Die Heimreise.

Griechenland und Italien.

Griechenland

   Vertraute Fröhlichkeit am Hafen

Unser Kurs führt direkt nach Griechenland. Der Geheimtip heißt Kastellorizon. Eine malerische Bucht erwartet uns, kristallklares Wasser, bunte, gepflegte Häuser - und endlich wieder wirklich fröhliche und freundliche Leute. Wir ankern mit Heckleinen direkt vor der Taverne, griechische Musik über der ganzen Bucht, auf dem Uferweg schnattern die Gänse, im Hinterhof die Truthähne, dazu strahlend blauer Himmel - es kommt uns (speziell nach Ägypten) vor wie im Paradies; der Besitzer der Kneipe hilft uns beim Festmachen, lädt uns (morgens um 08:30 Uhr) schon zu einem Ouzo ein - und kein Gedanke an Bakschisch! Wir genießen Tzaziki, griechischen Bauernsalat, Kalamari und Koteletts, dazu ein kühler griechischer Landwein, und im Hinterkopf macht sich natürlich der Gedanke breit, daß wir nun wieder in Europa sind! Der Kurs nach Rhodos führt uns der türkischen Küste entlang. Die Berge Südanatoliens sind noch mit Schnee bedeckt, für uns ein absolut faszinierender Anblick. In Rhodos sind wir plötzlich mitten im touristischen Trubel Europas.

   Früh morgens ist man noch fast alleine

Gemütlich schippern wir quer durch die Ägäis von Ankerplatz zu Ankerplatz, von Taverna zu Taverna. Besonders gut gefällt es uns noch in Kimolos, denn hier ist man soweit abseits der Charterflotten und ohne Flughafen, daß wir ursprüngliches Griechenland erleben dürfen. Die Route führt weiter, südlich am Peloponnes vorbei nach Pylos, wo wir ausklarieren müssen. Noch einmal werden fast 100 Postkarten erstanden, denn wenn wir in wenigen Tagen unseren Ausgangskurs kreuzen, soll jeder noch eine letzte Karte von unserer Reise erhalten. Wie so oft werden wir noch ein wenig durch technische Probleme aufgehalten: Kraftstoffpumpe, Einspritzpumpe, doch wir sind nun ja in zivilisierten Gefilden und so ist es nur eine Frage der Zeit. Noch vier Tage trennen uns vom großen Ereignis.

Italien

Am 3. Juni 1995 gegen 18:00 Uhr ist es dann soweit. Die italienische Küste ist bereits in Sicht als der Korken in hohem Bogen aus der Flasche schießt. 1378 Tage und 31.134 Seemeilen liegen hinter uns, und es war nur schön. In unserer Euphorie funken wir die Yacht Scorpio an, von der wir wissen, daß sie in Reggio di Calabria liegt. Rudi erhält den Auftrag, das feinste Restaurant der Stadt ausfindig zu machen. In Reggio wird Ägir geflaggt und die Reihe der Gastflaggen aller besuchten Länder reicht von der zweiten Saling bis aufs Deck. Wir sind so richtig stolz auf uns.

Das Mittagessen zur Feier des Tages ist vom Feinsten, was die italienische Gastronomie zu bieten hat. Natürlich sind Louis und Rudi mit von der Partie. Als der Besitzer des Restaurants den Anlaß unseres kulinarischen Genusses erfährt, kommt er ins Schwärmen, schließt kurzerhand sein Lokal, um uns zunächst an Bord mit seiner Frau zu besuchen. Abends bleibt sein Restaurant geschlossen, dafür holt er uns im Hafen ab und chauffiert uns in seine Villa, wo seine Frau ‘nur ein paar Spagetthi’ vorbereitet hat. Diese italienische Gastfreundschaft ist einfach umwerfend.

   Ein letzter Blick ...

Durch bekannte Gewässer und über vertraute Häfen segeln wir gen Elba, wo wir am 11. Juni 1995 in Porto Ferraio eintreffen. Auf den Slip, ins Trockenlager, Unterwasserschiff reinigen, und klar Schiff überall, das war’s. War’s das?

Als wir mit der Fähre Elba verlassen und unserem treuen Ägir von Ferne nochmals zuwinken, kullern dicke Tränen. Wir kommen wieder. Bestimmt.

   
 

© ÄGIR  Gabriele und Jochen Leonhardt 1999. Alle Rechte vorbehalten. Letzter Update am: 22. März 2001