschämtheit! Ein Schild erklärt, daß in Büros Hippies erst dann abgefertig werden, wenn alle anderen bedient sind - also immer an das Ende der Schlange. Und Hippie ist, wer eines der folgenden drei Kriterien erfüllt:

die vorderen Haare können bis an die Augenbrauen gezogen werden

die Haare gehen über die Ohren

die Haare krausen sich im Nacken

und damit würde auch fast jeder in diese Katergorie fallen! Kaugummi kauen und Knutschen in der Öffentlichkeit sind verboten, das Wegwerfen des Bustickets kostet $ 1000 Strafe, das Überqueren der Straße neben Fußgängerüberwegen ebenso, und auf Drogenbesitz steht gar die Todesstrafe. Diese Verordnungen werden gleichzeitig jedoch durch geeignete Maßnahmen unterstützt - so gibt es in dem Park, vor dem wir gerade ankern, wohl mehr Abfalleimer als Bäume - mit dem Effekt, daß die Stadt auf den ersten Blick wirklich klinisch rein wirkt. Wir benötigen eine ganze Zeit, bis wir die wenigen liebenswerten Ecken finden, bevor wir Singapur schon nach nur 7 Tagen enttäuscht wieder verlassen.

In Singapur sind mehr als drei Viertel der Einwohner Chinesen - eine tolle Küche bietet sich da an allen Ecken und Enden in kleinen Kneipen und Ständen. Die Minderheiten leben, wie in vielen anderen Städten auch, in gewissen Vierteln geballt. China Town ist schon weitgehend der Stadtsanierung zum Opfer gefallen. Nach unserem Erkundungsgang im Zentrum, das sehr europäisch oder amerikanisch wirkt, zieht es uns nach Little India, denn es ist gerade Deepavali - ein buntes Lichterfest der indischen Hindus. Und in diesem Stadtviertel erkennen wir Singapur kaum wieder. Ein Markt so wuselig und schmuddelig wie halt ein richtiger asiatischer Markt sein muß, die Verkäufer aber höflich und zurückhaltend. Mit den vielen kleinen Läden aller Art in den Seitenstraßen fühlt sich Gaby hier richtig wohl. Ohne diese Straßenfeste der Hindus und Chinesen wäre in Singapur überhaupt nichts fröhlich-buntes zu erleben. Deshalb machen wir uns an unserem letzten Tag hier nochmals auf zum fire walking. Eine Zeremonie der indischen Hindus. Mehrere hundert Männer beten und tanzen sich einen ganzen Tag lang in Trance, ziehen dann in einem kilometerlangen Festzug durch die verkehrsreichen Straßen Singapurs zu ihrem Tempel. Dort brennt schon stundenlang ein Feuer, und einer nach dem anderen geht barfuß etwa 10 m weit durch die glühende Asche - ohne irgendwelche Schmerzen oder sichtbaren Schaden zu nehmen. So faszinierend dies ist, so dicht gedrängt sind natürlich auch die Menschenmassen. Die Angehörigen der Männer sind schon seit den frühen Morgenstunden im Tempel, eine farbenprächtig-wuselige Angelegenheit, und die Schuhe türmen sich in Bergen vor dem Eingang.

Malaysia

Wir klarieren in Port Kelang ein. Der Royal Selangor Yacht Club heißt uns herzlich willkommen. Swimmingpool direkt am Dinghianleger, Mooring für Ägir, ein tolles (malaysisches) Restaurant, freundliche, zufriedene Menschen - hier ist die Welt wieder richtig in Ordnung. Unser erster Ausflug bringt uns nach Kuala Lumpur. Eine faszinierende Millionenstadt - asiatisch wuselig, und doch ein Hauch westlicher Zivilisation. Wir fühlen uns richtig wohl, alles hat wieder einen festen Preis und im Gegensatz zu Singapur darf man sich hier wieder wie ein normaler Mensch benehmen. Die Einwohner sind sehr hilfsbereit und freundlich, wir betreten den ersten buddhistischen Tempel und dürfen uns innen in aller Ruhe überall umschauen. Zuerst steigt uns der exotische Duft der allgegenwärtigen Räucherstäbchen in die Nase, dann beeindrucken uns die bunten Farben der Altäre, an einer Seite werden allerlei Opfergaben an die Besucher verkauft, die dann im Tempel Buddha in geeigneter Form dargeboten werden: Orangen, Kuchen, Räucherstäbchen, symbolisches Papiergeld und Rasselstäbchen. Die Gläubigen knien vor der Statue, schütteln diese Stäbchen bis eines aus dem Bambusköcher herausfällt - und leiten daraus ihr Schicksal oder einfach nur die Lotteriezahlen ab. In der malaysischen Touristen-Information werden wir beispielhaft bedient, und schon ist die Dschungel-Tour gebucht.

 

Taman Negara ist der größte Nationalpark Malaysias und mit 130 Millionen Jahren angeblich der älteste Wald der Welt. Drei Stunden fahren wir mit dem Bus ins Landesinnere, dann steigen wir in ein flaches Holzboot mit 40 PS Außenborder um, und nochmals geht es fast drei Stunden lang den Fluß hoch - nur so ist dieser Regenwald erreichbar. Mit sehr viel Erfahrung steuern die Einheimischen dieses Kanu durch die Stromschnellen, doch als erfahrener Skipper muß ich manchmal ein bißchen die Luft anhalten, wenn in reißender Strömung nur eine handbreit Platz zwischen Boot und Fels bleibt.

   Orang Asli mit Blasrohr

Hier gibt es noch wilde Tiger, Kobras und Elefanten, doch dieses Großwild ist sehr scheu und man braucht sehr viel Zeit, noch mehr Geduld und schon ein ganzes Quantum Glück, um es zu Gesicht zu bekommen. Dagegen sind Insekten aller Art, Skopione, Vögel, Affen oder Tapire schon leichter zu finden. Bereits auf der Fahrt den Fluß hoch sehen wir zahlreiche Eisvögel, und der Wald scheint einfach undurchdringlich. Die Wanderwege von unserer Unterkunft aus sind gut erkennbar, und das Besondere auf unserer ersten Tour ist kein Tier, sondern wir treffen auf einen orang asli, einen der Ureinwohner dieses Gebiets vom Stamm der negrito. Er trägt nur ein Messer und ein etwa zwei Meter langes Blasrohr aus Bambus, mit dem er Affen jagt. Später, in seinem Dorf, erfahren wir mehr über das Leben dieser Nomaden. Eine Woche Arbeit steckt in so einem Blasrohr, denn die natürlichen Kammern des Bambus müssen sauber weggearbeitet werden, so daß letztendlich dieses Rohr innen so glatt und gerade ist, wie der Lauf eines Gewehrs. In dieses lange Bambusrohr kommt man nur mit einem weiteren, dünneren Bambusstock - eine wahre Fleißaufgabe, und das Ergebnis ist wirklich perfekt. Die Pfeile sind aus Palmholz geschnitzt und normalerweise nicht vergiftet. Er zeigt uns, wie er auf bis zu 30 m Höhe ein etwa handflächengroßes Stück Papier trifft - einfach unglaublich. Die Frauen schnitzen Haarkämme aus Bambus, und ansonsten führen sie ein sehr einfaches Leben, noch wie zu Urzeiten. Interessant ist, daß wir schon zweijährige Kinder rauchen sehen. Man erklärt uns, daß dies einmal eine gute Methode ist, Stechmücken fern zu halten, zum anderen werden so die kleinen Kinder ruhig gehalten, denn bei der Jagd auf Affen mit so einfachen Mitteln ist jegliches Geräusch zu vermeiden. Ihre Hütten ähneln denen in Vanuatu, nur daß die Wände aus Baumrinden gemacht sind - Bahnen fast einen Meter breit!

Der Höhepunkt in diesem Dschungel ist für uns eine Nachtwanderung (keine Angst, natürlich mit Führer). Ohne daß wir etwas sehen - allein die vereinten Geräusche der Tiere, die wir aus allen Richtungen hören, sind schon eine Faszination für sich: Grillen, Zikaden, Vögel und bellende Hirsche. Eine Grillenart gibt einen Ton von sich wie eine Kreissäge. Im Schein der Taschenlampen sehen wir etwas, das wie kleine Katzenaugen strahlt: Die Augen von Spinnen und Schmetterlingen in neongrün, blau und orange. Ein Pilz ist durch den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht richtig am dampfen, und wir treffen auf andere Pilze, die fluoreszieren - mitten im Wald, in absolut stockfinsterer Nacht schimmert ein von Pilzen befallener Baumstamm gespenstisch-milchig weiß. Es gibt etwa 2000 Arten von Stabheuschrecken. Sie sind nachtaktiv und sehr unscheinbar. Sehen aus wie ein Stückchen Holz. Und sie werden bis zu 30 cm lang und fingerdick.

Die Gefahren des Urwalds sind nicht etwa Tiger oder Kobra. Viel lästiger und aufdringlicher sind die Schnaken allüberall, Blutegel, Wanzen im Bett und beim Frühstück (!) verknackse ich mir doch tatsächlich den Knöchel. Voll mit neuen Eindrücken kehren wir nach vier anstrengenden aber erlebnisreichen Tagen zu Ägir zurück - und das Gefährlichste war das Frühstück!

Auch an der Küste ist es um diese Jahreszeit schwül, feucht und heiß. Wir gewöhnen uns an die täglichen, schweren Gewitter. Die damit verbundenen Schauer sind so heftig, daß wir mit unserem 2 m2 großen Regendach in nur 15 Minuten bereits 40 l Wasser auffangen.

Über Pankor und Pulau Rimau segeln (ja, seit vier Wochen haben wir mal wieder etwas Wind!) wir nach Penang. Dabei passieren wir die drittlängste Brücke der Welt. Immerhin 13,5 km lang. Diese kleine Stadt gefällt uns von allen asiatischen Städten bisher am Besten:

   Farben und Gerüche am Tempel

Was sich gestern abend bei einem kurzen Spaziergang andeutete, bestätigt sich heute: Georgetown ist eine ganz besonders faszinierende Stadt, die asisatischen Charme und Trubel mit westlichen Hygienestandards zu kombinieren weiß. Den Löwenanteil der Bevölkerung stellen die Chinesen, gefolgt von Malayen und Indern. Und so schaffen sie eine friedvolle Koexistenz der größten Weltreligionen Buddhismus, Islam, Hinduismus und Christentum. Eine Mischung auch, die den einzelnen Stadtvierteln ihre liebenswerten Besonderheiten beschert. In den engen Gassen, von Chinesen bewohnt, schweift unser Blick immer wieder durch weit geöffnete Türen in Wohnungen, deren Hausaltäre einen zentralen Punkt im Wohnraum bilden. Händler gehen auf den Gehwegen ihrem Gewerbe nach, zerhacken Schildkrötenpanzer für die nach Potenzmitteln so gierigen Chinesen, erledigen Post für Schreibunkundige oder bemalen verstaubte Holzfiguren mit grellen Acrylfarben. Stundenlang könnten wir so durch die Gegend schlendern, uns ziellos und doch magisch von dieser für uns so fremden Welt anziehen lassen.

Das Clanhaus der chinesischen Familie Khoo soll das prunkvollste im südasiatischen Raum sein, und das, obwohl der erste Bau abbrannte, die jetzige Variante viel einfacher in der Ausführung ausgefallen ist. Wir sind also ganz schön vorgespannt, als wir uns voller Erwartung der letzten Wegbiegung nähern. Aber nichts hat uns auf einen derart prächtigen Anblick vorbereitet. Das rote Dach, verziert mit zahlreichen goldenen Drachen und Schnitzereien wetteifert mit dem prächtigen, von riesigen steineren Wächtern gesäumten Treppenaufgang um die Bewunderung des Betrachters. Dazu riesige bunte Lampions, die filigranen Wandfiguren, die äußerst dekorativ schnöde Fenstervergitterungen ersetzen ... wir betreten den mittleren Raum, in dem sich ein großer Altar befindet. Opfergaben, dazu Reiswein und Tee in kleinsten Tassen, riesige Kupferbehälter mit Räucherstäbchen, Öllampen. Dazu die geschnitzten Deckenbalken, riesige Wandmalereien, mit Intarsien aus Perlmutt verzierte Stühle und Tische. Die beiden seitlichen Zimmer mit ihren kleinen Altären sind mit Namenstafeln des weltweit verstreuten Familienclans bedeckt. Ausschließlich Akademiker, die, ob in London, Paris oder L.A. wohnhaft, hier in Penang das Zentrum ihrer Familie sehen.

Nur wenige Straßenzüge weiter, betreten wir den nächsten Tempel. Schon im Vorhof empfangen uns wahre Rauchschwaden, denn hier werden die Geldscheine verbrannt und auch die überschüssigen Räucherstäbchen den Flammen übergeben. In den einzelnen Tempelräumen wimmelt es nur so von Gläubigen, die alle mit ihren Räucherstäbchen in der Hand Verbeugungen ausführen, nur um sich anschließend die tränenden Augen zu wischen.

Die chinesische Küche Penangs ist zu Recht als vorzüglich klassifiziert. Zwar können wir der Speisekarte kaum entnehmen, was wir so richtig bestellen, aber es schmeckt einfach toll: Frühlingsrollen, Hähnchen am Spieß mit Erdnußsauce und eine knackige, süß-sauere Kombination aus Tintenfisch und Gemüse.

Gaby ersteht noch ein unglaublich schönes chinesisches Schreibset eigener Komposition: Zwei Bambuspinsel, eine Dose mit kreisrundem Tintenstein sowie dem dazu benötigten Mischstein und ein chinesisches Schulschreibheft. Natürlich ist für unsere Auffassung die Rückseite beschriftet und die Blätter sind keineswegs liniert, sondern haben "Hilfskästchen" für die chinesischen Schriftzeichen von hinten nach vorne und von oben nach unten. Und unsere Souvenirsammlung wird um ganz niedliche Einzelteile erweitert: Porzellanbänkchen zur Ablage der Eßstäbchen, sowie die für Schwimmleuchten notwendigen Einzelteile wie Korkschwimmer und Dochte.

So ab und an braucht der Mensch einfach ein wenig Luxus, haben wir uns gesagt, als wir das Restaurant für unser Mittagessen auswählten. Aber vor das Vergnügen hat der Herr die Arbeit gesetzt und so widmen wir uns zunächst der Reparatur des Türschlosses. Es ist einfach unglaublich, wie verstaubt und unorganisiert der lokale Schlüsseldienst aussieht - kein Vergleich zu Mister Mint. Dafür aber wird die gebrochene Feder durch eine von Hand maßgefertigte ersetzt, und wir dürfen uns die Wartezeit bei einem Kaffee vertreiben. Schließlich ist unser Schloß so gut wie neu (in Australien galt es als nicht reparabel), und das Ganze dauert gerade mal 5 Minuten.

Das Restaurant im Nobelhotel Shangri La wirbt mit seiner Speisekarte, die über 45 verschiedene Arten von dim sims aufweist. Zum Glück für uns, auch in englischer Sprache und so stellen wir uns voller Vorfreude unser Menü zusammen: Frittierte dim sims mit Shrimps, dim sims mit Speck und eine Variante mit gehackten Krabben und Fleisch. Dazu natürlich einen chinesischen Tee. Wir sind mittlerweile ganz geschickt im Umgang mit den Stäbchen und so tauchen wir unsere Leckerbissen richtig galant in die unterschiedlichen Sößchen - von einer Art Majonnaise über Chilli-, Pflaumen- und diversen Sojasaucen. Einfach köstlich. Der zweite Gang besteht dann aus Spare Ribs, dim sims mit .... und nun läßt mich mein Erinnerungsvermögen im Stich. Uns schmeckt es jedenfalls so gut, daß wir noch eine dritte Bestellung aufgeben. Es geht uns halt doch nicht sooo schlecht.

Ein letzter Ausflug in Penang bringt uns zum cultural center. Dort werden traditionelle, malaysische Tänze geboten. Die Kostüme sind farbenprächtig wie überall in Südostasien. Der "Bauerntanz" erinnert uns ein wenig an griechische Rythmen und Bewegungen. Publikumsliebling ist der "Pfau", ein graziler Tänzer, mit Pfauenfedern geschmückt. Beim Neckermann-Finale (das Publikum mischt sich unter die Tänzer und versucht sich selbst), verlassen wir das Gelände und sind erstaunt, über die malaysische Höflichkeit: Da es noch etwa 30 Minuten dauern wird, bis der Bus zurückfährt, bestellt und bezahlt (!) uns der Veranstalter ein Taxi, damit wir nicht so lange warten müssen - einfach unglaublich.

Unser letzter Stop in Malaysia ist die Insel Langkawi. Die schroffen Klippen sind schon von weitem auszumachen, und hinter unserem Ankerplatz liegt ein kleiner Süßwassersee - richtige Mummelsee-Atmosphäre überkommt uns. Das Dorf ist wuselig und nichts besonderes, wir klarieren aus und verankern uns nochmals vor einem herrlichen Sandstrand. Am nächsten Tag streichen wir die malaysische Gastflagge und setzen dafür die thailändische:

Thailand

Die erste Begegnung mit den thailändischen Geistern erfolgt bereits auf See. Während die guten Geister an Bord wohnen, zieht jedes Schiff seine bösen Geister im Kielwasser hinter sich her. Das erklärt, weshalb die Thai-Fischer immer versuchen, ganz knapp vor unserem Bug durchzufahren, denn dann bleiben die bösen Geister bei uns hängen... Im Haus wohnen die bösen Geister in der Türschwelle, und sie machen sich über das Haus und seine Bewohner her, sobald man auf sie tritt. Also immer einen großen Schritt über die Schwelle! Auf der ersten kleinen Insel Ko Lipe finden wir Bäume, denen man eine Schärpe umgebunden hat - heilige Bäume. Und wir werden eingeladen, unser erstes Original-Thai Fishcurry zu probieren: Teuflisch scharf und doch wirklich lecker. Das Dorf bietet etwa 1000 Menschen Platz, doch wir sehen nur wenige. Es sind Nomaden der See, die in ihren Booten von Insel zu Insel fahren, ihren Fang in Malaysia verkaufen, und nur gelegentlich in ihr Dorf zurückkehren. Die Sprache ist für uns äußerst schwierig, denn ein Wort kann - abhängig vom Tonfall - verschiedene Bedeutungen haben. Ma heißt "Pferd", "Hund" oder "komm her" und so muß man höllisch aufpassen, wenn man jemanden herbei ruft. Auf Ko Lipe, unserer ersten Begegnung mit den Thais, empfinden wir sie als sehr zurückhaltend, extrem freundlich und grundehrlich. Thailand - Land des Lächelns. Und das paßt wirklich gut zu dieser Inselgruppe, denn die Strände sind einfach paradiesisch, unberührt, und nach dem trüben Wasser in Singapur und Malaysia müssen wir uns erst wieder daran gewöhnen, daß wir beim Ankern den Grund deutlich sehen können.

Und so hüpfen wir von Insel zu Insel, eine beeindruckender als die andere. Mit Ko Phiphi Don erreichen wir die wohl schönste (Touristen-) Insel unserer bisherigen Reise: Steile Kliffs, feine Sandstrände, Korallen im klaren Wasser - einfach traumhaft. Trotz des heftigen Tourismus hat dieses Dorf seinen Charme noch weitgehend erhalten. Mitten zwischen den Boutiquen befinden sich die einfachen Hütten der Einwohner, man schöpft Wasser aus Brunnen, eine Frau führt ihre Ziege an einem Strick durchs Dorf. Schon beim ersten Rundgang versuchen wir ein siamesisches Frühstück: Mandarinensaft, Nudelsuppe mit Krabben und Kaffee. Ich staune nicht schlecht, werden mir doch Stäbchen als Besteck zur Suppe gedeckt! Also erst das Dicke rausessen und dann aus der Schüssel schlürfen. Thailändisches Essen ist vom schärfsten, was wir je hatten - besonders zu empfehlen die Tom Yam Suppe. Während Gaby einen Tag lang in einer Batik Werkstatt mitarbeitet und sich drei tolle Tücher fabriziert, bin ich beim Tauchen. Die Vielfalt der Fische ist einfach überwältigend, das Wasser selbst in 20 m Tiefe noch 280C warm - es ist superklasse hier! Es fällt uns schwer, weiter zu segeln. Doch unser Ausflug ins Landesinnere verspricht auch ganz interessant zu werden.

Also machen wir uns auf in die nagelneue Marina in Phuket und kommen gerade rechtzeitig zu den Einweihungsfeierlichkeiten. Bei siamesischen Tänzen und Freibier treffen wir doch tatsächlich einen Segler aus Bodman, der hier anläßlich Bhumibols Geburtstag an der Kings Cup Regatta teilnimmt. Mit dem tuk-tuk (diese Taxis heißen zurecht so) geht's nach Phuket - und schon ist der erste Teil unserer Thailandrundreise gebucht.

 

Chiang Mai, ganz im Norden Thailands, ist der Ausgangspunkt zu Touren in das Grenzgebiet zu Burma und Laos - dem Goldenen Dreieck, bekannt und "golden" wegen des reichlichen Mohn- (Opium) und Marihuana-Anbaus. Wir wohnen bei Thedda in Linda's Guesthouse, einer Deutschen, die mit einem Thai verheiratet ist und seit vielen Jahren diese Herberge betreibt. Sie organisiert alle Touren für uns, inklusive Schlafsack und Führer. Durch ihre Erzählungen bekommen wir auch einen sehr intensiven Einblick in die Mentalität der Thais, die wir später immer wieder am eigenen Leib bestätigt bekommen. Zunächst geht es aber in die Stadt, von einem Tempel zum anderen (Thailand hat etwa 31.000 Stück davon), einer prächtiger als der andere. Blattgold ziert die Kuppeln und Buddhas, kleine Spiegel in weiß, grün, rot und blau an den Säulen, Wänden und Dächern sorgen für tolle Effekte, und immer wieder finden wir Malereien der thailändischen Version des indischen Ramajana an den Wänden. Klar, daß auf den Altären immer unzählige Buddhas aller Größen liegen, sitzen oder stehen. Die Pracht in diesen Tempeln - die übrigens gar nicht so alt sind - ist einfach unbeschreiblich.

   Bauern im "Goldenen Dreieck"

Genug der Großstadt. Für drei Tage geht unsere Wanderung in das Bergland nahe der burmesischen Grenze. Diese Berge sind die südlichsten Ausläufer des Himalaya, wir übernachten in den einfachen Bambushütten der Bergstämme, und trotz Faserpelzjacke, Schlafsack und zwei Decken frieren wir nachts zum ersten Mal seit Jahren... Die hill tribes sind keine Thais, sondern kommen ursprünglich aus Burma und sind ganz liebenswerte Menschen. Sie kleiden sich in fein bestickten Trachten, verziert mit Münzen, Metallkugeln und Früchten. Es erinnert uns ein bißchen an Rußland oder Jugoslawien. Unsere Polaroid-Kamera (Singapur Erwerb) ist die Sensation, alle stellen sich der Reihe nach auf, jeder will ein Bild von sich - dafür füllt sich Gaby's Souvenier-Rucksack mit Bauchringen, Armreifen, Armbändern, einem Kopfschmuck, Jagdmesser, Buschmesser ... Höhepunkt für uns ist der Ritt auf einem Elefanten. Für zwei Stunden durch den Urwald. Es ist ganz erstaunlich, wie trittsicher diese 3- bis 4-Tonnen Kolosse selbst glitschige Steilhänge bewältigen. Dabei gehen sie so ruhig, daß man, ohne sich festzuhalten, einfach auf dem Kopf sitzen kann. Klar füttern wir ihn anschließend mit einer riesigen Menge Bananen, die er mühelos verdrückt. Trotz ihrer Größe sind Elefanten wirklich ganz liebe und intelligente Tiere. Als uns ein Baumstamm im Weg liegt, gibt der mahut - sein Führer und damit die einzige vom Elefanten anerkannte Person - nur ein kurzes Kommando, der Elefant schiebt seinen Rüssel drunter, und schon liegt dieser Baumstamm neben dem Weg. Scheinbar ganz mühelos. Im zweiten Dorf erleben wir das Opium hautnah: Männer, Frauen und Kinder rauchen, ganz selbstverständlich, bis zu 10 Pfeifen am Tag. Die Pfeifen für die Frauen sind sehr zierlich, die bongs für die Männer aus ziemlich dickem Bambus - daß auch was rein paßt. Interessant für uns war, daß die Menschen dadurch sehr lustig wurden, kicherten, aber keinerlei Anzeichen wie Übelkeit, Torkeln oder Trunkenheit wie von Alkohol zeigten. Insofern war es auch für uns - ohne das Zeug zu probieren - ein ganz lustiger Abend. Am Lagerfeuer aus Maiskolben singen die Kinder für uns, eine wirklich romantische Stimmung. Am letzten Tag geht's dann auf einem Bambusfloß den Fluß abwärts. Nichts weltbewegendes, aber wir bekommen doch einen Eindruck, wie man die bis vor kurzem unzugängliche Gegend befahren hat.

Nach dieser Tour in die Abgeschiedenheit trifft uns der touristische Handel in Chiang Mai wie ein Schock. Überhöhte Preise, unermeßlicher Ramsch. Bei einem Juwelier - der Sohn von König Bhumibol und Königin Sirikit ist Teilhaber - erstehen wir noch zwei Ringe mit heimischen Edelsteinen: Saphir für mich und eine Rubin-Saphir-Smaragd Kombination für Gaby. Ja ihr beiden Muttis, das wäre ein Paradies für Euch beide... Wieder einmal haben wir richtig Glück, denn für drei Tage ist in Chiang Mai ein thailändisches food festival angesagt. Zunächst das Auge: Die hübschen Thai-Mädels verstehen es, Früchte zu wahren Kunstwerken zu schnitzen. Aus einem Rettich wird ein Pfau, die Melone in Form einer Lotosblüte, Papayas und vieles andere ist wirklich zu schade zum anknabbern. Dennoch lassen wir es uns in diesem Jahrmarkt der kulinarischen Genüsse mal wieder nicht soooo schlecht gehen.

 

   Ein Muß: Der Ritt auf dem Elefanten

Ayuthaya ist die alte Hauptstadt von Siam. Die Tempel sind hier wirklich alt - etwa aus dem 11. Jahrhundert, bestehen aber fast nur noch aus rohem Gemäuer und Hügeln aus Ziegelstein. Die geborgenen Schätze besichtigen wir dann im dazugehörigen Museum und hier finden wir den kleinsten Buddha unserer Reise: Er ist etwa ein Drittel so groß wie ein Reiskorn. Wie schon in Chiang Mai ist uns auch hier das Glück hold: Cultural Heritage - Annual Celebration. Für uns heißt das, daß wir die ganzen alten, traditionellen Handwerker bei der Arbeit beobachten können. Vom Töpfer zum Schwertschmied, Drachenbauer, Maler, die mit filigranen Mustern kleine Vasen und Töpfe dekorieren. Besonders beeindruckend ist die Art und Weise, wie mit Perlmutt eingelegte Tische oder Vasen entstehen: Die Muschel wird in kleine Stücke gebrochen, diese werden dann von Hand - Stückchen für Stückchen in die gewünschte Form geschliffen, wie im Puzzle dann auf dem Objekt aufgeklebt. Die freigebliebenen Flächen werden dann mit schwarzem Lack gefüllt und das Ganze poliert. Eine wochenlange Pfriemelarbeit mehrerer Menschen an einem einzigen Stück!

 

   Unbeschreiblicher Prunk

Bangkok. Motto: "Rein in die Paläste und Tempel - und nix wie raus aus Bangkok." Eigentlich hatten wir vier Tage geplant, am zweiten saßen wir bereits wieder im Zug. Es ist heiß, staubig, stickig und der Verkehr ist unbeschreiblich. Jedesmal, wenn eine Ampel auf "grün" springt, geht es zu wie beim Start zum WM-Lauf in Hockenheim. Und obwohl wir im Royal Hotel für 1300 Baht die Nacht untergebracht waren, bedient sich halt der Zimmerservice mit allem, was ihm brauchbar erscheint. Kommentar der Rezeption: Da drüben ist ein Laden, kaufen sie sich halt ein Neues...

   Intarsien als Sohlen des Buddah

Dennoch, der Wat Pra Keo ist der Tempel nahe des königlichen Palastes und damit Gebetsstätte von Bhumibol und Sirikit. Es ist einfach unglaublich, in welcher Pracht dieser Tempel erstrahlt. Das gleißende Sonnenlicht auf den mit Blattgold belegten Dächern, reflektiert in den unzählbaren Spiegeln. Der Boden der Bibliothek aus Silber. Und ein sitzender Buddah aus Jade, der heiligste in Thailand. Die Wände geschmückt mit filigranen Fresken. Kodak macht Millionen allein an diesem Platz! Etwas weiter im Wat Po finden wir mit 46 m den größten liegenden Buddah, dessen Fußsohlen (Perlmutt Intarsien) für sich allein schon ein richtiges Kunstwerk sind. Ja, und wer hat denn schon mal einen Elefanten in einer Großstadt gesehen, wie er über den Markt schlendert und bei jeder Gemüsefrau die Reste einsammelt? Das Chinesenviertel ist auch in Bangkok - wie wohl überall auf der Welt - sehenswert. In engen Gassen, wo wir uns kaum drehen können, wuselt es wie im Ameisenhaufen.

   Intarsien im Detail

Nur etwa 130 km sind es bis an den River Kwai. Eine Eisenbahnbrücke wie viele tausend andere auch, wäre da nicht ihre Entstehungsgeschichte. Im 2. Weltkrieg wurde von den Japanern die "strategisch" wichtige Bahnlinie Burma-Thailand mit Hilfe von 200.000 Kriegsgefangen gebaut, von denen etwa 90.000 dort ihr Leben lassen mußten. Ein Mahnmal an die Sinnlosigkeit des Krieges, denn die Brücke wurde kurz nach Fertigstellung durch Bomben wieder zerstört. Wir sind tief gerührt, als wir auf dem Soldatenfriedhof stehen: Alles junge Männer. So schön wie wir diese Welt erleben dürfen, so sehr denken wir im Moment mit Schiller: "Der Schrecklichste der Schrecken, das ist der Mensch in seinem Wahn."

So, und nun sind wir wieder zurück bei Ägir und die Vorbereitungen für den nächsten Schlag nach Sri Lanka werden mit Einkaufen, Segel nähen, Motor Wartung uvam deutlich. Und es weihnachtet sehr, denn auf dem Postamt finden wir einen ganzen Stapel Briefe und Karten, der Hafenmeister hat Faxe für uns - gut daß der Kühlschrank kalt ist, denn dem Champagner macht es wohl nix, wenn er schon ein paar Tage vor Silvester blubbert....

   Handarbeiten aller Art

Für eventuelle Thailand Reisende noch ein Hinweis zur Mentalität der Thais. Ein Thai macht nur, was sanuk ist - also was Spaß macht. Alles andere umgeht er mit einem Lächeln. Er wird also nie zornig oder streiten, er tut lieber gar nichts. Die Konsequenz? Nun, in unserem Nobelhotel in Bangkok schläft ein Betrunkener in der Lobby seinen Rausch aus (bei uns undenkbar), aber ihn zu wecken und ihn des Hauses zu verweisen ist einfach nicht sanuk. Als wir eine Zugfahrkarte lösen wollen: Es gibt keinen Platz, erst wieder in 90 Tagen - wir lächeln freundlich, fragen nochmals, erst in 2 Tagen, also lächeln wir noch freundlicher und schon haben wir unsere Platzkarte. Wir würden sagen, daß, wenn ein Thai den Mund aufmacht, dann lügt er. Das hört sich sehr hart an, trifft aber ziemlich genau ins Schwarze. Ihre Art, jeglicher Konfrontation oder auch Arbeit aus dem Weg zu gehen ist schon einmalig und wenn mal was nicht klappt (wie sehr oft), dann haben sie sehr elegante Ausreden und Entschuldigungen zur Hand. Selbst die so bekannten Thai-Mädels sind nur solange zu allem bereit, bis sie ihr Opfer richtig am Wickel haben - und dann verstehen sie es sehr geschickt, die Männer aufs heftigste auszunehmen. Und so erklärt sich auch, daß Thai-Boxen und Hahnenkampf wichtiger sind, als Arbeit. Die "Masseusen" am Strand von Phuket arbeiten nur ein paar Stunden, dann ziehen sie sich zurück, um Karten zu spielen - und nur diejenigen, die verloren haben, sieht man nachmittags am Strand wieder....Es soll tatsächlich in Chiang Mai ein Restaurant geben, wo man immer genau das serviert bekommt, was man bestellt hat. Ganz ungewöhnlich für Thailand. Also, komme da was da wolle: Immer nur lächeln...

Weihnachten 1994 - das Zeitfenster, um den Indischen Ozean zu überqueren ist mit drei Monaten sehr kurz. Alles, was auf dieser Route ist, sammelt sich in Phuket, um auf das Einsetzen des Nord-Ost-Passats zu warten. D. h., hier tummeln sich z. Zt. mindestens 200 Yachten. Um den unausweichlichen Parties und Potlucks auszuweichen, verziehen wir uns mit Ägir in eine kleine, romantische Bucht nur zehn Meilen weiter südlich. Herrlich weißer Sandstrand umrahmt von steilen Klippen, klares Wasser, dazu die Kassette des Onnen-Chors: "I am dreaming of a white Christmas....". Wir verbringen fast den ganzen Weihnachtstag im Wasser, denn außerhalb ist es einfach zu heiß.

Am ersten Arbeitstag danach wird ausklariert, eingekauft, wir verabschieden uns von einigen Freunden, die von hier aus eine andere Route einschlagen wollen, Gaby blättert schon eifrig im Reiseführer Sri Lanka, und los geht's. Nicht ohne einen Zwischenstop auf den Similan Islands, die unser Tauchführer als das schönste Tauchrevier Thailands beschreibt. Die Inseln wirken durch riesige Felsbrocken am Ufer unwirtlich und wuchtig. Direkt vom Boot aus gehen wir schnorcheln und tauchen. Wenig Koralle, aber die Anzahl und die Vielfalt der Fische ist wirklich beeindruckend, und wir sind uns nicht sicher, ob wir dieses herrliche Fleckchen Erde schon morgen wieder verlassen sollten, oder einfach noch ein paar Tage hier bleiben.

Aber man glaubt es kaum, der Massentourismus hat nun auch schon die Weltumsegler erschlossen, und eine Flotte sogenannter "Europayachten", von einem Engländer organisiert, machen uns das Leben nicht einfacher - also müssen wir unsere Reisetermine so planen, daß wir dieser Gruppe möglichst gut aus dem Weg gehen. Denn wo auch immer diese Flotte auftaucht, gibt es keine Liegeplätze mehr, die Preise sind verdorben und auch ihr Benehmen ist alles andere als vorbildlich, und so bildet sich schnell ein gewisses Image. Also gehen wir am 1. Januar Anker auf und setzten Segel Richtung Sri Lanka.

   
 

© ÄGIR  Gabriele und Jochen Leonhardt 1999. Alle Rechte vorbehalten. Letzter Update am: 22. März 2001