Das Rote Meer.

Djibouti, Eritrea, Sudan und Ägypten.

Djibouti

   Dominant: Die Religion

Es ist Ramadan. In moslemischen Ländern ist also nicht allzuviel los. Es krieselt noch im Yemen. Also ändern wir mal kurzerhand wieder unseren Zielort und steuern Djibouti an. Hier bekennt man sich zwar auch zum Islam, aber bei weitem nicht so fanatisch und als ehemals französische Kolonie (Somalia) ist das Leben zwar etwas teurer, dafür ist alles vorhanden, was wir zur Verproviantierung für das Rote Meer brauchen, man spricht französisch, und man glaubt es kaum: Selbst der Cremant ist im Supermarkt im Angebot. Abgesehen von der Stadt Djibouti selbst, besteht das Land fast nur aus Wüste: Steine, trockene Wadis, Salzseen, ein paar Dromedare (einhöckrige Kamele), und die wenigen Menschen, die hier leben, sind Nomaden. Auch in der Stadt schlafen sie - wie gewohnt - auf einem Pappdeckel mitten auf den Bürgersteigen. Ein wirklich gewöhnungsbedürftiger Anblick. Viele tragen einen Stock - nicht weil sie gehbehindert sind, sondern weil sie normalerweise Ziegen hüten. Doch sie sind nicht wirklich arm, sie haben nur andere Wertvorstellungen. Anstatt sich ein Haus zu bauen und ein Bett zu kaufen, tragen sie ihr Gold lieber in der Tasche. Schade, daß die Djibouter so unfreundlich, ja aggressiv sind, und auf dem Markt werden wir doch tatsächlich mit Auberginen und dergleichen beworfen, nur weil wir unseren Fotoapparat dabei haben. Hans-Jörg und Regina sind zwei Entwicklungshelfer, und durch die beiden gewinnen wir einen guten Einblick in das Land. Es wächst absolut nichts, alles wird importiert, das erklärt das Preisniveau. Einen Tag regnet es, das ansonsten trockene Wadi wird zum Sturzbach und eine 8 m hohe Flutwelle spült alles weg, was sich ihm in den Weg stellt. In manchen Häusern der Stadt steht das Wasser 1,5 m hoch im Wohnzimmer und das ganze Hab und Gut wird schnell auf dem Dach untergebracht. Nur zwei Tage später ist alles wieder knochentrocken - einfach unglaublich. Und es ist faszinierend, wie sich die Natur darauf eingestellt hat. So gibt es hier Pflanzen, die innerhalb eines Tages grünen, blühen und zur Samenreife gelangen! Hans-Jörg fährt uns nochmals für einen halben Tag in die Wüste. Es ist überraschend für uns zu sehen, wie vielfältig diese sich darstellt. Flache, mit Steinen übersäte Hochflächen, tiefe Schluchten die dem Grand Canyon in den USA in nichts nachstehen, junge Lavafelder, wo die flüssige Masse zu bizarren Formen erstarrte, mitten in der Wüste plötzlich eine heiße Quelle, und zu guter letzt besuchen wir noch den Lac Assal - einen riesigen Salzsee, dessen Salzschicht 70 m dick ist. Darüber zu gehen fühlt sich an wie auf Eis, es knistert und knackst, und Gaby sammelt ausnahmsweise mal Salzbrocken. Damit haben wir zwei weitere Extreme auf unserer Reise erreicht: Den heißesten Punkt Afrikas und mit 159 m unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle.

Eritrea

Das Rote Meer hat seinen Namen von einem Algenwuchs, der das Wasser gelegentlich rötlich erscheinen läßt. Doch zunächst erleben wir es weiß. In der südlichen Einfahrt, dem Bab el Mandeb weht es mit 7 Beaufort und wie düsen Eritrea entgegen. Schon bei der Einfahrt in den Hafen von Massawa sind die Kriegsschäden nicht zu übersehen. Einschußlöcher und zerstörte Häuser all über all. Zoll und Immigration sind sehr zuvorkommend - wir sind erst die 105te Yacht hier. Unser erster Stadtbummel ist voller Überraschungen. Auf der Suche nach Postkarten finden wir einen kleinen Laden, der tönerne Kaffeekannen verkauft - ganz typisch und ein ideales Souvenir. Doch unsere Verhandlungen werden in italienisch geführt, denn wie wir erfahren, war Äthiopien noch unter Mussolini italienische Kolonie! Wir erstehen zwei Kännchen und die Ladenbesitzer sind so freundlich, und erklären uns immer wieder, wie der Kaffee richtig zubereitet wird, daß wir fast nicht mehr loskommen. Die Kanne hat einen runden Boden, steht also nicht, und wird direkt in die Feuerstelle gestellt. Kaffeepulver und Zucker dazu, bis das Wasser kocht. Dann wird der Ausguß mit Kokosfasern verstopft und dient so als Sieb, daß der Kaffeesatz in der Kanne bleibt. Im nächsten Laden fragen wir nach Brot: Al forno - beim Bäcker, und der kleine Junge begleitet uns und zeigt uns den Weg durch die verwinkelten Gassen dieser typisch arabischen Stadt - ohne nach Bakschisch auch nur zu fragen. Auf der Straße reißt sich ein kleines Negerlein von seiner Mutti los, nur um auf uns zuzurennen und uns an der Hand zu fassen - einfach zu süß! Die Eriteaer sind fleißig und ehrlich, überall ist der Wiederaufbau in vollem Gange, und in den kleinen Läden und Straßencafes wuselt es so richtig. Hübsche Frauen (ohne Schleier) - richtige äthiopische Gazellen, Männer im Kaftan und mit einem weißen Turban, die Gebäude mit ihren spitz zulaufenden Rundbögen, fein geschnitzten Türbalken, ein Bild wie aus "Tausend und einer Nacht". Unser Welcome-Dinner in Eritrea ist natürlich etwas italienisch angehaucht, denn die Speisekarte bietet Maccaroni, Lasagne, Gamberi, ... Schon nach diesen wenigen ersten Stunden sind wir begeistert von diesem Land. Schade ist nur, daß vor allem die Frauen so kamerascheu sind und wir wahrscheinlich wesentlich weniger Bilder und Videos mitbringen werden, als wir es uns wünschen.

   Kamele sind allgegenwärtig

Zwei Tage lang verlassen wie Ägir und fahren nach Asmara, der Hauptstadt Eriteas. Die Fahrt im Bus ist atemberaubend und die Straße windet sich 2000 m hoch ins Gebirge. Abgesehen vom Straßenbelag steht dieser Fahrweg einem Gotthard-Paß an Kühnheit in nichts nach. Während die weite Ebene um Massawa jetzt während der Trockenzeit staubig und einfach nur braun aussieht, gewinnt die Landschaft mit jedem Höhenmeter, jeder Haarnadelkurve an Farbe. Schier endlos schmiegen sich die kleinen, terrassierten Felder an die steilen Berghänge und es fällt nicht schwer, sich den mühsamen Alltag der hier lebenden Bauern vorzustellen, in einer Region, die sich gegen einen Einsatz moderner Maschinen verschworen zu haben scheint. Die Ansiedlungen sind entsprechend klein und wir sind fast 2,5 Stunden unterwegs, bis wir im ersten größeren Dorf Frühstückspause einlegen. Natürlich klettern alle etwas steif und ungelenk aus dem Bus und so mancher hat dabei noch den eigenen, stark verbeulten Teekessel im Schlepptau.

   Buntes Angebot auf dem Markt

Asmara ist dann für uns wiederum voll von Überraschungen: Wir könnten in einer italienischen Kleinstadt sein. Kathedrale, Kirchen, saubere Straßen, Fabriken - obwohl der Bürgerkrieg erst kurz vorbei ist, funktioniert das Leben und die Wirtschaft schon wieder hervorragend. Und wer könnte unsere Überraschung nicht verstehen, wenn wir mitten auf der Straße von Pimpfen auf italienisch angesprochen werden, die einfach nach unserem Namen fragen. Gekleidet ist man übrigens sehr gut hier, Mann häufig in Anzug mit weißem Hemd und Krawatte, während die Garderobe der Frauen vom letzten westlichen Modeschrei bis hin zur traditionellen äthiopischen Kleidung reicht. Die LKWs sind von Daimler-Benz, die Taxis von Opel, die Baumaschinen von Liebherr - und im Gegensatz zu Somalia werden diese Spenden hier wirklich benutzt. Kein Wunder, daß wir beide als Deutsche sehr gut hier angesehen sind, und der eine oder andere Einwohner, der als Flüchtling aus Deutschland nach Eritrea zurückgekehrt ist, spricht fließend deutsch. Alle sind extrem freundlich und hilfsbereit, selbst das Visum für Ägypten auf der Botschaft in Asmara erhalten wir in der Rekordzeit von nur 5 Minuten - obwohl wir nach Büroschluß dort auftauchen, mein Paß keine 6 Monate mehr gültig ist, und Gabys Paß nur noch auf dem Deckblatt Platz für einen Stempel hat. Der Markt nimmt ganze drei massiv gemauerte Hallen ein und ist orientalisch bunt und liebenswert, wobei uns besonders die aus alten Büchsen hergestellten Küchengeräte begeistern. Und so finden Corned Beef Dosen als Schöpflöffel neue Verwendung während sich die kleinen Tomatenpürreedosen als schmucke Ölkännchen herausgeputzt haben. Selbst alte Kronkorken scheinen noch für ein paar Birr gut zu sein und werden ordentlich sortiert auf einem Tablett angeboten. Für unsere Souvenirsammlung erstehen wir noch eine Kaffeekanne aus gehämmertem Blech und drei passende Untergestelle. Und ehrlich gesagt, an den Stoffläden kommt Gaby aus irgend einem Grunde auch nicht vorbei und so wandert auch noch eines dieser so schönen Umhängetücher mit leuchtend bunter Bordüre in unseren Rucksack. Zur Rückreise leisten wir uns statt Bus ein Taxi. Damit können wir beliebige Fotostops einlegen. Und diese Gebirgslandschaft, die farbenfrohen Kleider der Frauen, aber auch die Dromedare sind lohnende Objekte. In der wüstenartigen Tiefebene sehen wir noch die Einschußlöcher in Kakteen, und immer wieder mal einen vor sich hin rostenden Panzer. Allen Nachrichtensendungen in Deutschland zum Trotz sehen wir nirgendwo hungernde Kinder mit angeschwollenen Bäuchen, es scheint allen ganz gut zu gehen.

Starker Gegenwind - an den wir uns wohl im Roten Meer gewöhnen müssen - hält uns nochmals zwei Tage fest, dann geht's weiter. Aber wir kommen nur 25 Meilen weit bis zu der kleinen Insel Sheik el Abu, denn schon wieder weht es zu kräftig von vorn. Wir genießen die Einsamkeit dieses kleinen Sandhügels, dessen Strand nur so von Einsiedlerkrebsen wuselt - und natürlich ist Gabys Muschelsammeltrieb immer noch unvermindert heftig.

Drei Tage und zwei Nächte motoren wir gegenan. An der Grenze zum Sudan verstellen wir zum letzten Mal die Uhr: Da in Deutschland schon Sommerzeit herrscht, geht unsere Borduhr nach vier Jahren wieder wie zu Hause. Stellt sich die Frage: "Wo ist eigentlich der Tag geblieben, den wir im August 1992 kurz vor Tonga an der Datumsgrenze übersprungen haben?"

Sudan

   Ruinen von Suakin

Wir erreichen unseren ersten Ankerplatz im Sudan: Suakin. Diese Ruinenstadt beeindruckt uns schon von Weitem während der Einfahrt durch das Riff und später erfahren wir aus verschiedenen Erzählungen ihre Geschichte: Schon die Nubier und der Pharao Ramses III hatten hier Siedlungen, doch die Blüte erreichte Suakin als Fährhafen für die Pilger, die auf dem Weg nach Mekka das Rote Meer überqueren wollten. Vor allem der Schmuggel und der Sklavenhandel (noch bis nach dem 2. Weltkrieg gut funktionierend) brachten einen gewissen Reichtum. Heute ist die alte Stadt total zerfallen, aber immer noch kommen jeden Morgen die Beduinen mit ihren Karawanen auf den Markt. Also wimmelt es von Ziegen, Eselkarren und Kamelen, die Männer tragen noch immer unter ihrer Jelabah einen Dolch - nicht weil sie aggressiv oder bösartig sind, sondern einfach aus Tradition. Der Schmuck der Frauen ist aus Gold und Silber, ihre Gewänder farbenprächtig, und wieder mal treffen wir sehr freundliche und interessierte Einwohner. Der Sudan ist das größte Land Afrikas, und die Straße von hier nach Karthoum (etwa 1000 km) wurde von der deutschen Strabag gebaut. Ihr ehemaliges Lager ist der einzige Fleck in weitem Umkreis mit fließendem Wasser und Elektrizität. Unsere Postkarten geben wir Hassan, der uns verspricht, sie bei Gelegenheit nach Port Sudan zu bringen - wir sind mal gespannt, wann oder ob überhaupt, diese Karten ankommen. Abu Beiker lädt uns zum Abendessen mit Tanz. Er hat einen wirklichen Unternehmergeist und will hier den Tourismus ankurbeln. Die Flotte hier ankernder Yachten scheint ihm ein guter Start, und so sind wir mit hoher Wahrscheinlichkeit die ersten, die in Suakin die Darbietung traditioneller sudanesischer Tänze mit Livemusik erleben darf. Wir sind jetzt so richtig in Afrika. Die Instrumente sind aus Holz und Ziegenfell, xylophonartig liegen roh behauene Hölzer quer auf zwei längeren, die Rasseln sind mit Steinen gefüllte Blechdosen.

   Nur noch Kamele

Muhammed besorgt uns Diesel und Propan, Achmed sorgt dafür, daß wir fast unbeschränkt Landgang bekommen (offiziell dürfen wir nur in einem Notfall einmal für drei Stunden ins Dorf), und als uns Abu noch eine offizielle Erlaubnis zum Fotografieren besorgt, ist mal wieder der Bär los. Auf dem Marktplatz wollen 500 Augen gleichzeitig durch unsere Sucher spickeln, mindestens 5 Hände zerren gleichzeitig in unterschiedlichen Richtungen am Video - kurz vor lauter Begeisterung dieser Menschen sind wir praktisch nicht mehr in der Lage, Kamele oder andere liebevolle Details dieses Dorfes abzulichten. Jeder fragt woher wir kommen, der eine oder andere hat schon mal was von Deutschland gehört, und Hassan war sogar schon mal auf der Reeperbahn ! Sind es solche Erfahrungen, die die Haltung der Araber gegenüber westlichen Frauen prägt? Kaum ist Gaby mal alleine zum Markt, schon passieren allerlei Pöbeleien bis hin zum Busengrabschen. Gott sei Dank legt sich der Wind und wir verlassen mit gemischten Gefühlen diesen Ort. Allerdings macht unser Getriebe inzwischen große Schwierigkeiten.

Ägypten

   Typisch Rotes Meer: Wüste und Wasser

Das Rote Meer bietet ausschließlich kräftigen Nordwestwind - also für uns immer genau auf die Nase. Bei dem vielen Motoren gegenan gibt schließlich unser Getriebe vollends den Geist auf und wir sind gezwungen, auf Teufel komm raus zu kreuzen - wahrlich kein Vergnügen. Also versuchen wir uns bei Starkwind rechtzeitig zu verstecken, segeln bei leichteren Winden, kommen natürlich nur langsam voran. Immerhin sind die Krisenherde am Roten Meer zur Zeit friedlich, so daß wir fast überall ankern dürfen, selbst direkt an der Grenze zwischen Sudan und Ägypten, auch wenn wir uns, wie z. B. in der Marsa Halaib bei dem hier stationierten Kanonenboot an- und abmelden müssen. Allerdings können wir unter Segel nicht in die oft engen Buchten einlaufen, so daß es ein wirkliches Glücksspiel wird, ob wir eine der wenigen großen Ankerplätze bei Tageslicht erreichen oder weiter segeln müssen. Denn der Wind kommt nicht nur von vorn, er weht entweder richtig kräftig oder gar nicht. Das Rote Meer ohne Maschine - segeln zum Abgewöhnen! Und so segeln wir eine ganze Nacht dem nördlichen Wendekreis entlang, ohne auch nur eine Meile Nord zu machen. Endlich bei Tagesanbruch haben wir es geschafft: Die Sonne wird für die nächsten Jahre für uns im Süden stehen! Gott sei Dank haben wir das Wetterfax an Bord, so daß wir normalerweise 36 Stunden im voraus absehen können, wie sich der Wind entwickeln wird.

Dank der holländischen Yacht Klepel, die uns ein paar Meilen schleppt, erreichen wir rechtzeitig vor dem nächsten Starkwind die Marsa Alam. Seit 6 Tagen weht es nun schon ununterbrochen - natürlich immer genau aus Suez. In einem kleinen Laden können wir das Wichtigste einkaufen, und das Gespräch mit den Einheimischen (etwas holperig, weil unser arabisch gerade mal für ein salaam gut ist), nimmt eine überraschende Färbung an: "Deutschland. Hitler. Sehr gut!" Wir sind baff erstaunt über die arabische Denkweise, als man uns erklärt, daß Hitler der einzige war, der jemals die Juden wirklich besiegt hat. Der Haß gegenüber Israel ist unbeschreiblich, auch wenn die Ägypter sonst ein ganz lustiges Volk sein können - besonders dann, wenn es darum geht, Touristen wie uns beim Handeln übers Ohr zu hauen...

Trotz allen Widerlichkeiten verlieren wir aber unseren Humor nicht. Der Tisch im Cockpit bricht plötzlich zusammen. Ich: "Gaby, bist Du dran gestoßen oder ist er von alleine zusammengebrochen?" Gaby: "Beides, erst bin ich drangestoßen, und dann ist er von ganz alleine zusammengebrochen!". Wie oft schleppen wir unsere Angelleine nach. "Fisch!" ruft Gaby - schnell die Leine eingeholt - haben wir doch tatsächlich unsere eigenen Kartoffelschalen wieder! Da wir sehr viel Wartezeiten wegen Starkwind haben, genießen wir das Leben an Bord. Gaby verfeinert ihre Brotbackkünste - es schmeckt besser denn je, z. B. das Yoghurt-Brot! Auch Marmelade kocht Gaby inzwischen selbst.

In Hurghada sind wir endlich in der Lage, unsere technischen Probleme zu lösen - frei nach dem Motto: "Geht nicht - gibt's nicht!". Rudi von der schweizer Yacht Skorpio zerlegt fachmännisch unser Getriebe, baut ein Stück Pappe als Abstandshalter ein, ich reinige mal wieder die gesamte Kraftstoffanlage während Gaby unsere Dusche im Cockpit repariert. Uns fällt ein Stein vom Herzen, als alles wieder so funktioniert, wie es soll - und schon finden wir Muse, im kristallklaren Wasser bei der Insel Giftun zu tauchen und zu schnorcheln. Als aber das Wetterfax ausnahmsweise Südwind verspricht - Allah akbar! - ist unsere Ankerkette blitzartig wieder im Kasten. Diese Brise ist heftiger als erwartet, der Schäkel der Fock bricht in einer Bö während gleichzeitig die Tasche einer Segellatte am Großsegel einfach wegfliegt und der Besan in der ganzem Breite durchreißt - innerhalb von wenigen Sekunden sind wir ohne brauchbare Segel und auf dem Herd garen auf Grund der Hektik an Deck inzwischen unsere Bratkartoffeln etwas knuspriger... Na ja, es ist halt der erste Mai: Tag der Arbeit. Alles wird schnell notdürftig geflickt und wir ziehen weiter direkt nach Suez. 6 Wochen für 1200 Meilen, absoluter Negativ-Rekord. Doch obwohl wir von Suakin bis Hughada ohne Maschine unterwegs waren, treffen wir hier unsere ganzen alten Bekannten wieder, die teilweise nur tags zuvor angekommen sind - das Rote Meer hat uns zwangsweise zu ganz tapferen Seglern gemacht.

   Und endlich in Suez

In Suez fängt uns bereits Meilen vor dem Hafen der Prince of the Red Sea ab. Dieser Agent erledigt für uns alle Formalitäten, zeigt sich auch sonst sehr hilfsbereit, und als Gaby nach dem obligatorischen Handeln US$ 50 für uns rausgeschlagen hat, sind wir sein Kunde. Dennoch sind die Ägypter irgendwie unmöglich. Ging es beim Handeln in Indonesien lediglich darum, etwas Spaß zu haben - hier ist das Ziel immer, den anderen richtig übers Ohr zu hauen. Und wenn man das Wechselgeld nicht nachzählt, fehlen regelmäßig 10 Pfund. Landgang mit Kamera ist verboten: "Kauft doch Postkarten", und als Gaby unsere Wäsche unverrichteter Dinge wieder aus der defekten Waschmaschine des Suez Yacht Clubs nimmt, scheut man sich nicht, von uns US$ 2 für die Benutzung der Waschmaschine zu fordern. Die Lotsen im Kanal sind gierig nach Bakschisch und haben im Prinzip 10 Stunden lang kein anderes Thema. Dazu ist die Fahrt durch den Suezkanal öde, rechts und links nur Sand und Wüste, ohne Abwechslung und langweilig - kein Wunder, daß wir froh sind, als Ägir nach vier Jahren wieder Mittelmeerwasser unterm Kiel hat..

 

© ÄGIR  Gabriele und Jochen Leonhardt 1999. Alle Rechte vorbehalten. Letzter Update am: 22. März 2001